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Porzingis vor der EM: Kann ausgerechnet er den Fluch brechen?

kicker

Schneller und extremer geht es selbst in der NBA selten bergauf und bergab. Die vergangenen beiden Jahre des Kristaps Porzingis waren die reinste Achterbahnfahrt: Per Trade "gerettet" aus dem basketballerischen Niemandsland Washington, Meister mit Boston - und nur ein Jahr später bereits der nächste Trade. Der sich trotz allem irgendwie angekündigt hatte.

Porzingis wurde bei den Celtics ein Opfer des neuen Collective Bargaining Agreements, der faktischen Unmöglichkeit, ein (sehr) teures Team lange zusammenzuhalten. Er wurde jedoch auch ein Opfer seines eigenen Daseins: KP ist ein exzellenter Basketballspieler, mit einem seltenen, äußerst wertvollen Skillset. Er ist aber nicht … verlässlich.

Zehn Jahre hat Porzingis mittlerweile bereits in der NBA auf dem Buckel. Gespielt hat er in neun davon - 60 Spiele übertroffen hat er dreimal. Vergangene Saison waren es 42 Spiele, plus elf in den Playoffs, in denen er ein Schatten seiner Selbst war (7,7 Punkte, 31,6% FG). Es ist nicht direkt verwunderlich, dass er zu den Spielern zählte, welche die Celtics als entbehrlich ansahen.

Es hat sich bisher schlichtweg nicht als praktikabel erwiesen, ein Team um das "Einhorn" herum aufzubauen. Was im Sommer 2025 dennoch zwei Teams davon nicht abhielt, genau das zu versuchen - und von großen Erfolgen zu träumen. Und dafür vielleicht sogar gute Gründe zu haben.

Eine bessere Situation?

Porzingis steht vor einem Sommer, der richtungsweisend sein könnte. Und vor einer Saison, in der mit seinem neuen Team vieles möglich erscheint, ohne dass er dabei jedoch derart unterm Brennglas steht wie zuvor bei den Celtics.

"[Atlanta] ist eine großartige Situation für mich, um etwas beizutragen. Vielleicht sogar besser als in Boston, wo es um Championship oder Bust ging", sagt Porzingis selbst. "Hier ist der Druck nicht derselbe - es ist leichter, Erwartungen zu übertreffen. Das ist eine bessere Position. Es liegt in unseren Händen, und ich denke, wir können im Osten einige überraschen."

Das ist eine verständliche Ansicht. Tatsächlich hat sich Atlanta mit dem Trade für Porzingis - für den sie lediglich Georges Niang, Terance Mann und den Nr.22-Pick abgeben mussten - und einigen anderen Deals in Position gebracht, um in der Eastern Conference zum ersten Mal seit 2021, als das Team die Conference Finals erreichte, mal wieder eine richtige Rolle zu spielen.

Porzingis: Alles, was nötig ist

Atlanta hat in der Theorie alles, was ein echtes Top-Team braucht: Lineup-Flexibilität, Talent auf allen Positionen, legitime Tiefe. Etablierte Stars, in Person von Trae Young und Porzingis. Einen aufstrebenden Forward in Jalen Johnson, der am Ende vielleicht wichtiger sein wird als beide. Talente insbesondere auf dem Flügel, angeführt vom 2024er Nr.1-Pick Zaccharie Risacher und Dyson Daniels, der gerade Zweiter im Rennen um den Defensive Player of the Year wurde.

Der Kader steckt voller Möglichkeiten. Gerade die Pick’n’Pop-Kombination aus Young und Porzingis, einem der nach wie vor besten großen Floor-Spacer der NBA, begeistert auch den Letten: "Ich glaube, ich kann der Offense noch mehr Level verleihen, die ohnehin schon sehr potent ist. Offensiv können wir eine echte Macht werden."

Mit einem Scorer wie Porzingis hat Young bisher noch nie zusammengespielt, auch wenn die Hawks mit ihm dennoch schon einige Male sehr gute Offensiv-Teams stellten (21/22 hatten sie die zweitbeste Offense der NBA). Defensiv war das noch nie der Fall - auch das könnte sich kommende Saison jedoch ändern.

Young wird zwar immer ein defensives Sicherheitsrisiko bleiben. Ansonsten ist der Kader nun aber fast ideal dafür geeignet, den Guard zu beschützen: Mit Daniels, Johnson, Porzingis, Onyeka Okongwu oder Neuzugang Nickeil Alexander-Walker lässt sich Beton anrühren, in unterschiedlichen Kombinationen, mit kleinen, "normalen" oder auch riesigen Lineups.

Fragezeichen (fast) überall

In der Theorie klingt das alles sehr vielversprechend. In der Praxis wird sich zeigen müssen, wie gut die Teile tatsächlich passen, und wie verlässlich sie sind: Porzingis ist ein Fragezeichen, aber nicht das einzige. Johnson absolvierte in den letzten beiden Saisons 56 respektive 36 Spiele, Okongwu fehlt ebenfalls oft, Absicherung in Form eines dritten bewiesenen Bigs gibt es nicht.

Hinzu kommt, dass Young und Porzingis kommenden Sommer jeweils Free Agents werden könnten (Young hat eine Spieler-Option über 49 Mio. Dollar). Für alle Beteiligten steht also auch individuell einiges auf dem Spiel, gerade beim 30-jährigen Porzingis, für den der nächste Vertrag der letzte richtig große sein könnte.

Die Hawks und Porzingis werden also genau evaluieren müssen, wie gut sie zusammenpassen, auch während der Saison könnte ein neuer Vertrag bereits ausgehandelt werden. Die Gesundheit dürfte dabei wieder einmal eine gewichtige Rolle spielen. Die erste Hürde in der Hinsicht scheint immerhin genommen.

Die Krankheit ist weg

Über große Teile der vergangenen Saison und insbesondere der Playoffs plagte sich Porzingis mit einer nie näher definierten, mysteriösen Krankheit herum, die seine Leistungen entsprechend beeinträchtigte. Ihm zufolge ist diese Krankheit nun jedoch endgültig kein Thema mehr.

"Ich fühle mich fantastisch", sagte Porzingis Ende Juli. "Ich brauchte etwas Zeit, um mich auszuruhen. Etwas war da noch in den Playoffs - ich wurde müde, mir wurde schwindlig, mehrfach hatte ich das Gefühl, in Ohnmacht zu fallen. Das war wirklich übel. Aber all das ist nun ausgestanden."

Von Anfang an hatte Porzingis klargestellt, trotz der Probleme im Sommer definitiv für Lettland spielen zu wollen. Damit hat er nun bereits angefangen und mit starken Leistungen unter anderem gegen Litauen (22 Punkte, 5 Assists) und Slowenien (20 Punkte, 6 Rebounds) auch bereits gezeigt, dass er wieder deutlich mehr wie er selbst wirkt als noch im April und Mai.

Porzingis und Lettland: Im Aufstieg begriffen

Seine Mannschaft wird dadurch prompt noch um einiges interessanter als ohnehin schon. Porzingis konnte 2023 nicht mitwirken, als Lettland im WM-Viertelfinale nur einen Dreier von Davis Bertans davon entfernt war, den späteren Weltmeister Deutschland aus dem Turnier zu werfen, während sie Siege gegen Frankreich, Spanien, Italien und Litauen einfuhren.

Unter Head Coach Luca Banchi, der seit 2021 für Lettland an der Seitenlinie steht und 2023 zum Coach der WM gewählt wurde, hat das Team regelmäßig begeisternden, sehr offensivlastigen Basketball gespielt und sich zu einem kleinen Powerhouse gemausert.

Viele Stars hat das Team zwar nicht, jedoch kann fast ausnahmslos jeder ihrer Spieler werfen, zudem wird schnell gespielt - Spiele mit 100+ Punkten auf beiden Seiten sind bei ihnen keine Seltenheit.

Was ist mit Porzingis möglich?

2025 wird mit Porzingis, der erstmals seit 2017 bei einer EM dabei ist, nun sogar von einer Medaille geträumt - der ersten seit 1939. Als Ausrichter von Gruppe A und der K.o.-Runde wollen die Letten den Fluch brechen, der seit 1993 besteht, als letztmals ein Heimteam Gold bei einer EuroBasket holte.

Wenigstens den Status eines Geheimfavoriten kann man ihnen dabei tatsächlich zugestehen. Was durchaus auch an Porzingis liegt. Der nicht immer verlässlich ist - der aber in den Phasen, in denen er fit ist, auch auf den größten Bühnen einen riesigen Unterschied machen kann. Auf diese Phasen hoffen die Letten - und natürlich auch die Hawks.

Die Achterbahnfahrt muss noch keineswegs vorbei sein. Vielleicht sogar noch lange nicht.