16. Schweden (1-4)
Der erste Sieg bei einer EuroBasket seit 2013 brachte Schweden gleich den ganz großen Preis: einen Platz im Achtelfinale. Echte Chancen dürften die Skandinavier jedoch kaum haben. Wenngleich sie Finnland zum Turnierauftakt einen dezenten Schreck einjagten. Heat-Guard Pelle Larsson musste gegen Deutschland krankheitsbedingt pausieren, spielt ansonsten aber eine gute EuroBasket (19,8 Punkte, 4,5 Rebounds, 2,3 Assists).
15. Portugal (2-3)
Es ist vielleicht eine der größten Sensationen der Vorrunde: Nicht Estland oder Tschechien, Portugal sicherte sich das letzte Achtelfinalticket in Gruppe A. Angeführt von Bostons Neemias Queita (15 Punkte, 7,4 Rebounds, 1,8 Blocks), der im entscheidenden Spiel gegen Estland nach seinem zweiten Technischen Foul allerdings vorzeitig raus musste, spielt das Team schnellen, für gegnerische Teams anstrengenden Basketball. Den beherrscht das DBB-Team, Portugals Gegner im Achtelfinale, jedoch ebenfalls.
14. Georgien (2-3)
Zum Auftakt bezwangen die Georgier direkt den Titelverteidiger und leiteten so Spaniens erstes Vorrundenaus seit 1977 ein. Angeführt von Alexander Mamukelashvili und Goga Bitadze pushte sich das Team zum Sieg. Gegen Italien schien es, als trage die Emotionswelle Georgien zur nächsten Überraschung - bis sie es nicht mehr tat. Kippen die Gefühle, verliert das Team schnell seine Ruhe. So auch im entscheidenden Spiel gegen Bosnien-Herzegowina, weshalb erst Spaniens Niederlage gegen Griechenland den Achtelfinaleinzug sicherte.
13. Bosnien-Herzegowina (3-2)
Die Absagen schienen Bosnien-Herzegowina doch stark zuzusetzen. Nach dem Pflichtsieg gegen Zypern unterlag das Team Spanien und Italien. Erst der Überraschungserfolg gegen Griechenland brachte die Chance auf das Achtelfinale, die Bosnien mit einem größtenteils souveränen Spiel gegen Georgien durchaus eindrucksvoll nutzte. Gleichzeitig offenbarte die Partie, wie sehr gerade Dzanan Musa fehlt: So gut Jusuf Nurkic spielt (16,4 Punkte, 9 Rebounds), ohne verlässliche Hilfe von außen wird das Team schnell ausrechenbar.
12 . Israel (3-2)
Dass Israel in der Gruppenphase Frankreich überrumpelte, lag auch an Deni Avdija. 23 Punkte bei 70 Prozent aus dem Feld legte der Blazers-Flügel auf und zählt auch sonst bislang zu den besten Spielern des Turniers. Avdija scort (24,4 Punkte, Platz 4) und arbeitet am Brett (7,6 Rebounds). Durch die Niederlage zum Gruppenabschluss gegen Slowenien rutschte Israel noch auf Platz 4 der Gruppe D ab. Nun wartet Griechenland. Undankbar.
11. Finnland (3-2)
Das Turnier begann mit einem Fast-Schock. Gegen Schweden taten ich die Finnen überraschend schwer, schienen sich danach aber gefangen zu haben. Schienen. Litauen war zu stark, das DBB-Team teils in einer anderen Liga. Finnlands schneller, anarchischer Stil kann Gegner überrumpeln. Gleichzeitig fehlt ab dem Achtelfinale der Heimvorteil und das Team wirkte auch in Tampere nicht immer wie eine Einheit. Explodiert Lauri Markkanen nach zwei überschaubaren Spielen gegen Litauen und Deutschland (19 und 11 Punkte) wieder?
10. Slowenien (3-2)
Slowenien tat, was es tun musste, um das Achtelfinale zu erreichen: Es schlug Belgien und Island, die wohl schwächsten Teams in Gruppe C. Jede Menge Luka Magic benötigte der Europameister von 2017 dennoch. Keiner scort im gesamten Turnier mehr (32,14 Punkte), nur einer verteilt mehr Assists (8,4), dazu kommen 8 Rebounds. An der Aussicht hat sich wenig geändert: Neben Doncic fehlt den Slowenen diesmal einfach zu viel, als dass sie ernsthafte Medaillenaussichten hätten. Durch den Erfolg gegen Israel beendeten sie die Vorrunden dennoch mit drei Siegen. Trägt Luka das Team doch weiter durch das Turnier als gedacht?
9. Polen (3-2)
Der Co-Gastgeber ließ sich von der Atmosphäre in Katowice tragen. Erst gegen die unberechenbaren, phasenweise aber sehr unangenehmen Franzosen mussten die Polen die erste Niederlage hinnehmen, gegen Belgien folgte überraschend die nächste. Mit Mateusz Ponitka und Jordan Lloyd haben sie zwei extrem gefährliche Waffen auf den kleineren Positionen. Bleibt zu sehen, wie gut sich das Team entwickelt, wenn die Unterstützung der eigenen Fans in Riga weniger lautstark ausfällt - und sich die kleine Rotation bemerkbar macht.
8. Litauen (4-1)
Hätte sich Rokas Jokubeitis gegen Finnland nicht schwer am Knie verletzt, womöglich stünden Litauens Chancen noch ein wenig besser. Der Point Guard spielte eine herausragende EuroBasket, lenkte das Spiel der Balten und scorte selbst. Anders als in der Vergangenheit rettet der Dreier Litauen nur selten (26 Prozent als Team). Jonas Valanciunas dominiert Zonen zwar nicht wie gewohnt, bleibt aber eine verlässliche Option. Lettland könnte trotzdem Probleme bereiten.
7. Lettland (3-2)
Der Gastgeber der Finalrunde traf in der Gruppe gleich auf zwei der drei bislang besten Teams des Turnier. Beide Spiele verlor Lettland. Doch was sagt es aus, wenn Serbien und diese Türkei zu gut sind? Zumal die Letten den großen Favoriten so nah an den Rand der Niederlage schubsten, dass Nikola Jokic schon die gut versteckten Muskeln spielen lassen musste (39 Punkte, 10 Rebounds). Seine Pflichtaufgaben erledigte Lettland. Vielleicht drehen Team und Kristaps Porzingis (17,4 Punkte) mit den Fans im Rücken in der Finalrunde zusätzlich auf.
6. Italien (4-1)
Nach der Auftaktniederlage gegen Gruppenfavorit Griechenland fing sich Italien schnell. Vier Spiele folgten, vier Mal gewannen die Azzurri. Simone Fontecchio geht gewohnt vielseitig voran. Unterstützung erhält er unter anderem von Saliou Niang, den die Cleveland Cavaliers in der zweiten Runde drafteten. Ungefährlich ist Italien auch in der Finalrunde nicht.
5. Frankreich (4-1)
Ein bisschen liefert Frankreich, was es als junges, athletisches Team im Umbruch, ohne klare erste Option versprach: Spielt die Equipe wie bei der Niederlage gegen Israel erratisch, fehlt die ordnende Offensivhand, die all die Kraft in gewinnbringende Bahnen lenkt. In anderen Momenten übernimmt Kapitän Gerschon Yabusele und schenkt Polen 36 Punkte ein. Frankreichs Defense ist die erwartet unangenehme. Mit Alex Sarr fällt allerdings der nächste ganz Wichtige für den Rest der EuroBasket aus. Auf den großen Positionen ist es mittlerweile sehr dünn.
4. Griechenland (4-1)
Dass nur die Türkei den Dreier verlässlicher treffen würde als Griechenland, war vor dem Turnier nicht zwingend zu erwarten. Mit 45,6 Prozent hat das Team nun jedoch das nötige Spacing rund um Giannis Antetokounmpo und spielt auch so. Der NBA-Champion von 2021 nutzt den Platz, um Zonen zu terrorisieren. Hinten räumt Giannis selbst ab; wenn er spielt. Zwei Mal schonte Coach Vassilis Spanoulis seinen Besten. Gegen Zypern unproblematisch, gegen Bosnien-Herzegowina setzte es eine überraschende Pleite. Ohne Giannis fehlt vor allem hinten die Präsenz in der Zone. Vorne hilft dafür Tyler Dorsey (14,8 Punkte, 48,6 Prozent Dreier).
3. Serbien (4-1)
Dass Serbien nach der Vorrunde auf Rang drei steht, hat drei Hauptgründe: Verletzungen, die Türkei und Deutschland. Bogdan Bogdanovic’ Ausfall trifft den großen Favoriten schwer. Ohne seinen Kapitän fehlt Serbien die klare Scoring-Option neben Jokic, der wie gegen Lettland viel selbst übernehmen muss. Natürlich hat Svetislav Pesic hervorragende Alternativen wie Marco Guduric, Bogdanovic schwebt aber selbst bei Serbien über vielen. Womöglich hätte das Team die Türkei dennoch geschlagen, hätte sich Aleksa Avramovic nicht an der Ferse verletzt. Rückkehr im Achtelfinale möglich. Serbien hat weiterhin alle Chancen, die Konkurrenz überzeugte für den Moment jedoch etwas mehr.
2. Türkei (5-0)
Beim Gipfel gegen Serbien lief die Türkei kollektiv heiß. Dreier um Dreier verließ die Hände von Shane Larkin, Cedi Osman, Furkan Korkmaz und Alperen Sengün, um danach durch den serbischen Ring zu rutschen. Die Türken wollten gewinnen und entrissen den Serben dank Shooting (58,1 Prozent Dreier) und Entschlossenheit den Gruppensieg. Eine Fortsetzung des Turniers: Neben dem DBB überzeugte die Türkei wohl am ganzheitlichsten. Zumal Sengün ein exzellente EuroBasket spielt.
1. Deutschland (5-0)
Deutschland funktioniert als Team so herausragend, reagiert so ungerührt auf unterschiedliche Problemstellungen, zieht sein Spiel so gnadenlos durch, dass es wenig Vorstellungskraft braucht, um sich einen ganz tiefen Turnier-Run vorzustellen. Zumal Dennis Schröder einer der besten FIBA-Spieler des Planeten bleibt und Highspeed-Franz-Wagner dank seiner Dynamik und Tänze durch die Zone schlicht nicht zu stoppen ist. Dass alle anderen ebenfalls hochkarätige Beiträge liefern, Isaac Bonga selbst Lauri Marianen an die Ketten legt, auch Tristan da Silva immer mehr seine Rolle findet, tut sein Übriges. Das DBB-Team wirkt nach der Vorrunde wie eine schwer bezwingbare Maschine.
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