Der 20. Mai 2025 geht in Trier in die Geschichtsbücher ein: Nach zehn Jahren Zweitklassigkeit gelang durch ein 3:0 im Pro-A-Halbfinale gegen Phoenix Hagen die langersehnte Rückkehr in die BBL. Im Finale gegen Jena vergoldete man den Aufstieg dann noch mit der Meisterschaft. Noch im Vorjahr waren die Gladiators als souveräner Hauptrundenmeister mit nahezu dem identischen Kader in Spiel 5 vor eigenem Publikum gegen Frankfurt gescheitert.
Nun gibt es am Traditionsstandort, bis 2015 ein Vierteljahrhundert am Stück Erstligist und zweifacher Pokalsieger, also wieder Bundesliga-Basketball zu sehen. Die damalige TBB Trier war nach Insolvenz und daraus folgendem Punktabzug vor zehn Jahren abgestiegen. Mit dem jungen Aufstiegstrainer Jacques Schneider, der vor der vergangenen Saison vom Assistent zum Chef aufstieg, wollen sich die Gladiators wieder dauerhaft im Oberhaus etablieren. Die gesamte Organisation hat sich in der vergangenen Dekade zunehmend professionalisiert - und, ganz wichtig: steht finanziell auf gesunden Beinen.
Leistungsträger bleiben - punktuelle Verstärkungen
Anders als Mitaufsteiger Jena konnten die Gladiators alle Leistungsträger halten. Lediglich Point Guard Marcus Graves (jetzt Hagen) wurde durch den letztjährigen Oldenburger Eli Brooks ersetzt, der der Mannschaft ein Upgrade geben soll und wird - solange er denn fit bleibt (letztes Jahr nur 16 Spiele). Mit dem dänischen Finals-MVP Urald King (zuletzt Bakken Bears) kam zudem ein athletischer Power Forward, der auch den Dreier treffen kann. Der dritte Neuzugang ist Dexter Akanno. Der vielseitige Flügelspieler wechselt direkt vom Collegeteam Utah State zu den Gladiators. Spannend wird sein, wie schnell er sich an den europäischen Basketball adaptieren kann. Mit dem jungen Esten Jorke Aav verpflichtete man zudem einen Perspektivspieler mit viel Potenzial.
Der Kern um Ex-EuroLeague-Center Maik Zirbes und die in der Pro A sehr dominanten Guards Behnam Yakhchali, Jordan Roland und Clay Guillozet, die sich frühzeitig zu Trier bekannten, bleibt jedoch bestehen und geht in sein drittes Jahr. "Das Grundgerüst ist da und ganz wichtig: wir sind eingespielt", betonte deshalb auch Coach Schneider schon vor einigen Wochen im Interview mit dem SWR. Ein mögliches Pfund, gerade in der Anfangsphase der Saison.
Gladiators Trier: Zu- und Abgänge im Überblick
Zugänge: Urald King (Bakken Bears), Eli Brooks (Oldenburg), Jorke Aav (Team Ehingen Urspring), Dexter Akanno (Utah State)Abgänge: Marcus Graves (Phoenix Hagen), Hendrik Drescher (Göttingen), Amir Hinton (Artland Dragons), Jannes Hundt, Aimé Olma (Neustadt Shooters), Haris Hujic (RheinStars Köln), Paul StupperichVerlängerungen: Clayton Guillozet (bis 2026), Maik Zirbes (bis 2026), Evans Rapieque (bis 2026), Yannis Steger (unbekannt)
Klassenerhalt als oberstes Ziel - oder geht sogar mehr?
Auf den deutschen Positionen bilden neben Zirbes die Aufstiegshelden Marco Hollersbacher, Marten Linßen, Nolan Adekunle und Evans Rapieque das Gerüst, verfügen aber über wenig bis keine BBL-Erfahrung. Aber: "Wir trauen ihnen die BBL zu", erklärt Schneider. JJ Mann, der fast die gesamte vergangene Saison mit Kreuzbandriss verpasste, läuft zudem jetzt mit einem deutschen Pass auf. Fraglich, wie viele Minuten für den 34-Jährigen aber wirklich abfallen werden.
Das Ziel nach dem Aufstieg ist trotz aller Euphorie klar: Der Klassenerhalt. "Wir wollen uns irgendwann auch etablieren und haben auch das Potenzial dazu. Aber wir werden uns jetzt erstmal als Ziel setzen, zehn oder für mich als Rheinländer elf Siege so schnell wie möglich einzufahren", sagt Schneider. "Wenn wir das schaffen bin ich sehr optimistisch, dass wir die Klasse halten."
Dafür muss sich Trier besonders an das höhere Tempo und die Intensität in der Liga gewöhnen. Dass das gelingen kann, bewies man unter anderem im Testspiel beim alten Rivalen aus Bonn, das man für sich entscheiden konnte. Auch wenn Schneider betont, Vorbereitungsergebnissen keine große Priorität beizumessen, ein erster Gradmesser. Auch die schnelle und offensive Spielweise wird sich eine Etage höher nicht Eins-zu-eins beibehalten lassen. Die wichtigen Siege gegen die (vielen) direkten Konkurrenten werden die Moselstädter zunächst vor eigenem Publikum einfahren müssen. Schließlich ist die BBL in den vergangenen Jahren in der Breite immer ausgeglichener geworden.
Einschätzung
Wenn es gelingt, die Heimstärke zu transportieren, ist den Gladiators der Klassenerhalt auf jeden Fall zuzutrauen - vielleicht klappt auch der Sprung ins gesicherte Mittelfeld. Dafür müssen besonders die neuen Spieler oder etwaige Nachverpflichtungen die Mannschaft auf ein neues Niveau heben - und die Aufstiegshelden sich schnell an die Physis und Schnelligkeit der BBL adaptieren. Schafft Trier das nicht, könnte es bis zum Schluss eng bleiben mit dem Ligaverbleib.
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