Hauptstadtklub vor Scherbenhaufen
Die Saison 2024/25 ist für Alba Berlin beendet - es ist die möglicherweise beste Nachricht in der Hauptstadt der letzten Monate.
Bereits die Hauptrunde der Spielzeit war immer wieder von chaotischen Phasen durchzogen. Ob die Suspendierung und spätere vorzeitige Vertragsauflösung mit Center Khalifa Koumadje, das Missverständnis mit Trevion Williams oder die zeitlich seltsame Entlassung von Trainer Israel Gonzalez.
Sah es lange Zeit so aus, als ob Alba Berlin tatsächlich erstmals in diesem Jahrtausend die Playoffs verpassen könnte, erlebte der Verein unter Trainer-Nachfolger Pedro Calles eine kleine Renaissance. Inklusive des Play-In-Spiels gegen den MBC gewann Alba acht der letzten zehn Spiele. Man verdiente sich nicht nur Platz 7 zum Hauptrundenabschluss, sondern auch eine Chance, die durchwachsene Saison Vergessen zu machen.
Delow: "Es tut mir für unsere Fans leid"
In den Playoffs offenbarte sich der Trainerwechsel allerdings als Strohfeuer. Calles scheiterte vor allem daran, der Alba-Offensive endlich eine verlässliche Struktur zu geben. In allen drei Spielen gab es ein Viertel, in dem man mit mindestens zwölf Punkten outscort wurde - und das Spiel damit folgenschwer aus der Hand gab. Der spanische Coach setzte damit auch seine Horrorserie verlorener Playoff-Spiele am Stück fort: Vereinsübergreifend verloren Calles' Mannschaften nun 14 Postseason-Partien in Folge.
"Es tut mir vor allem für unsere Fans leid, die uns die ganze Zeit unterstützt haben und durch diese ganze Scheiße gehen mussten", sagte Malte Delow im Nachgang von Spiel 3 gegen Ulm. "Es bedeutet uns natürlich viel und wir sind umso trauriger, dass wir das nicht zurückzahlen konnten."
Ein weiterer Grund dafür: Albas Kader schien zu keiner Zeit den qualitativen Ansprüchen gerecht zu werden. Zugegeben hatte die Mannschaft insbesondere in der ersten Saisonhälfte mit vielen Verletzungen zu kämpfen. Dadurch wurde jedoch sichtbar, dass der Kader in der Breite nur mangelhaft aufgestellt worden war.
Sportlicher Umbruch wegen EuroLeague-Aus?
Seinen Ursprung hat diese Verschlechterung zur Vorsaison sicherlich auch in den personellen Verlusten. Den Weggang von Sterling Brown zu Partizan Belgrad konnte Will McDowell-White schlicht nicht kompensieren. Die verloren gegangene Identität und Führungsstärke eines Johannes Thiemann schmerzte in dieser Krisenzeit aber noch mehr.
Dabei hielt sich der Umbruch doch insgesamt stark in Grenzen. Das dürfte sich im bevorstehenden Sommer ändern. Durch den Austritt aus der EuroLeague gehen Alba Antrittsgelder in Millionenhöhe verloren. Spieler, wie Topscorer Matt Thomas und Yanni Wetzell, deren Verträge auslaufen, dürften wohl kaum zu halten sein. Das eigene Nachwuchsprogramm Lok Bernau dürfte und müsste wieder stärker in den Fokus rücken als in dieser Saison.
Auch die Zukunft auf Funktionärsebene dürfte infrage stehen. Platz 7 in der BBL bedeutet das schlechteste Abschneiden seit Jahren - und das trotz des zweithöchsten Budgets der Liga. Junge Spieler, die aufgrund ihres Entwicklungspotenzials verpflichtet wurden, konnten in dieser Saison nicht den erhofften nächsten Schritt machen. Sinnbildlich dafür: Den jungen Guard Procida strich Calles in den letzten Play-off-Spielen gegen Ulm gar völlig aus der Rotation. Mit Rapieque verabschiedet sich zudem ein verheißungsvolles Talent ans US-College.
Die Saisonpause hat für Alba Berlin gerade erst begonnen. Dennoch steht man schon jetzt vor jeder Menge Fragezeichen. Die nächste Saison könnte für den traditionsreichen Verein wegweisend sein: Bleibt Alba Belrin ein deutscher Spitzenklub oder rutscht man endgültig ins sportliche Mittelmaß ab?
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