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"Starker Kerl" als Konstante: Vergesst Thiemann nicht

kicker

Johannes Thiemann? "Ist ein starker Kerl", sagte Maodo Lo nach dem Supercup-Finale gegen Serbien. "Der kann das schon aushalten." "Das" war ein Bump des Berliners vor dem Spiel, der Thiemann einmal quer durch den Raum katapultierte, an dessen Ende sich einer der größten im DBB-Kader erst einmal aufrappeln musste. Sich gegenseitig anheizen, aufstacheln für, das was gleich kommt. Lo, so sagt er, mache das sowohl in der Nationalmannschaft als auch im Klub. Wegen seiner anstehenden Rückkehr nach zwei Wochen Pause sei er beim Ritual diesmal aber eventuell "zu euphorisch" gewesen. Vor allem bei JT.

Die gute Nachricht: Thiemann konnte die Euphorie seines Teamkollegen tatsächlich ab. Nicht nur, dass er weder Früh- noch Spätfolgen zeigte, Lo blieb der einzige, der Thiemann am Finaltag umschubsen durfte. Als Center startete er neben Lo, Dennis Schröder, Isaac Bonga und Franz Wagner und hatte damit die Freude mit einem, der Menschen gern wie Schachfiguren durch die Gegend schiebt, um danach den bestmöglichen Passwinkel, die bestmögliche Wurfposition zu finden. Doch irgendwie konnte Thiemann auch Nikola Jokic, den derzeit wohl besten Basketballer des Planeten, ab.

Insgesamt zwölf Punkte hatte er am Ende gesammelt und dabei vor allem gezeigt, wie wichtig er für das DBB-Team 2025 ist. Vielleicht sogar noch wichtiger als 2022, 2023 und 2024, als die Nationalmannschaft EM-Bronze holte, die Weltmeisterschaft gewann und Olympia als Vierter beendete. Die Rotation auf den großen Positionen, in der Vergangenheit immer eine Stärke, ist etwas ausgedünnt.

Die Großen beim DBB: 2025 ein komplizierteres Puzzle

Isaiah Hartenstein, frisch gekürter NBA-Champion, sagte ab. Daniel Theis, einen der wichtigsten Großen der vergangenen Jahre, plagen seit Längerem Kniebeschwerden. Ein Vorbereitungsspiel absolvierte er. Wie fit Theis zum Turnier reisen wird, muss sich zeigen. Johannes Voigtmann bleibt ein wichtiger Offensivallrounder, der das Feld mit seinem guten Wurf breit machen kann. Gleichzeitig fehlt ihm defensiv immer mehr die Geschwindigkeit. Dazu kommen Oscar da Silva oder Leon Kratzer. Einer von beiden dürfte noch gestrichen werden, wobei sich Kratzer kürzlich verletzte.

Vieles wackelt noch ein wenig rund um die Zone. Thiemann steht. Ausgerechnet der, der sich im Sommer 2024 nach Japan verabschiedete, dort fernab der Heimat spielt - und glücklich ist -, dessen Spiel sich weder mit BBL- noch mit Euroleague-Konkurrenz messen durfte, hinterließ gegen Serbien, das anderen Teams neben Jokic Big Men wie Nikola Milutinov und Filip Petrusev entgegenwirft, einen fast schon stoisch sicheren Eindruck.

Grundsätzlich konstruiert sich das Gesamtbild der Großen von DBB-Coach Alex Mumbru aus mehreren Elementen. Theis kommt gern nach oben, um Schröder einen Block zu stellen, danach schnell Richtung Zone zu rollen und Pässe über Ringniveau zu vollenden. Voigtmann orientiert sich nach dem Blockstellen wiederum eher nach außen an die Dreierlinie und verschafft beispielsweise Schröder so Platz für seinen Zug zum Korb. Kratzer verteidigt, da Silva macht von allem ein bisschen. Thiemann arbeitet und fintiert.

Thiemanns Rolle beim Supercup gegen Serbien und Nikola Jokic

In Zonennähe schiebt er sich gern zum Ring, nutzt auf dem Weg seine hervorragende Fußarbeit, um Gegenspieler erst ins Leere springen zu lassen und danach abzuschließen. Rebounds gibt Thiemann aus Prinzip nicht verloren. All das brachte er gegen Serbien. Und noch ein wenig mehr. Einerseits traf JT direkt zu Beginn den Dreier: etwas, das er früher regelmäßiger tat, mittlerweile jedoch seltener versucht - was ihn, andererseits, nicht davon abhielt, immer wieder Richtung Perimeter zu driften.

Thiemann, mit 2,06 Meter kein großer, dafür ein umso flinkerer Center, zog massige Gegenspieler, auch Jokic, nach außen. Ein kurzer Blick zum Ring, eine schnelle Finte, schon hatte JT Platz. Thiemann zog Richtung Zone, schloss dort ab oder zog ein Foul. Immer wieder brachte er der Offense so wichtige Bewegung und am Ende Punkte.

Alex Mumbrus aggressive Defense und einige ihrer Herausforderungen

Hinten besteht die Schwierigkeit für deutsche Big Men derzeit darin, sich an Mumbrus aggressiven Defensivstil zu gewöhnen. Ballführende sollen sich intensivem Druck ausgesetzt sehen. Läuft das gegnerische Team das Pick and Roll, schnellt der deutsche Big häufig in den Weg des Ballführenden hinein, soll ihn so am Zug Richtung Zone hindern und gleichzeitig zu Fehlern zwingen.

Für die eigene Defense erfordert das ein Höchstmaß an Konzentration, da ein Spieler des Gegners kurzzeitig zwei des eigenen Teams bindet. Räume entstehen. Entsprechend schnell müssen die Spieler dahinter genau in die hinein rotieren, um einfache Punkte zu verhindern. Bigs sehen sich also entweder schnelleren Guards gegenüber oder müssen größere Freiflächen verteidigen. Beides nicht einfach. Und tatsächlich kamen die Serben mitunter hinter die Defense und schlossen schnell am Ring ab.

Thiemann gegen Serbien und Jokic: getestet, aber nicht umgefallen

Gleichzeitig wirkte es, als verteidige Deutschland teilweise ein wenig konservativer als in den Spielen zuvor. Das DBB-Team wollte Ballverluste erzwingen, setzte sich gleichzeitig jedoch keinem Zwang aus, es jederzeit tun zu müssen. Eins-gegen-Eins-Duell entstanden, was Thiemann durchaus vor Herausforderungen stellte.

Jokic wiegt rund 129, Milutinov knapp 120, JT gut 100 Kilo. NBA-Nikola misst 2,11 Meter, Euroleague-Nikola 2,13 Meter. Trotz seines Minus an Masse und Länge gegenüber den beiden ließ sich Thiemann nicht herumschubsen. Nicht, dass er die beiden komplett aus der Zone herausgehalten oder dominiert hätte. Aber er hielt dagegen. Früh im Spiel klaute er Jokic sogar den Ball.

Dass es auf den großen Positionen ohne Theis eng wird, dass das DBB-Team bei der EuroBasket gerade gegen physische, große Spieler Schwierigkeiten bekommen könnte, illustriere das Finale gegen Serbien trotz allem. Umso wichtiger ist Thiemann.

Der, dessen Entwicklung angesichts der ungewohnten Konkurrenz in Japan womöglich am kompliziertesten einzuschätzen war, empfiehlt sich gerade als die große Konstante auf den großen Positionen - und lässt sich als solche auch von einem maximal enthusiastischen Maodo Lo nur kurz ins Wanken bringen…