Die Formkurve von da Silva zeigte über die vergangenen Monate steil nach oben. Im Dezember legte der Rookie zwei 20-Punkte-Spiele für Orlando auf, ehe er in der entscheidenden Phase im März 25 Zähler gegen die Raptors erzielte. In den Playoffs spielte er dann erwartungsgemäß keine Rolle, arbeitete über die Sommermonate aber kontinuierlich an seinem Spiel und präsentierte sich pünktlich zur Summer League in Las Vegas in Top-Form.
19 Punkte schenkte er den Kings ein, 18 den Raptors und zeigte deutlich, dass er zur Elite beim Turnier in der Wüste gehörte. Anders als bei den Magic durfte er auch mit dem Ball in der Hand agieren und für sich selbst kreieren. "Ich fühle mich auf dem Feld wohler. Ich will mein Ballhandling verbessern und immer die richtige Entscheidung aus dem Pick’n’Roll treffen. Ich habe hier den Ball etwas häufiger in der Hand, entsprechend muss ich mehr Verantwortung übernehmen", erklärte er anschließend.
Auch sein Summer-League-Coach Ameer Bahhur schwärmte von da Silva: "Er hat es gut gemacht und den Korb attackiert, wenn wir es gebraucht haben. Tristan hat gezeigt, dass sein Spiel wächst und das ist das Ziel." Zum Start seines FIBA-Abenteuers bekam der Aufstieg des Münchners jedoch einen kleinen Knick.
Tristan da Silva mit schwierigem FIBA-Start
Bei seinem Debüt gegen Doncic und Co. stand der 24-Jährige lediglich 5:34 Minuten auf dem Spielfeld, ehe er mit fünf Fouls die restliche Spielzeit auf der Bank verbringen musste. Das war für ihn eine sehr ungewohnte Situation, in der NBA hat er in der gesamten Saison kein einziges Mal ausgefoult. Viel mehr ist es bekannt dafür, das Spiel gut zu lesen und kaum bis nie in Foulprobleme zu geraten (1,27 Fouls pro Spiel).
Das ist aber auch ein Zeichen dafür, wie groß die Umstellung vom NBA- auf den FIBA-Basketball ist. Das Feld ist kleiner, das Spiel ist enger zusammengezogen und die Spielweise ist deutlich physischer. Noch dazu sind die DBB-Stars unter Mumbru angehalten, stets an der Grenze zur Legalität zu verteidigen. Oder wie in da Silvas Fall dann eben mal darüber hinaus. "Der Basketball ist für mich anders. Ich muss mich noch gewöhnen", sagte er nach dem zweiten Sieg über Slowenien.
Dort war er defensiv merklich vorsichtiger (0 Fouls), hatte aber mit seiner Offensive zu kämpfen. Einfach Punkte in der Zone, wie da Silva sie dank seiner Athletik in der NBA produzieren kann, sind aufgrund der fehlenden 3-Sekunden-Regel für die Defensive in Europa Mangelware. Sieben Punkte und drei Rebounds standen für ihn am Ende zu Buche - bei keiner guten Quote aus dem Feld (2/7 FG).
Tristan da Silva könnte zum X-Faktor werden
Diese Umgewöhnung von den Jahren in den USA zum Spielstil in Europa braucht aber natürlich Zeit, so geht es schließlich vielen Spielern. Seit 2020 spielt der Forward ausschließlich in Übersee, erst vier Jahre am College und dann ein Jahr in der NBA. Man erinnere sich nur mal daran, was für Probleme gestandene NBA-Stars wie Jalen Brunson, Jaren Jackson Jr. oder Anthony Edwards bei der WM 2023 hatten.
Da Silva wird sich Schritt für Schritt an den FIBA-Basketball gewöhnen und kann mit seinem Skillset nur ein Gewinn für den DBB sein. Nach den drei potenziellen Startern Isaac Bonga, Franz Wagner und Daniel Theis ist er der athletische Big des Kaders, der zusätzlich noch werfen und für sich selbst kreieren kann. Dazu sind seine körperlichen Anlagen genau das, was Mumbru sich in seiner switch-lastigen Defensive wünscht.
Das sieht auch Theis so. "So jemand wie Tristan da Silva spielt nun zum ersten Mal FIBA-Basketball. Der wird noch wichtig für uns", erklärte der Routinier vor dem anstehenden Supercup am Wochenende in München. Trotz seiner limitierten Spielzeit muss da Silva sich keine Sorgen machen, von Mumbru noch aus dem Kader gestrichen zu werden, zu groß ist sein Potenzial.
In einem engen Spiel bei der EM könnten genau seine Fähigkeiten in ein paar Minuten von der Bank den Unterschied machen und zum X-Faktor für Mumbru werden. Dazu muss er aber zunächst in der FIBA-Welt richtig ankommen.
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