
Man denke mal an Ende Mai/Anfang Juni zurück: Die Liberty gingen als amtierender Champion in die Saison und wirkten wie ein Team auf einer Mission. Erinnerungen an die Warriors 2015/16 kamen hoch, als NY ihre ersten neun Spiele allesamt gewann und ihre Gegner regelmäßig mit 20+ aus der Halle schoss.
Der Ball lief traumhaft durch die eigenen Reihen, die Big 3 aus Finals-MVP Jonquel Jones, Breanna Stewart und Sabrina Ionescu brillierte und das Team war tief wie kaum ein zweites in der Liga. Die Liberty wirkten schlichtweg unbesiegbar, erst recht in einer Best-of-Five-Serie. Mit der Verletzung von Jones fingen dann aber die Sorgen an.
Die Big verletzte sich beim Sieg über Washington Anfang Juni und ohne sie fiel das Team, vor allem defensiv, auseinander. Von ihren folgenden sieben Spielen verloren sie fünf, was Jones dazu bewegte, zu früh von ihrer Verletzung zurückzukommen. In der Folge verletzte sie sich schwerer als zuvor und musste noch mal vier Wochen zuschauen.
Ein ähnliches Schicksal erwischte Stewart. Die zweimalige MVP verletzte sich in der heißen Phase Ende Juli am Knie und verpasste fast den gesamten August. Pünktlich als sie sich dann zurückmeldete, erwischte es auch noch die letzte aus der Big 3, Sabrina Ionescu. Sie verpasste fünf der letzten acht Spiele mit einer Fußverletzung. Damit waren die Stars aber nicht allein, nur Marine Johannes absolvierte alle 44 Spiele der Regular Season. Dazu verpasste Betnijah Laney-Hamilton ohnehin die gesamte Saison.
Zusammenfassend standen die drei Superstars nur in 13 Spielen von Anfang bis zum Ende gemeinsam auf dem Parkett. Die Bilanz in diesen Spielen? 13-0. Die Bilanz in allen anderen Spielen? 15-18.
New York Liberty fehlte Kontinuität
Was dem Superteam somit mehr fehlte als alles andere, war Kontinuität. Ihre individuelle Klasse und auch ihre Klasse als Kollektiv hatten sie in der Vorsaison und zum Saisonstart eindrucksvoll unter Beweis gestellt, nach dem Ausfall von Jones wollte sich diese Unbekümmertheit aber nicht wieder einstellen.
Der offensive Gameplan von Head Coach Sandy Brondello lautet stets, den Ball möglichst viel laufen zu lassen und alle Spielerinnen miteinzubeziehen. Wenn das Team mit Selbstvertrauen spielte, war das auch immer von Erfolg gekrönt, ohne dieses Selbstverständnis war die Offensive dann aber zuweilen zu passiv. Teilweise wirkte es, als stünde der Flow der Offense über dem Ziel, den besten Abschluss zu finden.
Das war auch in der Serie gegen die Mercury der Fall. Der Ball glitt lieber einmal mehr durch die eigenen Reihen, als das richtige Mismatch zu finden und es hart zu attackieren. Das war schon im Vorjahr ein Problem, damals gewannen sie ihre Spiele aber regelmäßig über ihre harte Defensive, die in dieser Spielzeit auch nicht mehr so dominant war.
Mercury eine Klasse zu gut für Liberty
Phoenix verstand es wahnsinnig gut, die defensiven Schwachstellen der New Yorkerinnen zu attackieren. Vor allem Ionescu wurde von den Guards der Mercury pausenlos attackiert, um einfach Punkte zu generieren. Gleichzeitig vertraute Brondello ihrer Bank auch zu wenig, um Phoenix regelmäßig neue Looks entgegenzusetzen.
Bei der Niederlage in Spiel 3 standen die Bankspielerinnen insgesamt nur 31 Minuten auf dem Feld. Belgien-Star Emma Meesseman durfte beispielsweise nur neun Minuten ran, Nyara Sabally, die im Vorjahr noch ein wichtiger Teil des Championship-Runs war, spielte zum zweiten Mal in dieser Serie überhaupt nicht.
Die Mercury machen es ihrerseits überragend, die Liberty pausenlos mit verschiedenen defensiven Schemes zum Nachdenken zu bringen und ihnen den offensiven Rhythmus zu nehmen. Hier fehlte vor allem Stewart auch schlichtweg die Unterstützung. Jones und Fiebich spielten beide schwache Serien und auch Ionescu traf deutlich unter 40 Prozent aus dem Feld über die drei Spiele.
New York Liberty 2026: Wie sieht das Team aus?
Brondello war trotz des Aus aber stolz auf ihre Mannschaft, die in den letzten Monaten viel durchgemacht und sich trotzdem würdig verabschiedet hat. "Heute Abend haben wir wirklich alles auf dem Feld gegeben", sagte sie. "Mehr kann man von einem Team nicht verlangen. Phoenix hat in den entscheidenden Momenten einfach ein bisschen besser gespielt", führte sie aus.
Wie die Mannschaft in der kommenden Saison aussehen wird, ist dagegen noch komplett ungewiss. Alle drei Superstars werden Unrestricted Free Agents. Während zumindest Stewart schon öffentlich erklärt hat, dass sie im Big Apple bleiben will, wird bei Ionescu immer wieder über einen Wechsel in ihre Heimat nach Golden State spekuliert. Liberty wird wohl aber alles daran setzen, ihre Top-Spielerin zusammenzuhalten.
Ziemlich sicher werden aber die beiden deutschen Spielerinnen kommende Saison noch Teil des Teams sein. Für Sabally haben die Liberty erst während der Saison die Option für die kommende Saison gezogen und auch Fiebich steht dank ihres Rookie-Vertrags noch für die kommenden zwei Spielzeiten unter Vertrag.