Es ist nun knapp drei Wochen als das serbische Starensemble den Supercup in München nach Belieben dominierte. Die schwachen Tschechen fertigte man mit 29 Punkten ab. Auch Deutschland war tags darauf dem Sieg noch weit entfernt. Zu flüssig lief die serbischen Offensivmaschine.
Kein Wunder: Nachdem Serbien bei Olympia 2024 die Star-gespickten USA beinahe um den Finaleinzug gebracht hätten, standen nahezu alle Leistungsträger auch bei der Europameisterschaft wieder zur Verfügung. Um ein Power Ranking zu finden, welches die Serben nicht auf dem ersten Platz sah, musste man schon lange suchen.
Beim Turnier selbst kam es dann bekanntlich anders. Nach der Verletzung von Kapitän Bogdan Bogdanovic kamen - nicht nur gegen die Türkei - bereits erste Zweifel auf. Beim frühen Ausscheiden im Achtelfinale erreichten dann noch einige weitere Leistungsträger angeschlagen nicht ihr Maximum.
Serbische Presse kritisiert Pesic scharf
"Ein Virus hat die Mannschaft befallen, wir waren krank", erklärte der 76-jährige Pesic nach dem EM-Aus. "Nikola Jovic hat, außer am Vormittag, gar nicht trainiert", nannte er als Beispiel."Das ist keine Ausrede - aber bei so einem Turnier musst du körperlich anders vorbereitet sein."
Die heimischen Medien wollten diese Erklärungen allein aber nicht zulassen. Dabei geriet Pesic selbst ebenfalls ins Visier der oft sehr emotionalisierenden serbischen Presse. Von fatalen Entscheidungen während des Spiels war die Rede. Avramovic hätte in der Schlussphase zum Einsatz kommen sollen, Filip Petrusev und Stefan Jovic dagegen viel weniger.
Dazu, und dieser Eindruck wurde insbesondere beim Achtelfinal-Aus gegen Finnland durchaus deutlich, wirkte Pesic ungewohnt stoisch und altersmilde. War er sonst des Öfteren für seine Ausbrüche bekannt, nahm er, das sich im Spiel lange anbahnende Ausscheiden nahezu emotionslos einfach hin.
Serbische Medien üben Druck aus
Die serbischen Medien kokettierten daher ganz offen mit einem vermeintlich notwendigen Rücktritt der Trainerlegende. Dieser Forderung erteilte Pesic am Tag nach dem Ausscheiden jedoch eine klare Absage: "Ich trete niemals zurück. Ich bin gekommen, um das Amt auszuüben", sagte er und erinnerte auch daran, dass er nach Olympia auf expliziten Wunsch des Verbands und entgegen seiner eigenen Planung doch blieb: "Ich habe das getan, als sonst niemand wollte. Ich habe es akzeptiert, weil ich mich den Spielern gegenüber verantwortlich fühlte."
Pesics laufender Vertrag gilt noch einschließlich des restlichen Septembers. Ob es dann zu einer Trennung kommt, ist allerdings unklar. Bei der Unterschrift im vergangenen Jahr kommunizierte der Verband explizit eine Option zur Verlängerung, welche Pesic auch weiterhin nicht ausschließt: "Wir werden uns zusammensetzen, wir werden reden. Ich bin immer hier und stehe für jede Art von Hilfe zur Verfügung."
Vonseiten des Verbands wurde bislang noch keine Stellungnahme abgegeben, in welche Richtung man sich bewegen wolle. Das Schweigen der Chefetage könnte in der Tat so zu deuten sein, dass man nach der erneuten EM-Enttäuschung nun einen neuen Weg einschlagen will.
Verband dementiert Pesic-Abgang
Dabei spielt auch Pesics Alter eine große Rolle. Mit 76 Jahren war der Trainer, der bereits bei Alba Berlin, Bayern München und der deutschen Nationalmannschaft an der Seite stand, bereits bei der noch laufenden Europameisterschaft der mit Abstand älteste Trainer. Das nächste große Turnier findet erst im Jahr 2027, mit der Weltmeisterschaft in Katar, statt. Pesic würde dann stramm auf die 80 zugehen.
Zudem wäre die zweijährige Pause durchaus dafür geeignet, dass ein potenzieller Nachfolger den bevorstehenden Umbruch einleiten kann. Ob der dann 35-jährige Bogdanovic weiterhin Teil dieser Mannschaft sein oder zumindest denselben Stellenwert wie bislang einnehmen wird, ist durchaus zu hinterfragen. Dieselbe Frage lässt sich auch für Marko Guduric und Aleksa Avramovic (beide 30), sowie Ognjen Dobric und Vasilije Micic (beide 31) stellen.
Das serbische Team ist alt, gleiches gilt noch einmal mehr für den Trainer. Das frühe Aus 2022 "überlebte" Pesic, die Erfolge bei den vergangenen Turnieren haben ihm Kredit verschafft, zumindest beim Verband. Die serbische Nachrichtenagentur Tanjug verkündete am Montag bereits das Aus für den 76-Jährigen, der Verband dementierte umgehend und wies darauf hin, dass man in Ruhe die Ereignisse analysieren wolle. Es dürfte dennoch nicht lange dauern, bis in dieser Causa Fakten geschaffen werden. Ausgang völlig offen.
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