Hätte Pat Riley doch bloß LeBrons Cookies in Ruhe gelassen. Vielleicht wäre James 2014 nicht nach Cleveland gewechselt. Keine Metapher. Kein Bild. In Lou Williams’ Podcast Changing the Game sprach Dwyane Wade über eine Episode, die seiner Meinung vieles veränderte und Dinge beschleunigte, an deren Ende LeBron Miami trotz vierer Finals und zweier Meisterschaften verließ.
"Etwas, das du einfach nicht tust", sagte Wade, "du machst nichts mit LeBrons Cookies." Wade sprach tatsächlich über Kekse. Die habe LeBron während der Flüge der Heat immer gegessen, während er mit einigen anderen Karten spielte. Irgendwann hätte ihm jemand seine Kekse gebracht. Bis es niemand mehr tat. Jemand habe James ins Ohr geflüstert, dass es ab jetzt keine Cookies mehr gäbe. Der "Schuldige" war schnelle ausgemacht: Riley.
"An diesem Punkt war es einfach zu viel Mikromanagement", fuhr Wade fort. "Wir sprechen über ein Team, das vier Mal in Folge in den Finals stand. Du musst uns nicht mikromanagen, und ich hatte das Gefühl, dass Riles [Pat Riley, Anm. d. Red.] genau das tat. Mit solchen Dingen trieb er das Mikromanagement ein wenig zu weit. Er ist ein erwachsener Mann. Da nimmst du ihm nicht seine Cookies weg."
Am Ende sei das der erste Moment gewesen, in dem Wade das Gefühl bekam, dass LeBron wechseln könnte.
Fast klingt es ein wenig konstruiert, und tatsächlich dementierten die Heat die Geschichte - ehe sie LeBron in der Pat McAfee Show bestätigte. "Jeder weiß, dass ich Chocolate Chip Cookies liebe", sagte er dort. "Sie sind mein größtes Laster." Danach erzählte er, wie er davon erfahren hätte, dass es ab sofort keine mehr gäbe. "Und wir wussten alle, wo es herkam. Ich schaute zu D Wade, D Wade schaute zu mir, ohne etwas zu sagen, signalisierte er mir: ‚F***** Riles hat es schon wieder getan. Riles schlägt wieder zu."
Wir fühlen es nicht": LeBron und Co. stellten sich gegen Spoelstra
Verließ LeBron Miami also, weil ihm Riley seine Cookies wegnahm? Wahrscheinlich war die Episode am Ende mehr Symptom als Ursache. Wahrscheinlich trafen sich am Southbeach einfach zwei starke Persönlichkeiten, die beide klare Vorstellungen vom optimalen Verlauf der Dinge haben, die beide gern größtmöglichen Einfluss nehmen. Komplikationen alles andere als ausgeschlossen.
Und tatsächlich soll es nicht immer einfach gewesen sein zwischen Riley, dem Architekten von Miamis berühmter Heat-Culture, und LeBron, der als bester Spieler der Liga damals selbst gewisse Ideen für ein erfolgreiches Basketballteam. Nach einer Niederlage gegen Dallas Ende November 2010, der vierten aus den vergangenen fünf Spielen im ersten Jahr des Trios LeBron, Wade und Chris Bosh, soll bei den Spielern der Frust über Coach Erik Spoelstra gewachsen sein. Sie stellten in Frage, ob er der richtige für das Team sei, schrieb ESPN damals.
Wade, Bosh und James gingen laut Riley noch einen Schritt weiter. Sie hätten beim Boss vorgesprochen, erinnert er sich in Ian Thomsens Buch The Soul of Basketball: The Epic Showdown between LeBron, Kobe, Doc and Dirk that Saved the NBA. "Sie sagten, 'Wir fühlen es nicht', oder so etwas", sagte Riley. Sie hätten sogar versucht, ihn von einer Rückkehr auf die Bank zu überzeugen. Ob er nicht manchmal dieses "Kribbeln" spüre, habe James gefragt. "Nein, dieses Kribbeln spüre ich nicht", antwortete Riley damals. Spoelstra sei der Headcoach und er unterstütze ihn. Thema einseitig beendet.
Wie Spoelstra als Coach wuchs, wuchs LeBron in Miami auch als Spieler. Als die Heat im ersten Jahr die Finals erreichten, wackelte er noch ein wenig. Das Team unterlag Dirk Nowitzki und den Mavericks. Danach entwickelte LeBron jedoch etwas Unvermeidliches. In Spiel 6 der 2012er Conference Finals drohte in Boston das Aus. LeBron übernahm und blickte nie wieder zurück. Zwei Meisterschaften folgten. Die Heat waren dort, wo sie die meisten nach James’ und Boshs berühmten Wechseln vermutet hatten.
Rileys Worte nach den Finals 2014: LeBron war nicht begeistert
Die Reibung - wahrscheinlich ein normaler Vorgang - blieb. Laut Ethan Skolnick von Bleacher Report hätten James geraden während der Saison 2013/14 einige Dinge verärgert. Beispielsweise, dass Besitzer Micky Arison LeBrons Freund Mike Miller via Amnesty-Klausel entließ. Einige strategische Entscheidungen Spoelstras während der Finals sollen ihm nicht gefallen haben. Ebenso wenig einige Worte Rileys.
Vor einem Sommer, in dem sowohl James als auch Wade und Bosh aus ihren Verträgen aussteigen konnten, um frei neue zu verhandeln, betrat der Boss das Podium. Gerade hatten die Spurs den Heat demonstriert, dass sie eben doch nicht unschlagbar waren und ihnen nach dominant vorgetragenen Finals den Titel entrissen.
Während seiner Saisonabschluss-Pressekonferenz kam Riley auch auf den anstehenden Sommer und seine drei Stars zu sprechen. "Ich glaube, die drei Jungs, die hierher kamen, bekamen exakt, was sie wollten", sagte er. "Und wir hoffen, dass alle drei den Weg mit uns weitergehen wollen. Was ein ewiges Band zementiert, ist, wenn du etwas durchstehst, was wir in dieser Saison durchstanden und dabei bleibst." Damit müsse man einfach umgehen, man müsse zurückkommen. Und dann: "Es ist hart, und wenn du den Mut hast, musst du zusammenbleiben. Du nimmst nicht die erste Tür und rennst weg."
LeBron suchte nicht die erste Tür. Am Ende fand er doch eine. Laut Skolnick verärgerten Rileys Worte James; und wenig später fand ein Meeting statt, an dessen Ende Riley das Gefühl bekam, als endete die Ära der großen Drei in Miami tatsächlich nach nur vier Jahren.
Riley will James überzeugen, LeBron schaut Fußball-WM
Es begann schon damit, dass Maverick Carter, für den Riley viel Respekt empfand, nicht im Hotelzimmer war, als LeBron Riley und Andy Elisburg empfing. Laut ESPN-Reporter Wright Thompson, habe das Riley bereits den Eindruck vermittelt, das Treffen sei nichts Ernstes. Mit dabei waren Rich Paul und James’ Freund Randy Mims. Im Fernsehen lief zudem ein Spiel der Fußball-Weltmeisterschaft, das die drei so abzulenken schien, dass Riley bat, den Ton auszustellen, schreibt Thompson. Kein gutes Gefühl.
Gewissheit hatte Riley kurz nach dem Meeting. Sein Telefon klingelte. Auf der anderen Seite gab Paul den Hörer an LeBron ab. Ein Dank für vier Jahre. Die nächste Entscheidung. James würde nach Cleveland heimkehren. "Ich war still", erinnert sich Riley gegenüber Thompson. "Ich sagte nichts. Meine Gedanken wanderten einfach. Und es war vorbei. Als LeBron ging, war ich sehr wütend. Für mich war es etwas Persönliches." Beinahe hätte Riley sogar ähnliche Worte veröffentlicht wie Dan Gilbert vier Jahre zuvor, nachdem James seine Entscheidung pro Miami durch die TV-Leitungen gehaucht hatte. Ein Freund habe es ihm jedoch ausgeredet. Die Wut blieb.
LeBron geht zurück nach Cleveland: "War unglaublich geladen"
"Zwei, Drei Tage lang war ich unglaublich wütend", blickte Riley später zurück. "Ich war unglaublich geladen, was ich gegenüber meinen engsten Freunden zum Ausdruck brachte. Mein schöner Plan fiel plötzlich in sich zusammen. In zehn Jahren hätte dieses Team fünf, sechs Meisterschaften gewinnen können."
Stattdessen gewann LeBron zwei Jahre später die erste für Cleveland, seine Heimatstadt. Daher hat Riley inzwischen auch Verständnis für den Schritt. Er habe irgendwann eingesehen, dass sich LeBron und seine Familie wohl gesagt hätten, "Du wirst nie wieder in deiner Heimatstadt akzeptiert werden, wenn du nicht zurückkommst und versuchst, einen Titel zu gewinnen. Sonst kehrst du als gebranntes Kind eines Tages zurück. Du bist der größte Spieler in der Geschichte der Menschheit, aber dort akzeptiert dich niemand."
Vielleicht schrieb Riley James auch deshalb während Spiel 7 der 2016er Finals eine Nachricht. "Gewinn das und sei frei", las LeBron nach dem Spiel. Riley habe ihm bewusst nichts schicken wollen, das James hätte vor der Partie lesen können. Eine Antwort gab es nie. Gleichzeitig gestand LeBron gegenüber ESPN-Reporter Dave McMenamin, dass ihm einige Leute aus Miami nach seinem Wechsel gesagt hätten, er mache gerade den größten Fehler seiner Karriere. "Das hat mich verletzt." Das sei seine Motivation gewesen.
Riley sagte in The Soul of Basketball, er sei es nicht gewesen. Gesprochen haben die beiden dennoch über Jahre nicht. Und alles begann einst mit der Cookie-Affäre.
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