Der Marathon für viele Nationalspieler ist nach diesem Sommer erst einmal vorbei. Nach fünf Turnieren in fünf Jahren wird es im kommenden Jahr kein großes Event geben. Erst bei der WM 2027 in Katar werden wieder Medaillen vergeben, ein Jahr später steigen die Olympischen Spiele in Los Angeles.
Ob Nikola Jokic da noch dabei ist? Das ist fraglich. Wer soll es auch wissen, wenn Jokic den ganzen Sommer nicht einmal mit den Medien spricht? Der Center der Denver Nuggets wäre 2027 32 Jahre alt ist, in Los Angeles sogar schon 33. Im Basketball ist das kein Alter, erst recht nicht für Jokic, dessen Spiel nicht auf Athletik fußt, aber Jokic ist eben Jokic und das sollte auch in die Rechnung mit einfließen.
Ex-Mitspieler DeMarcus Cousins verriet kürzlich, dass Jokic schon vor zwei Jahren an ein Karriereende dachte. Für Jokic gibt es nicht nur Basketball, offensichtlich bereiten ihm Pferderennen Spaß, dazu wird stets betont, dass der Mann aus Sombor ein echter Familienmensch ist. Auch deswegen spielte Jokic seit 2016 nur bei fünf Turnieren mit, keines davon konnte Serbien gewinnen.
Jokic: Der FIBA-Titel fehlt weiterhin
Der 30-Jährige ist der beste Spieler der Welt, auch im historischen Vergleich wird der Center inzwischen zu den besten 20-25 Spielern aller Zeiten gezählt. Im Gegensatz zu all den anderen Legenden fehlt aber noch ein internationaler Titel (Kareem Abdul-Jabbar ausgenommen, der nie für die USA auflief).
Die Chancen dazu waren da. Als Youngster gewann Jokic 2016 Olympisches Silber, 2024 war man drauf und dran, die USA im Halbfinale zu schlagen. Jokic war der beste Spieler auf dem Feld, bevor Stephen Curry die Geschichte komplett umschrieb und sich Serbien mit Bronze zufrieden geben musste.
Jokic und Serbien: Die Chancen waren da
Jokic hat die NBA verändert, er ist ein dreifacher MVP, womöglich kommen auch noch weitere individuelle Ehrungen dazu. Doch auf FIBA-Level reichte es einfach nicht, obwohl die Chancen auf Gold mehrfach gegeben waren.
Sowohl bei der WM 2019 als auch bei den EMs 2022 und 2025 ging Serbien als Top-Favorit in das Turnier, es reichte jeweils nicht für eine Medaille. 2019 wurde Jokic vom damaligen Coach Sasa Djordjevic offensichtlich noch falsch eingesetzt, 2022 und 2025 drehte sich unter Svetislav Pesic fast alles um Jokic und dennoch reichte es im Achtelfinale jeweils gegen die Außenseiter Italien (32 Punkte von Jokic) und Finnland (33) nicht.
Jokic und Serbien: Eine tragische Generation
Vielmehr steht Jokic und seine Generation für ein Team, welches in den entscheidenden Momenten ineinander zusammenfiel und Spiele auf teils unerklärliche Art und Weise verlor. Welche Schuld Jokic daran trägt, ist müßig aufzudröseln, letztlich ist er zusammen mit Bogdanovic (fehlte 2022) aber das Gesicht dieser Niederlagen. Dazu hilft es auch nicht, dass Serbien 2023 ausgerechnet ohne Jokic das WM-Finale erreichte und dort nur knapp gegen Deutschland verlor.
2025 war für den Nuggets-Center die vielleicht beste Chance, den serbischen Gold-Fluch (kein Titel seit 2002) zu brechen. Sein FIBA-Fenster beginnt sich zu schließen, weil auch andere Leistungsträger wie Bogdan Bogdanovic (33), Vasilije Micic (31), Nikola Milutinov (30) oder Marko Guduric (30) nicht jünger werden. Mit Filip Petrusev (25), Tristan Vukcevic und Nikola Jovic (beide 22) waren nur drei Spieler im Kader, die jünger als 28 Jahre waren.
Umso bitterer war dieses Ausscheiden, da die Wahrscheinlichkeit größer wird, dass diese hochtalentierte serbische Generation um einen absoluten Weltklassespieler in Jokic ohne Krönung bleibt.
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