Der Vorwurf wiegt schwer: Ein Drittdeal mit dem Fintech-Unternehmen "Aspiration" soll Kawhi Leonard Millionen eingebracht und so die Salary-Cap-Regeln der NBA unterlaufen haben. Parallel investierten die Clippers und Eigentümer Steve Ballmer umfangreich in dieselbe Firma - offiziell für Nachhaltigkeit und CO2-Kompensation. Die Organisation bestreitet Unregelmäßigkeiten; die NBA prüft den Fall mit externer Hilfe.
Doch eins nach dem anderen.
Alles begann mit einem Podcast. In Pablo Torre Finds Out adressierte der amerikanische Investigativjournalist erstmals eine mögliche Umgehung des Tarifvertrags der NBA. Dieser regelt haargenau wie viel Geld jedes der 30 Teams an seine Spieler verteilen darf. Trotz einiger Ausnahmen soll damit verhindert werden, dass Jahr um Jahr die reichsten Teams den Titel unter sich ausmachen. Genau diese Regelungen sollen die Clippers nun umgangen haben.
1. Akt: Leonards Werbevertrag mit Aspiration
Im April 2022, damals schon seit knapp einem Jahr bei den Clippers unter Vertrag, schloss Kawhi Leonard einen Werbedeal über vier Jahre und 28 Millionen Dollar mit dem Unternehmen Aspiration ab. Das Fintech-Unternehmen begründet sein Geschäftsmodell unter anderem im Handel von CO2-Zertifikaten (dazu später mehr).
Unklar ist bis heute, welche Gegenleistungen Leonard für den millionenschweren Vertrag erbringen musste. Laut Torre: Keine. Der ehemalige CEO von Aspiration bestreitet diesen Vorwurf. Es gebe "über drei Seiten" klar definierte Aufgaben für den NBA-Star.
Torre habe während seiner Recherche allerdings nur eine einzige Verbindung zwischen Spieler und Firma gefunden. 2022 schrieben die Clippers via (damals noch) Twitter: "Happy Birthday, Kawhi! For every comment/retweet, @Aspiration will plant one tree for Kawhi’s birthday!"
2. Akt: Clippers und Ballmer investieren in Aspiration
Bereits seit September 2021 floss jede Menge Geld an Aspiration. Insgesamt 118 Millionen Dollar soll das Unternehmen bis heute erhalten haben. Fast die Hälfte des Geldes (56 Mio. Dollar) kam von den Clippers selbst und wurde mit so genannten Carbon Credits begründet.
Damit der Arena-Neubau Intuit Dome, indem die Clippers seit vergangener Saison ihre Heimspiele austragen, als "klimaneutral" und sogar "klimapositiv" vermarktet werden kann, überwies man Aspiration Geld. Das Unternehmen sollte damit unter anderem Bäume pflanzen, um die CO2-Bilanz zu verbessern.
Aber auch Clippers-Boss und Multimilliardär Steve Ballmer soll in die Zahlungen verwickelt sein: Am 14. September 2021 investierte er 50 Millionen in Aspiration, am 9. März 2023 folgten nochmal zehn. Clippers-Co-Inhaber Dennis Wong tätigte 2022 eine Einlage über zwei Millionen Dollar.
Auffällig: Leonards Werbevertrag über 28 Mio. Dollar soll am selben Tag abgeschlossen worden sein, an dem auch die Clippers Aspiration 32 Mio. Dollar überwiesen. Auf die Einlage von Clippers-Vize Wong im Dezember 2022 folgte angeblich eine Zusatzzahlung an Leonard in ähnlicher Höhe.
3. Akt: Insolvenz von Aspiration und Torre-Recherche
Im März 2025 meldete Aspiration, nach bereits fast zweijähriger Untersuchung der amerikanischen Behörden, Insolvenz an. Im Zuge des damit verbundenen Verfahrens gerieten auch die Zahlungsströme von Aspiration, den Clippers und Kawhi Leonard an die Öffentlichkeit.
Internen Dokumenten zufolge, die Torre vorliegen, habe Aspiration den Clippers zum Zeitpunkt der Insolvenz noch 30 Millionen Dollar geschuldet. Die NBA-Franchise wäre damit der größte Gläubiger des nun bankrotten Unternehmens. Auch Kawhi Leonards Unternehmen KL2 Aspire erwarte noch Zahlungen von sieben Millionen Dollar, also der finalen Jahresrate des ursprünglichen 28-Millionen-Deals.
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4. Akt: NBA leitet Untersuchungen ein
Die Geldströme, die Torre in seiner Recherche offengelegt hat, werfen durchaus Fragen auf: Vermeintlich millionenschwere Zahlungen an Leonard (möglicherweise) ohne Gegenleistung, die unverhältnismäßig hohen Kosten für Carbon Credits und das 60-Millionen-Dollar-Investment von Ballmer in ein scheinbar nicht funktionierendes Geschäftsmodell.
Inzwischen haben die Vorwürfe auch die NBA auf den Plan gerufen. Comissioner Adam Silver machte zwar deutlich, die Clippers nicht vorverurteilen zu wollen, jedoch habe man die New Yorker Rechtsanwaltskanzlei Wachtell, Lipton, Rosen & Katz mit einer Untersuchung beauftragt.
Klar ist aber: Sollten die Zahlungen nicht mit der Notiz "Umgehung der Salary Cap" gekennzeichnet sein, dürfte die Beweisfindung in der Tat schwierig werden. Daher ist auch nicht mit einem zeitnahen Ergebnis zu rechnen. Erste Berichte deuten ein Ende der Investigation frühestens im ersten Quartal 2026 an.
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