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Weltmeisterlich - mit Fragezeichen: Der DBB-Kader für die EM

kicker

Fünf Siege, eine Niederlage. Die deutsche Bilanz der EM-Vorbereitung liest sich durchaus gut. Dabei verschleiert die Statistik, dass das DBB-Team erst hinten raus die in den vergangenen Jahren gewonnene Souveränität an den Tag legte.

Dabei ist es insbesondere Dennis Schröder und Franz Wagner zu verdanken, dass der Niederlage gegen Serbien keine weitere vorausging oder folgte. Von der propagierten Kadertiefe war zu Beginn der Vorbereitung nicht viel zu sehen. Stattdessen waren die Stars mit jeder Menge Stückwerk gefordert.

"Neuer Trainer, neues Konzept, neues System. Wir müssen zusammenkommen, aber wir sind so weit in Ordnung", fasste Kapitän Schröder die Situation nach dem Supercup zusammen. In der Tat ist die neue Spielidee von Bundestrainer Mumbru, der noch stärker auf Tempobasketball, Switching und aggressive Verteidigung setzt, nicht vollends zur Mannschaft durchgedrungen. Zumindest phasenweise stellte das DBB-Team allerdings unter Beweis noch immer Basketball auf dem höchsten Niveau spielen zu können. Mit dem 17-Punkte-Sieg gegen Spanien gelang Deutschland zum Abschluss der Vorbereitung dann nochmal ein überzeugender wie emotionaler Erfolg: Diesen Schwung gilt es nun ins Turnier zu übertragen.

Frontcourt: Breit aufgestellt - auch ohne die Stars

Einige Probleme werden dem Team voraussichtlich auch da zugehörig bleiben. Das größte Fragezeichen vor der Testspiel-Reihe war das nach der Tiefe im Frontcourt. Die Ausfälle von Moritz Wagner und Isaiah Hartenstein bedeuten in der Tat einen Qualitätsverlust. Zudem präsentierte sich Daniel Theis, nach Knieverletzung und zweimonatiger Spielpause, nicht in Bestform. Im Anschluss an seinen ersten Einsatz betonte er, das "Knie hat gehalten" - kein Indiz für eine stabile Gewissheit.

Abseits davon bestätigte sich die Befürchtung, dass sich das Frontcourt zur deutschen Achillessehne entwickeln könnte, nicht. Im Topspiel gegen Serbien füllte Johannes Thiemann mit großartiger defensiver Leistung die vorhergesagte Lücke. Johannes Voigtmann steigerte sich kontinuierlich im Laufe des Monats August. Turnier-Debütant Leon Kratzer verschafft Bundestrainer Mumbru zudem weitere Flexibilität.

Zu einem Schlüsselspieler dürfte sich zudem Isaac Bonga entwickeln. Der spritzige Forward von Partizan Belgrad ist für das DBB-Team zunehmend unverzichtbarer geworden. Defensiv kann er nahezu alle Positionen verteidigen und glänzt als agiler Rebounder. Offensiv ist er mit seinem Tempo wie gemacht für das neue Mumbru-Spiel. In den sechs Partien der Vorbereitung fiel auch sein Dreier recht ordentlich (6/16).

Und eine weitere, viel diskutierte Baustelle ist letztlich zu keiner geworden: das DBB-Karriereende von Niels Giffey. So schmerzhaft der Rücktritt des Basketball-Veterans auch war, mit Tristan da Silva hat sich dem Bundestrainer umgehend ein solider Ersatz präsentiert. Der Spieler der Orlando Magic besticht als guter 3-and-D-Rollenspieler. Kann in den Franz-losen Minuten gut und gerne den besten Spieler auf dem Flügel verteidigen und zieht das Feld mit respektablem Wurf in die Breite.

Backcourt: Keine Raum für Ausfälle - nur vier Guards im DBB-Team

Größer wirkt die Baustelle dagegen im Backcourt. Nach dem verletzungsbedingten Ausfall von David Krämer, der nach Muskelproblemen keine Freigabe von Real Madrid bekam, hat sich Mumbru auch gegen eine EM-Teilnahme von Nelson Weidemann entschieden. Somit geht das DBB-Team mit nur vier Guards ins Turnier. Klar, Schröder wird sicherlich - auch in der Gruppenphase - um die 30 Minuten abspulen. Doch bereits dann beginnen die Fragezeichen.

Andi Obst zeigte in den vergangenen Wochen Licht und Schatten. Während des Supercups traf der Bayern-Guard nur 2/15 Dreier, wenngleich er in den zwei Spielen gegen Spanien scheinbar wieder näher an seine anvisierte Formkurve herankam. Insbesondere aufgrund des Krämer-Ausfalls wird auf den 29-Jährigen eine große Rolle zukommen. Wenn sich Deutschland eine Kritik gefallen lassen muss, dann wohl in puncto Shooting.

Denn auch von der Bank werden die Fragezeichen nur größer. Maodo Lo stieg erst zum Supercup-Finale in den Spielbetrieb ein und scheint von seiner Normalform noch weit entfernt. Die Statistiken in drei Spielen: 4/19 FG, 2/13 Dreier. Will Deutschland auch mal an einem schlechten Tag von Schröder ein Spiel gewinnen, dann ist Lo an vorderster Front gefordert.

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Seine Chancen nutzen konnte dagegen Justus Hollatz. Der Guard vom FC Bayern galt zu Beginn der Vorbereitung als potenzieller Streichkandidat, überzeugte in seinen Minuten jedoch mit physischer Defensive und schnellem Zug zum Korb - ganz nach Art von Alex Mumbru.

Besonders im finalen Verlauf der Testspiel-Reihe bewies das DBB-Team weiterhin zweifellos zum harten Kern der EM-Favoriten zu gehören. Kein Wunder: Insgesamt neun der zwölf Weltmeister sind auch diesmal mit an Board. Giffey, Krämer und Moe Wagner sind die einzigen Ausfälle, die man mit den da-Silva-Brüdern und Leon Kratzer zu kompensieren versucht. Die Gegenüberstellung zeigt: Deutschland geht mit deutlich mehr Größe in die Europameisterschaft, dafür mit weniger Tiefe auf den kleinen Positionen. Viel hat sich also nicht geändert - auch eines nicht: Deutschlands Kader ist noch immer weltmeisterlich.

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