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Wie der DBB eine nachhaltige Siegermentalität formte

kicker

Aus Riga/Lettland berichtet Julius Ostendorf.

Die Türkei wurde bereits vor Spielbeginn als wohl härteste Prüfung bei der Basketball-Europameisterschaft eingeschätzt - genau so kam es dann auch. Über 24 der 40 Spielminuten lief das DBB-Team einem Rückstand hinterher. Erst kurz vor Schluss ging Deutschland durch einen Dreier von Isaac Bonga selbst wieder in Führung (77:76).

"Es war wirklich eine Achterbahnfahrt", erklärte Johannes Thiemann nach dem Spiel. "Es war auch für uns als Spieler wirklich emotional. Ich glaube, wir haben sehr gut, sehr fokussiert gespielt und, wenn es darauf ankam, die wichtigen Stopps geholt und vorne die wichtigen Dinger reingehauen", sagte der Big Man und resümierte: "Das war eine mentale Höchstleistung von uns."

"Um Dennis braucht man sich nie Sorgen machen"

Für die entscheidenden Punkte im Spiel sorgte letztlich ausgerechnet Kapitän Dennis Schröder. Der Mann, der in seinen 32. Geburtstag reinfeiern durfte, war im Finalspiel über weite Strecken abgemeldet. Kurz vor Ende vor Schluss schlug, wie schon im WM-Finale 2023 gegen Serbien, seine große Stunde. Per Korbleger brachte er Deutschland zunächst zurück in Front (84:83). Daraufhin traf er einen Wurf aus der Mitteldistanz. Die Entscheidung führte er direkt im Anschluss mittels zweier Freiwürfe herbei. Die letzten sechs Punkte dieses Spiels - allesamt von Schröder erzielt.

"Um Dennis braucht man sich nie Sorgen zu machen", reagierte Tristan da Silva auf Schröders Höhen und Tiefen gegen die Türkei. "Es spricht Bände über seine mentale Toughness, so wie er am Ende performt hat. (...) Das ist ein Stück weit die Erfahrung, das ist seine Persönlichkeit, sein Denken, dass er nie aufgibt, sondern einfach ein 'Dog' ist."

Schröders Resilienz ist allerdings kein Einzelbeispiel. Auch Teamkollege Daniel Theis erwischte nicht seinen besten Abend. In 38 Minuten brachte der Center keinen einzigen Punkt zustande, nur um anderthalb Minuten vor der Schlusssirene einen der wohl wichtigsten Würfe des Abends, einen Dreier zum Stand von 82:81, zu treffen.

Lo erklärt das Erfolgsgeheimnis: "Selbstbewusstsein"

Auch bei Daniel seien "die ersten drei Viertel etwas shaky" gewesen, so da Silva. "Natürlich lag das auch an seinen Foulproblemen. Er hat nicht viel gescort, aber kommt dann im vierten Viertel rein und hat direkt Präsenz gezeigt."

Dass Deutschland in der Lage ist, Spiele in der entscheidenden Phase zu seinen Gunsten zu lenken, hat es bei diesem EM-Turnier bereits mehrfach bewiesen. Die Schlussviertel in den vier K.o.-Rundenspielen gingen allesamt an das DBB-Team. Gegen Slowenien und eben jetzt gegen die Türkei machte ein spätes Comeback sogar erst den Sieg möglich.

Laut Maodo Lo sei das kein Zufall, sondern die Konsequenz einer über Jahre entwickelten Spielkultur: "Selbstbewusstsein", beschrieb er diese mit nur einem Wort. "Man hat viel Vertrauen ineinander aufgebaut. Wir haben immer die Erwartungshaltung, dass wir jeden Gegner schlagen können. (...) Damals hieß es noch: 'Wir sind Deutschland, wir sind bodenständig, wir trauen uns nicht viel zu.' Das haben wir so langsam überwunden. Irgendwann hieß es: 'Wir sind Deutschland, wir können auch gegen die Top-Nationen spielen, mit uns ist auch zu rechnen.'"

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