Aus Tampere/Finnland berichtet Robert Arndt.
Zweimal in Folge erzielte die deutsche Basketball-Nationalmannschaft mehr als 100 Punkte, das gab es in der deutschen EM-Geschichte noch nie. Überhaupt ist es satte 32 Jahre her, dass eine Mannschaft mit solch einer offensiven Ausbeute ins Turnier startete. Dass dies wenig bedeutet, wusste aber auch Kapitän Dennis Schröder. Auf die Frage, was die Mannschaft mitnehmen könne, antwortete der Braunschweiger trocken: "Gar nichts".
Montenegro wie auch Schweden fehlte die Qualität, um den Weltmeister in Gefahr zu bringen, bei den ebenfalls noch schadlosen Litauern dürfte das anders sein. "Das ist eine starke Mannschaft und eine echte Basketball-Nation", warnte Tristan da Silva. Ob er auch die deutsche Bilanz kennt? Von 18 Spielen konnten die Deutschen nur drei gewinnen, der letzte Vergleich wurde bei der EM 2022 in Köln nach doppelter Verlängerung für sich entschieden.
"Das war richtig cool“, erinnerte sich Franz Wagner. Die Litauer werden jedoch den leicht modifizierten deutschen Spielstil erstmals so richtig auf die Probe stellen. Auf den großen Positionen ist die Nation aus dem Baltikum traditionell stark besetzt, das ist auch in diesem Sommer mit NBA-Center Jonas Valanciunas, Azuolis Tubelis oder Tadas Sekerskis nicht anders.
DBB-Team: Der Flügel ist das Prunkstück
Oscar da Silva zeigte sich zumindest im Gespräch mit basketball-world.news optimistisch. "Das Gute ist, dass wir flexibel sind und im Zweifel auch groß spielen können", meinte der Bayern-Big, der laut eigener Aussage die Rolle des elften Mannes bzw. "Jokers" angenommen habe. Der gegen Schweden geschonte Johannes Voigtmann wird vermutlich zurückkehren, das eröffnet Interims-Bundestrainer Alan Ibrahimagic wieder neue Möglichkeiten.
Denn: War der Frontcourt in der Vergangenheit das Prunkstück des DBB-Teams, ist es nun der Flügel mit jeder Menge Athletik, Länge und Speed. Es ist also sinnvoll, dass unter dem weiter im Krankenhaus weilenden Alex Mumbru aggressiver verteidigt und schneller umgeschaltet werden soll.
"Es passt einfach gut mit unserem Spielstil zusammen", weiß auch da Silva. "Wir wollen ja sehr schnell spielen und wir haben mit Tristan, Franz [Wagner] und Isaac [Bonga] drei sehr variable Spieler und vor allem hervorragende Verteidiger." In den ersten beiden Spielen standen oft zwei aus diesem Trio auf dem Feld, manchmal sogar alle drei mit Wagner als Shooting Guard.
DBB-Team: Litauen der erste Prüfstein
"Es kann ein Vorteil sein, wenn man gegen eine große Mannschaft schnell spielt und die hoch und runter laufen lässt." So war das auch in den ersten beiden Spielen, beide Partien zählten zu den schnellsten im bisherigen Turnier. Dabei legen die Deutschen ein absurdes Offensiv-Rating auf, 1,43 Punkte sind es pro Angriff.
Letztlich fußt vieles auf der Verteidigung. Bekommt das Team den Stop, gibt es kaum Teams, die Schröder, Wagner und Co. im Gegenzug stoppen können. 32 Zähler sind es über zwei Spiele im Fastbreak, ein netter Bonus für die ohnehin gut geölte Maschine. Die Gegner dafür waren zwar dankbar, doch die Vorbereitung zeigte bereits diesen Trend. Gegen Litauen muss dies nun nur unter "echten" Wettkampf-Bedingungen bewiesen werden.
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