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Top oder Flop: Young und Hawks vor Richtungsentscheidung

kicker

Als Fan der Hawks waren die vergangenen Jahre nicht leicht. Nachdem Trae Young Atlanta 2021 in seiner dritten Saison bis in die Conference Finals geführt und dort mit einem sensationellen 48-Punkte-Auftritt in Spiel 1 sogar die Führung gegen die Milwaukee Bucks erkämpft hatte, war die Erwartungshaltung groß.

Die Serie gegen den späteren Champion ging bekanntlich verloren, die Euphorie blieb aber riesig. Trae war einer der absoluten Superstars der Liga und wurde 2022 sogar ins All-NBA Third-Team gewählt, die großen Teamerfolge blieben aber aus. Der viermalige All-Star gilt als komplizierter Charakter und ist schon mit einigen Coaches angeeckt. Auch sein Spiel ist zuweilen nicht das teamfreundlichste, ihm fehlte in der Vergangenheit aber auch oft das nötige Personal.

Atlanta Hawks: Viele Jahre im Mittelfeld

Young ist ein schmächtiger Guard, der offensiv einer der besten, defensiv aber einer der schwächsten Spieler der Liga ist. Daher ist es umso wichtiger, dass er den geeigneten Schutz an seine Seite bekommt. Das versuchte Atlanta auch 2022, als sie Danilo Gallinari und drei Erstrundenpicks sowie einen Pick-Swap für Dejounte Murray an die Spurs schickten. Murray spielte offensiv zwar gut, seinen Ruf als Defensivspezialist verlor er aber schnell. Das führte dazu, dass die Hawks-Defensive ein Chaos war, wenn die beiden Guards zusammen auf dem Feld standen.

Nach einer 41-41-Bilanz in Murrays erster Saison reichte er im Folgejahr nur noch für 36 Siege. Nach seiner zweiten Saison in Atlanta zogen die Verantwortlichen vergangenen Sommer daher die Reißleine und schickten Murray in einem cleveren Deal zu den Pelicans, der ihnen Dyson Daniels und zwei Erstrundenpicks einbrachte.

Schon in seiner ersten Saison in Atlanta übertraf der "Great Barrier Thief" alle Erwartungen und mauserte sich schnell zum perfekten Backcourt-Partner für Trae. Der 22-Jährige kann defensiv alles, wodurch er Young den Rücken freiräumt und verbessert auch sein offensives Spiel immer weiter. Er legte im Vergleich zum Vorjahr 8,3 Punkte mehr pro Spiel auf, traf seinen Dreier besser (+2,9 Prozent) und fuhr auch einen True Shooting Percentage um 1,6 Prozent auf 54,5 Prozent hoch. Am Ende der Saison stand völlig verdient die Auzeichnung des Most improved Players.

Das Front Office der Hawks, allen voran der neue GM Onsi Saleh, der jahrelang für die Warriors und Spurs tätig war, hat offenbar endlich verstanden, was der perfekte Fit für Young ist, und im Sommer alles dafür getan, das perfekte Team um den 26-Jährigen zu bauen.

Atlanta Hawks und die perfekte Offseason

Das Anforderungsprofil für die neuen Hawks-Spieler war dabei simpel: Vorne muss er offene Würfe treffen können und das Feld breit machen, hinten muss er mehrere Positionen verteidigen können, damit Atlanta möglichst viel switchen und Young verstecken kann. Kristaps Porzingis und Nickeil Alexander-Walker sind demnach die nahezu perfekten Neuzugänge.

Hinter Porzingis stehen zwar Fragezeichen, was seine Verfügbarkeit betrifft, sein Spiel ist aber über jeden Zweifel erhaben. Als Backup-Center hinter Okongwu ist er eine absolute Luxuslösung, der gegnerische Bank-Units ohne dominierten Big Man regelmäßig verzweifeln lässt. Alexander-Walker hat zudem für die Wolves in den vergangenen Saisons eindrucksvoll bewiesen, dass er einer der besseren 3-and-D-Swingman der Liga ist.

Hinzu kommt noch die Verpflichtung von Luke Kennard. Der 29-Jährige ist defensiv nicht auf dem Niveau von Porzingis und NAW, sein Shooting kann aber enorme Räume in der Offensive öffnen. Über die vergangenen fünf Saisons wirft er im Schnitt 45,5 Prozent von Downtown, was ihn statistisch zum besten Schützen der Liga macht.

Ein weiterer Steal der Offseason könnte Rookie Asa Newell sein. Der Trade, der den Hawks im Gegenzug für das Recht am 13. Pick den besten Pick im kommenden Draft der Pelicans oder Bucks gesichert hat, ist jetzt schon einer der Gewinne des Sommers, Newell ließ in der Summer League dazu noch durchscheinen, dass er perfekt ins Hawks-System passen könnte. Er kann viele Positionen verteidigen und schenkte den Draft-Experten als Antwort auf die Zweifel an seinem Distanzwurf in seinem ersten Spiel direkt mal 4/5 von draußen ein.

Wenn Jalen Johnson, der vor seiner Verletzung auf All-Star-Kurs war, jetzt noch an seine Leistungen vom Vorjahr anknüpfen kann und Nr.1-Pick Zaccharie Risacher seine Entwicklung fortsetzt, sind die Hawks ein echter Kandidat auf die Ostkrone. Ohne die Konkurrenz aus Boston, Indiana und (wahrscheinlich) Milwaukee sind sie tiefer als die meisten Teams im Osten, haben mit Johnson, Daniels und Alexander-Walker die vielleicht beste Perimeter-Verteidigung der Conference und in Young einen Spieler, der an einem guten Tag wie der beste Offensivspieler der Liga aussieht.

Allerdings müssen die Hawks jetzt auch liefern, sonst könnten im kommenden Sommer die nächsten großen Veränderungen drohen.

Atlanta Hawks: Was passiert mit Trae Young?

Hier kommt wieder Young ins Spiel. Der Guard steht nur noch zwei Jahre unter Vertrag, besitzt aber für 2026/27 eine Spieler-Option, was bedeutet, dass er kommenden Sommer aus seinem Vertrag aussteigen und als UFA bei jedem Team unterschreiben könnte. Berichten zufolge hat es bislang auch noch keine fruchtbaren Gespräche über eine Verlängerung geben, laut ESPNs Cap-Experten Bobby Marks könnten die Hawks ihm einen Vierjahresvertrag über 229 Mio. Dollar vorlegen.

Das ist eine Menge Geld für einen Spieler, der erst einmal bewiesen hat, dass er ein Team tief in die Playoffs führen kann und dabei damals auch noch reichlich Glück hatte (man erinnere sich an Simmons Nicht-Dunk). Noch mehr Geld ist das in Anbetracht der schwierigen Situation mit dem neuen CBA. Die Suns und Bucks sind zwei aktuelle Beispiele, wie schnell ein dicker Vertrag für einen Star-Spieler nach hinten losgehen kann.

Folglich ist es nur logisch, dass die Hawks erstmal abwarten wollen, ob Young mit dem auf dem Papier perfekten Support-Cast funktioniert, ehe sie ihn langfristig unter Vertrag nehmen. Die Gefahr dabei ist natürlich, ihn ohne Gegenwert zu verlieren, dieses muss Atlanta aber wohl in Kauf nehmen. Mit einem potenziell hohen Lottery-Pick 2026 und vier Eckpfeilern in Onyeka Okongwu (24), Johnson (23), Daniels (22) und Risacher (19) unter 25 Jahren sieht die Zukunft rosig aus. Ob Young ein Teil davon ist, wird sich in den nächsten Monaten zeigen.

Atlanta Hawks: Alle Verträge und Gehälter