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Zu viele, zu früh: Warum sind plötzlich so viele Stars verletzt?

kicker

Dass Stars bereits Mitte November nur noch gut die Hälfte ihrer möglichen Spielzeit absolvieren, passiert eigentlich nie. Im Normalfall, so schreibt Yahoo-Sports-Reporter Tom Haberstroh, fällt die magische 60-Prozent-Marke erst Richtung März oder April: haben Spieler bereits Unmengen an Spielen hinter sich, kommt es regelmäßig vor, dass auch die Besten gesammelt nur noch gut die Hälfte der ingesamt möglichen Zeit auf dem Court standen.

Weshalb also der Anstieg? Weshalb fehlen und fehlten nicht nur die ohnehin verletzten Tyrese Haliburton, Damian Lillard, Fred VanVleet, Jalen Williams, Jayson Tatum und Kyrie Irving, dazu übliche Kurzzeit- bis ausführlicher Verletzte wie Zion Williamson, Ja Morant und Joel Embiid, sondern auch Victor Wembanyma, Anthony Edwards und Trae Young, dazu Rollenspieler-"Stars" wie Aaron Gordon oder Top-Rookies wie Dylan Harper? Steve Kerr hat eine Idee.

Steve Kerr: "Es ist dramatisch"

"Es ist dramatisch", sagte Golden States Coach kürzlich vor einem Spiel gegen die Magic. "Der Pace-Unterschied ist dramatisch. Dieses Team heute hat seine Pace im Vergleich zum letztem Jahr deutlich gesteigert." Inzwischen hätten alle verstanden, dass sie einfacher punkteten, sobald sie unsortierte Defenses mit Geschwindigkeit anliefen. "Wenn das aber jeder macht, sind die Spiele schneller und jeder muss bis zur Dreierlinie verteidigen, weil alle Dreier werfen können." Höhere Geschwindigkeit plus größere zu überbrückende Distanzen gleich mehr Verletzungen.

"Wir haben alle Daten", sagt Kerr. "Spieler laufen schneller und weiter als jemals zuvor. Deshalb versuchen wir unser Bestes, um sie zu schützen, haben aber im Grunde alle zwei Nächte ein Spiel. Da ist das nicht einfach." Golden States Ärzte glaubten, "dass die Belastung, die Geschwindigkeit, die Pace, die Distanzen, dass all das eine Rolle bei den Verletzungen spielt."

Tatsächlich spielt die Liga derzeit so schnell wie seit 1988/89 nicht mehr. Damals kamen Teams pro 100 Ballbesitze auf 100,6 Possessions, heute sind es 100,3 und damit 1,5 mehr als vergangene Saison (98,8). Was wenig klingt, ist in der Realität ein relativ steiler Anstieg. Zumal es sich um einen Durchschnittswert handelt.

Kerr sprach über die Magic, die ihre Pace im Vergleich zum vergangenen Jahr deutlich gesteigert hätten - und tatsächlich kletterte Orlando von 96,51 (Rang 30) auf 100,58. Gleichzeitig spielen immer noch 19 Teams schneller als die Magic, viele davon schneller als sie selbst vor einem Jahr. Orlando ist dabei eine von sieben Mannschaften, die ihre Pace um mindestens drei Ballbesitze steigerten. Die Heat, das schnellste Team der aktuellen Saison (106,14), ließen es vergangene Spielzeit beispielsweise ähnlich gemächlich angehen wie Orlando (97,08). Die Liga sprintet kollektiv also tatsächlich mehr, setzt sich damit durchaus größeren Belastungen aus.

Früher Fokus als eine Verletzungsursache?

Was womöglich hinzukommt: Im Vergleich zu früher absolvieren Talente deutlich mehr Spiele, ehe sie überhaupt in die NBA kommen. In der AAU (American Athletic Union) fokussieren sich Kinder und Teenager mittlerweile früh auf diesen einen Sport, beispielsweise auf Basketball, spielen für ihre Highschool, dazu für ihre AAU-Teams. Mehrmals pro Woche stehen sie neben dem Training auf dem Court. Was ohnehin Belastung genug wäre, verkompliziert sich durch den einseitigen Fokus. Statt durch unterschiedliche Sportarten unterschiedliche Bereiche des Körpers zu fordern, belasten sie auf die immer selbe Art die immer selben Gelenke, Muskeln und Sehnen.

Commissioner Adam Silver argumentierte im Rahme der NBA Europe Games 2025 in Paris in eine ähnliche Richtung, als er einen zu einseitigen Fokus als mögliche Verletzungsursache herausstellte. Spieler, so formulierte er, arbeiteten nicht weniger hart, "teilweise arbeiten sie zu hart und müssten eigentlich mehrere unterschiedliche Sportarten gleichzeitig spielen. Wir haben den Eindruck, dass einige der Verletzungen unserer jungen Spieler aus einer Überbelastung resultieren. Sie sind nicht zu physisch, vielmehr geht es um die permanente Wiederholung bestimmter Dinge." Silver verglich heutige Talente und junge Stars dabei mit Spielern aus den 80ern und 90ern. Die "waren (als Kinder) auch die Besten in den anderen Sportarten ihrer Schulen, weil sie je nach Saison unterschiedliche Sportarten spielten."

Das Problem mit dem Spielplan

Ein möglicher, ein durchaus plausibler Ansatz. Gleichzeitig reduziert sich Überbelastung nicht auf die Zeit vor der NBA-Karriere. Fragen nach der Notwendigkeit von 82-Regular-Season-Spielen existieren gefühlt länger als LeBron James in der NBA. Weniger Spiele, vielleicht zehn, vielleicht zwölf, bedeuteten ja nicht nur die Reduktion der Gesamtlast. Der Spielplan ließe sich entzerren. Spiele in zwei aufeinanderfolgenden Nächten, fielen ganz Weg. Athleten hätten mehr Zeit für Regenration, bekämen mehr Ruhephasen. In dieser Saison spielen Teams zwar tatsächlich minimal weniger Back-to-Backs als vergangene (14,3 vs. 14,9), damit liegen sie aber immer noch höher als vor der Corona-Pandemie (12,5).

Der NBA-Cup verkompliziert eine Reduktion der Spiele zusätzlich. Vor allem dürften jedoch die Finanzen einen Vetoschwall auslösen. Der neue Fernsehvertrag bringt der NBA über elf Jahre 77 Milliarden Dollar. Weniger Spiele bedeuteten weniger Bildschirmzeit, weniger Werbemöglichkeiten, weniger Einnahmen. Das bekämen auch die Spieler zu spüren, deren Anteil am Kuchen schrumpft, wenn der Kuchen an sich schrumpft. Umso komplizierter gestaltet sich das Thema.

Ohnehin gibt es Stimmen, die behaupten, es läge nur im zweiten Schritt an der Belastung an sich. Im ersten, so zitiert The-Athletic-Reporter David Aldridge einen anonymen Verantwortlichen, fokussierten sich Spieler über den Sommer zu sehr auf ihr Spiel, auf das Werfen und ihr Ballhandling, weniger darauf, ihren Körper auf das Starten und Stoppen, das die heutige NBA einfordert, vorzubereiten.

Das veränderte Spiel der "neuen" NBA

Tatsächlich ist das Spiel heute nicht nur schneller als zuletzt, es sieht auch ein wenig anders aus. Ben Taylor von Thinking Basketball illustrierte kürzlich wie unter anderem der "Gather Step" aus einer horizontalen eine vertikale Liga gemacht habe. Vereinfacht formuliert, beginnt das Zählen der zwei erlaubten Schritte erst, sobald ein Spieler auf seinem Weg zum Korb nicht mehr legal dribbeln kann. So können beispielsweise Antetokounmpo, aber auch James Harden, Donovan Mitchell, mittlerweile eigentlich fast jeder, größere Distanzen zurücklegen. Dabei variieren sie die Geschwindigkeit, bauen Richtungswechsel ein, senden der Defense missverständliche Signale. Der Weg zum Ring wird länger, dafür entfallen Hindernisse.

Am Korb angekommen, verhindert das Momentum häufig ganz explosive Sprünge. Das Spiel wird vertikal. Nun bedeutet das keinesfalls, dass es heute keine spektakulären Abschlüsse über Ringniveau mehr gibt. Gleichzeitig eignen sich immer mehr Spieler Euro-Steps und Hesitation-Dribblings an. Das wiederum setzt den Körper anderen Belastungen aus. Ob es auch die Verletzungsgefahr steigert, lässt sich gleichzeitig nur schwer sagen.

Mit Sicherheit sagte Jeff Stotts, zertifizierter Athletik-Trainer, der auf seinem Blog In Street Clothes mithilfe von Daten Sportverletzungen analysiert, dass die Verletzung, die spätestens seit vergangenem Sommer alle fürchten, entgegen diverser Wahrnehmungen, nicht häufiger vorkommt. "Calf Strains", Wadenzerrungen, treten demnach nicht häufiger auf als während der vergangenen fünf Jahre. Womöglich sind die Bilder des in Spiel 7 der Finals in sich zusammensackenden Tyrese Haliburton einfach zu präsent, und Teams wollen bei Wadenverletzungen kein Risiko eingehen, geben ihren Spielern lieber etwas längere Pausen.

Grundsätzlich häufen sich Verletzungen derzeit tatsächlich. Diese eine Ursache scheint es dabei nicht zu geben. Dass sich die Liga an den Spielplan herantraut, Partien streicht, erscheint unwahrscheinlich. Gleichzeitig bedarf es durchaus einer tieferen Analyse; um Spieler besser auf das "neue" Spiel vorzubereiten, sie zu schützen und Verletzungen noch besser vorzubeugen. Damit die Besten bald wieder regelmäßig deutlich mehr als die Hälfte der möglichen Spielzeit auf dem Court verbringen können.

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