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50+1: Kartellamt verlängert Frist

kicker

"Wir haben von der DFL und einzelnen Beigeladenen Fristverlängerungsanträge erhalten und diesen jeweils im beantragten Umfang stattgegeben", erklärt die Bonner Behörde auf kicker-Anfrage. Bis Mitte Oktober gilt es nun für die Deutsche Fußball-Liga (DFL) und die betroffenen Vereine, allen voran die Förderausnahmen Bayer Leverkusen und VfL Wolfsburg sowie die jüngst vom Amt thematisierten RB Leipzig und Hannover 96, ihre Sicht der Dinge darzulegen.

Ein schmaler Grat: Es drohen Klageverfahren von beiden Seiten

Zuletzt hatten die Wettbewerbshüter ihre Einschätzung in dem Prüfverfahren zur 50+1-Regel konkretisiert mit Verweis auf die jüngsten Einlassungen des Europäischen Gerichtshofs EuGH. Zwar sei 50+1 grundsätzlich rechtskonform, allerdings müsse die Liga für einheitliche Wettbewerbsbedingungen sorgen. Das betrifft beispielsweise Leverkusen und Wolfsburg, wo jeweils die Konzerne Bayer und Volkswagen die Stimmrechtsmehrheit an der Profifußball-Kapitalgesellschaft halten und über Ergebnisabführungsverträge andere finanzielle Voraussetzungen herrschen.

Zudem mahnte das Amt Mitgliederpartizipation und Vereinsprägung an. Was angesichts der eingeschränkten Mitbestimmung für Personen, die nicht mit Hauptsponsor Red Bull verbunden sind, in Leipzig sowie der Pattsituation im Aufsichtsrat bei Hannover zwischen Kapital- und Vereinsseite für Schwierigkeiten sorgen könnte. Behördenchef Andreas Mundt hatte kürzlich verdeutlicht, dass man 50+1 "nicht nur auf dem Papier" umgesetzt sehen wolle. Der Bayreuther Jura-Professor Peter W. Heermann dagegen hatte die Einlassungen des Amtes allerdings kritisiert.

Auf die Liga im Allgemeinen und ihr Präsidium im Speziellen kommen komplizierte Debatten zu, die am Ende auch in rechtlichen Auseinandersetzungen münden könnten. Eine einfache Streichung der Förderausnahme wird keiner der Klubs hinnehmen, andererseits könnte von anderer Seite ebenfalls eine Klage erfolgen, wenn 50+1 nicht konsistent und konsequent umgesetzt wird.

An Carros Nominierung für den Liga-Aufsichtsrat gibt es auch Kritik

Eine gemeinsame Lösung ist nötig und unter diesem Aspekt sind wohl auch die Fristverlängerungen zu betrachten. Denn Anfang September werden bekanntlich der Aufsichtsrat und das Präsidium der DFL neu gewählt. Vorher eine Stellungnahme seitens der Liga abzugeben, wäre unsinnig. Spannend: Zuletzt hatte Eintracht Frankfurt den Vorsitzenden der Leverkusener Geschäftsführung, Fernando Carro, für den Aufsichtsrat vorgeschlagen. Das ist mutmaßlich als Aufruf zu verstehen, im Schulterschluss zwischen allen 36 Ligagesellschaftern eine konsensfähige Lösung zu erarbeiten. Allerdings gibt es an dem Vorgehen auch Kritiker, die eine Wahl des Spaniers als Vertreter eines Förderklubs in ein wichtiges Liga-Gremium als kontraproduktiv erachten. In jedem Fall verspricht dies eine spannende Debatte im Vorlauf zur Wahl in wenigen Wochen.