Bisher gibt es keinen Durchbruch in den Verhandlungen zwischen Eintracht Frankfurt und dem SC Freiburg über einen Transfer von Ritsu Doan. Nach dem Verkauf von Hugo Ekitiké in der vergangenen Woche kam zwar Bewegung in die Personalie, noch liegen beide Klubs in ihren Vorstellungen aber auseinander.
Der Poker um die Ablöse läuft
Der Sport-Club fordert offenbar weiterhin eine Ablöse oberhalb von 20 Millionen Euro, die SGE bietet weniger. Eine Einigung zeichnete sich am Mittwoch noch nicht ab, ist erfahrungsgemäß aber meist nur eine Frage der Zeit. So wie bei Jonathan Burkardt, den Frankfurt nach wochenlangem Poker aus Mainz holte. Aus Eintracht-Sicht wäre es unvernünftig, den Transfer wegen zwei oder drei Millionen Euro scheitern zu lassen.
Da Doan die Bundesliga aus dem Effeff kennt, dürfte seine Integration schnell vonstatten gehen. Insofern gibt es aktuell keinen großen Zeitdruck. Allerdings besteht die latente Gefahr, dass ein Klub aus der Premier League ein Tauziehen eröffnet und den Preis für die Eintracht nach oben treibt.
Für Trainer Dino Toppmöller wäre der japanische Nationalspieler ein wichtiges Puzzlestück. In Ansgar Knauff (35,9 km/h) und Jean-Matteo-Bahoya (37,2 km/h) verfügt er über zwei pfeilschnelle Flügelspieler, die vor allem im Umschaltspiel Waffen sind. "Wir haben mit Ansgar einen Spieler, der sehr geradlinig ist, die Tiefe attackiert, mit seinen Läufen sehr gefährlich ist und auch ein super Defensivverhalten zeigt", sagt Toppmöller. Doch die Eintracht will unberechenbar sein.
Doan als perfekte Ergänzung zu Knauff
Sportvorstand Markus Krösche erklärte schon 2022 im kicker: "Es geht grundsätzlich darum, eine Flexibilität und Variabilität zu erlangen, weil das die Basis dafür ist, dass du für den Gegner nicht ausrechenbar bist. Der Trainer muss immer entscheiden können, welche Fähigkeiten er in welcher Kombination benötigt, um das jeweilige Spiel zu gewinnen."
Daher versucht der Coach derzeit in der Vorbereitung, den eigentlich im offensiven Mittelfeld beheimateten Can Uzun (31,7 km/h) als linken Flügelspieler aufzubauen. Mit seinem starken rechten Fuß zieht der technisch versierte 19-Jährige im 4-2-3-1 oder 4-4-2 häufig nach innen und öffnet den Raum für den Außenverteidiger, der hinterlaufen soll. Ähnlich könnte rechts auch Linksfüßer Doan (34,3 km/h) agieren.
"Das würde unserem Spiel mit Sicherheit noch mal eine andere Note geben", sagt Toppmöller und spricht von einer "expliziten Waffe". Insbesondere gegen tief stehende Gegner könnten Uzun und Doan mit ihrer Technik, Kreativität und Übersicht zu Türöffnern werden. Man denke exemplarisch an den 33. Spieltag der Vorsaison, als Bahoya und Knauff im 3-4-3 als Flügelstürmer eingesetzt wurden, sich gegen ein tief verteidigendes St. Pauli aber die Zähne ausbissen.
Härtester Gegenspieler - SC ohne Druck
Interessante Randnotiz: Nathaniel Brown verriet dieser Tage im vereinseigenen Podcast, dass Doan sein bislang härtester Gegenspieler gewesen sei. "Ein Dribbler mit einem tiefen Körperschwerpunkt", sagte Brown. Mit den schnellen Haken ist Doan nur schwer zu verteidigen. Vergangene Saison traf der 27-Jährige in beiden Duellen mit der Eintracht. Künftig soll es andersherum laufen. Eine Prise mehr Unberechenbarkeit würde dem Team gerade nach dem Verkauf von Ekitiké gut zu Gesicht stehen. Noch ist der Transfer aber nicht auf der Zielgeraden.
Klar ist: Freiburg ist nicht auf einen Verkauf von Doan (Vertrag bis 2027) in diesem Sommer angewiesen. Zum Stichtag 30. Juni 2024 lag das Eigenkapital bei 151,9 Millionen Euro - ein fettes Polster. Die seit Jahren seriös und weitsichtig wirtschaftenden Breisgauer können im Poker daher ganz gelassen bleiben. Nichtsdestotrotz gibt es die Bereitschaft, Doan abzugeben, wenn das Angebot passt.
SC-Sportvorstand Jochen Saier erklärte unlängst: "Es ist kein Geheimnis, dass wir die Tür ein bisschen aufgemacht haben, wenn das Gesamtpaket stimmt. Ich will jetzt so einen Wechsel nicht herbeischreien, aber natürlich haben wir uns ein Stück weit mit unseren personellen Entscheidungen für den Fall vorbereitet, dass es passiert. Und wenn es nicht passiert, dann wären wir auch glücklich."