Der Wiederauftakt am Samstag gegen den VfB ist für Bayer 04 voll in die Hose gegangen. Stuttgart hatte hoch gepresst, den oft aus letzter Linie als Spieleröffner fungierenden Sechser Aleix Garcia durch enge Bewachung als Initiator des Leverkusener Aufbaus aus dem Spiel genommen. Und das Bayer-Spiel stattdessen auf den Brasilianer Arthur auf der rechten Seite gelenkt, wo der Rechtsverteidiger und Schienenspieler unter dem Stuttgarter Druck den Ball oft in die Räume spielte, in denen die Gäste ihn haben wollten und dann auch gewannen. Der Stuttgarter Matchplan sowie der grundsätzliche Ansatz des hohen Pressens Eins-gegen-eins über den ganzen Platz griff komplett.
Bei der zuletzt hakenden Spieleröffnung sieht Hjulmand nicht nur Aleix Garcia gefordert
Die Probleme aus der Partie sind erkannt. Jetzt stellt sich aber die Frage, ob diese auch behoben und entsprechende Lösungen gefunden worden. Pflegt doch Samstag-Gegner TSG Hoffenheim genau die gleiche Herangehensweise wie der VfB. Nicht umsonst sagt Hjulmand: "Es ist ja wichtig zu verstehen, welchen Typ vom Spiel es gibt. Es wird genau das gleiche Spiel wie gegen Stuttgart."
Was aufs Erste nicht verheißungsvoll klingt. Konnte Bayer gegen den VfB doch sein kontrolliertes Aufbau- und Passspiel nicht richtig aufziehen und war bis zur Pause den Schwaben, die dann bereits 4:0 führten, klar unterlegen. In Sinsheim droht nun ein ähnliches Szenario. "Gegen Hoffenheim gibt es nicht viele Möglichkeiten, keinen großen Rhythmus und viele Pässe", weiß Hjulmand, der bezüglich der gegen Stuttgart hakenden Spieleröffnung nicht nur Aleix Garcia gefordert sieht.
„"Wir wissen, was in dieser Situation zu tun ist. Es geht nicht um viele Pässe, sondern mehr darum, vertikal zu spielen und Räume zu attackieren.“ (Kasper Hjulmand)
"Es geht nicht nur um Aleix, es geht um alle unsere Spieler", erklärt Hjulmand, der davon ausgeht, nicht nur in Sinsheim diesem aggressiven Spielansatz zu begegnen, sieht er diesen doch als allgemeinen Trend. "Mehr und mehr Mannschaften spielen phasenweise mehr und mehr Eins-gegen-eins", stellt der Däne grundsätzlich fest, glaubt aber, dass seine Mannschaft dafür bereit ist: "Wir haben es sehr, sehr gut gemacht gegen andere Mannschaften und auch in den guten Minuten gegen Stuttgart, aber die ersten 25 Minuten nicht."
Dabei führt der Trainer die Partie in Wolfsburg an, als Bayer beim 3:1-Sieg die Lücken im Wolfsburger Pressing gnadenlos ausspielte. "Wir wissen, was in dieser Situation zu tun ist", zeigt sich der Däne zuversichtlich, "es ist etwas anders als sonst. Es geht nicht um viele Pässe, sondern mehr darum, vertikal zu spielen und Räume mit unseren Läufen zu attackieren."
Mehr Tiefenläufe sind gefragt - und damit neben Poku auch Tella?
Die Schwachstellen im Hoffenheimer Pressing, die kleiner sein dürften als die im Wolfsburger Spiel, erkennen und dann auch zu nutzen, wird der eine Punkt sein, um ein böses Déjà-vu nach dem 1:4 gegen Stuttgart zu verhindern. Dabei könnte Afrika-Cup-Rückkehrer Ibrahim Maza als glänzender Aufdreher auf der Zehn statt auf der Doppelsechs eine entscheidende Rolle spielen.
Der zweite Aspekt sind die nötigen Läufe in die Tiefe. Ernest Poku dürfte dafür sicher auf der linken Seite auflaufen. Rechts würde es sich anbieten, ebenfalls einen sprintstarken Akteur zu nominieren. So könnte dort statt des ebenfalls flinken Außenverteidigers Arthur auch Außenstürmer Nathan Tella starten. Denn dieses Phänomen war auch gegen Stuttgart zu beobachten. Starteten Bayers Offensivkräfte in die Tiefe, fanden sie Räume vor, weil der VfB im ersten Durchgang von Minute zu Minute mit seiner letzten Linie höher schob.
Hjulmand fordert "Feuer" und muss selbst entscheidende Akzente setzen
Allerdings geschah dies viel zu selten. Nicht umsonst bemängelte Geschäftsführer Simon Rolfes nachher auch die fehlenden Angebote aus dem offensiven Mittelfeld und dem Angriff für Bayers im Spielaufbau befindliche Abwehrspieler. Neben dem notwendigen "Feuer", das Hjulmand angesichts der zweikampfintensiven Partie von seinen Profis fordert, werden auch die personellen Maßnahmen des Trainers eine wichtige Rolle spielen, wenn Bayers Spiel zünden und ein schnelles Déjà-vu verhindert werden soll.