Fast ein Jahrzehnt war Alexsandro de Souza, genannt Alex, der Mittelfeldspieler, der im türkischen Fußball in aller Munde war. Der Brasilianer stand von 2004 bis 2012 bei Fenerbahçe unter Vertrag und erlangte dort Legendenstatus. Er brachte eine große Fangemeinde hinter sich und inspirierte eine Generation, die jetzt die FIFA Klub-Weltmeisterschaft 2025™ bestreitet.
Am Dienstag werden sich beim Duell zwischen Real Madrid und dem Juventus FC zwei türkische Mittelfeldspieler gegenüberstehen, die während Alex' Glanzzeit groß geworden sind. Die beiden Landsmänner Arda Güler und Kenan Yıldız geben der Partie zwischen den beiden europäischen Schwergewichten zusätzliche Würze.
"Ich rechne allgemein mit einem schnellen Spiel und hoffe, dass die beiden sich in Bestform präsentieren und jeder seinem Team im Rahmen des Möglichen helfen kann", so Alex im Gespräch mit der FIFA.
Die beiden türkischen Mittelfeldspieler wussten bislang bei der Klub-WM zu glänzen. Bei Juventus ist Yıldız der Dreh- und Angelpunkt des Offensivsystems, was auch an seiner Torbilanz deutlich zu erkennen ist. In drei Spielen konnte er drei Treffer und eine Vorlage für sich verbuchen und war am zweiten Spieltag der Gruppenphase außerdem noch direkt an einem Eigentor von Wydad beteiligt.
Güler musste zu Beginn der Klub-WM bei Real Madrid zunächst auf der Bank Platz nehmen. Xabi Alonso wechselte ihn dann im Auftaktspiel zu Beginn der zweiten Halbzeit ein – und danach stand er bei jedem Spiel in der Startelf. Der Jungstar spielt bei Real auf einer etwas zurückgezogeneren Position und hat einen Teil der Funktionen von Luka Modrić übernommen, der den Klub verlassen wird.
Zu Güler hat Alex eine ganz besondere Beziehung. Güler ist nämlich schon seit jeher Fenerbahçe-Fan, und der Brasilianer war früher sein größtes Idol im Fußball.
"Wie Sie wissen, ist das Trikot mit der Nummer zehn in der Türkei heilig. Es steht nicht einfach nur für den kreativen Mittelfeldspieler. Es steht für unseren Retter. Für Alex – den echten Alex", erklärte der Nachwuchsspieler vor einigen Jahren auf der Plattform "The Player's Tribune". Als er bei Fener die Rückennummer seines großen Vorbilds erhielt, erfüllte sich für ihn ein Traum.
"Es war ein unbeschreibliches Gefühl, als ich dieses Trikot zum ersten Mal angezogen habe. Damit bin ich nicht nur in die Fußstapfen von Alex getreten, sondern habe die kreative Verantwortung für das ganze Team und Millionen von Fans übernommen. Das war ein Privileg. Eine Ehre. Ein Traum. Arda Güler, der Zehner von Fenerbahçe! Das war vergleichbar mit einem Titelgewinn."
Noch heute verfolgt Alex, mittlerweile Trainer bei Operário in der zweiten brasilianischen Liga, die Entwicklung seines "Zöglings" aus der Ferne. Vergleiche zwischen ihm selbst und Güler vermeidet er jedoch eher.
"Er war damals in der Türkei noch ein Junge, der meine Auftritte bei Fenerbahçe verfolgt hat. Er ist zwar auch ein Mittelfeldspieler, aber mit ganz anderen Eigenschaften als ich", erklärt er.
"Er ist noch sehr jung und wird sich daher sicherlich noch weiterentwickeln und viel lernen. Eine Ähnlichkeit besteht, weil er auch ein Linksfuß ist und auf der gleichen Position im Mittelfeld spielt. Aber jeder von uns hat seine Eigenheiten, ich hatte meine, er hat seine."
Schon vor der Generation von Yıldız und Güler war die Türkei dafür bekannt, gute Mittelfeldakteure hervorzubringen. Bei dieser Klub-WM wurde das Land zum Beispiel auch noch von Spielern wie Hakan Çalhanoğlu (FC Internazionale Milano) und Orkun Kökçü (SL Benfica) repräsentiert.
"Der türkische Fußball hat im Laufe der Geschichte immer Spieler mit diesen Eigenschaften gehabt", so Alex.
"Als ich dort aktiv war, hatten sie mit Sergen Yalçin und Tümer Metin zwei gute linksfüßige Mittelfeldspieler mit diesen Eigenschaften, die bei den Türken und in der Liga sehr beliebt sind. Heute haben wir diese beiden sehr hochklassigen Spieler."
Güler und Yıldız träumen davon, mit der Türkei 2026 nach 24-jähriger Abwesenheit endlich wieder an einer FIFA Fussball-Weltmeisterschaft™ teilzunehmen. An einem der Spielorte der WM treffen die beiden Landsmänner nun allerdings erst einmal aufeinander, und der Brasilianer riskiert keinen Tipp. Er weiß nur, dass man sich dieses Spiel keinesfalls entgehen lassen sollte.
"Bei dieser Klub-WM kann man von jedem Spiel erwarten, dass es gut wird. Da bildet auch dieses keine Ausnahme."