Einige der größten deutschen Fußballer haben im Laufe ihrer Karriere den Schritt über den Atlantik gewagt, um nach großen Erfolgen in Europa auch Fußballgeschichte in Nordamerika zu schreiben. Thomas Müller tut es prominenten Vorgängern wie Franz Beckenbauer, Lothar Matthäus und Bastian Schweinsteiger nun gleich. Nach 25 Jahren beim FC Bayern wechselt er in die MLS, wo er künftig für Vancouver Whitecaps auf Torjagd geht und erstmals in seiner Profikarriere ein anderes Trikot als das des FC Bayern überstreifen wird.
"Das ist etwas Größeres, als ihr es euch vorstellen könnt. Ich werde von dieser großen Bühne gehen, ich habe es geliebt, der moderne Gladiator zu sein. Ich freue mich darauf, auch wenn es nur halb so schön sein kann. Servus, jetzt wird gefeiert!" Mit diesen Worten verabschiedete sich Müller im Anschluss an sein 750. Pflichtspiel für die Bayern von der Münchner Südkurve und leitete die Feierlichkeiten anlässlich seines 13. Bundesligatitels mit dem FC Bayern ein.
"Warum soll ich traurig sein? War doch schön.", rief der 35-Jährige in seiner gewohnt lockeren Art vor dem Verlassen der Arena noch den Reportern zu. Genau diesen zwanglosen Umgang mit seinen Mitspielern, Fans und auch den Medien wird man bei Bayern in Zukunft wohl schmerzlich vermissen. Auf dem Platz produzierte er für den deutschen Rekordmeister 248 Toren und 274 Vorlagen, doch abseits des Spielfelds war Müller mindestens genauso wichtig. Mit seiner fast schon ansteckenden guten Laune versprühte er eine gewisse Leichtigkeit, die man so bei kaum einem anderen Fußballer findet.
Müllers Kapitel beim FC Bayern ist in allen Bereichen wahrlich eine Erfolgsgeschichte. Neben 13 Deutschen Meisterschaften gewann er mit den Münchnern unter anderem auch sechsmal den DFB-Pokal sowie zweimal die Champions League. Darüber hinaus hält er den Rekord für die meisten Einsätze und Titel im Dress des FC Bayern. Seine Karriere der Superlative in München mag zu Ende sein, doch bei den Whitecaps hat er nun die Möglichkeit, auch im Ausland Geschichte zu schreiben. Dort kann er nämlich in die Fußstapfen deutscher Fußballstars treten, die es ebenfalls über den Teich zog. Die FIFA hat einen Überblick der größten deutschen Fußballer, die in Nordamerika Fußball gespielt haben, zusammengestellt.
Der Wechsel des Kaisers vom FC Bayern in die damals junge North American Soccer League zu New York Cosmos, wo er dann eine Spielzeit mit Pelé zusammenspielte, war zum damaligen Zeitpunkt eine regelrechte Sensation. Beckenbauer war der erste deutsche Fußballstar, der die Fußballschuhe in den USA schnürte, wo der Sport bis dahin eher belächelt wurde. Warner-Manager und Mitgründer der MetroStars Steven Ross hatte ein klares Ziel: den Fußball mit Blick auf die Weltmeisterschaft 1994 durch die Verpflichtung von Weltstars zu popularisieren. Beckenbauers Zeit in den USA gestaltete sich durchaus erfolgreich, auch wenn er anfangs selbst einige Zweifel hatte.
"Ich war drei Wochen dort, erst trat der Präsident zurück und Gordon Bradley, der Coach, wurde gefeuert – und ich dachte: Wo bin ich hier?", verriet Beckenbauer später über seine Anfangszeit in New York. Dem Erfolg tat dies trotzdem keinen Abbruch; er gewann insgesamt dreimal die Meisterschaft und wurde gleich in seiner ersten Saison zum wertvollsten Spieler der Liga gewählt. Nach einem zweijährigen Intermezzo beim Hamburger SV kehrte er 1983 sogar noch mal kurzzeitig zu New York Cosmos zurück und beendete im Anschluss seine aktive Karriere.
Nicht ganz so ruhmreich gestaltete sich das US-Abenteuer von Lothar Matthäus, der sich im Jahr 2000 im Alter von 39 Jahren den New York MetroStars anschloss. Trotz seines fortgeschrittenen Fußballeralters waren die Erwartungen riesig und seine Verpflichtung wurde in den USA als ein echter Coup gefeiert. Bevor die MetroStars den deutschen Weltfußballer verpflichteten, belegten sie in der vorherigen Spielzeit den letzten Platz in der Eastern Division; mit Matthäus als Strippenzieher vor der Abwehr landeten sie in der Saison 2000 prompt auf dem ersten Platz, schieden dann aber bereits früh aus den Playoffs aus.
Sportlich gesehen verbesserten sich die MetroStars im Vergleich zur Vorsaison zwar, eine Erfolgsgeschichte wurde aus dem Engagement des Welt- und Europameisters in New York trotzdem nicht. Am besten fasste es wohl Matthäus selbst zusammen, als er Verständigungsprobleme innerhalb des Teams für die nicht zufriedenstellenden Leistungen verantwortlich machte: "Auch ich spreche nicht gut Englisch. Wenn man sagt, geh' rechts, dann laufen sie nach links. Das ist ein Problem."
Als der ehemalige Bayern-Profi dann noch mit seiner Freundin am Strand von St. Tropez gesichtet wurde, obwohl er eigentlich aus New York abgereist war, um eine Verletzung zu kurieren, lag der Haussegen endgültig schief. "Wenn das Sonnenbaden nicht zur Behandlung gehört, wäre das schade. Es sieht nicht gut aus. Die Mannschaft kämpft um die Meisterschaft und ein verletzter Spieler liegt am Strand", schimpfte Cosmos-Kapitän Tom Dooley in Bezug auf den Badeausflug von Matthäus. Wenig später endete das USA-Kapitel von Matthäus dann, ohne dass er einen einzigen Treffer, Assist oder Titel verbuchen konnte.
Nach seiner aktiven Karriere als Spieler ließ sich Jürgen Klinsmann in den USA nieder und lebte mit seiner Familie in Newport Beach, einer Küstenstadt in Kalifornien in der Metropolregion von Los Angeles. Unter dem Pseudonym Jay Goppingen gab er im Alter von 39 Jahren sogar ein kurzes Comeback und erzielte für Orange County Blue Star fünf Tore in acht Spielen. In Erinnerung bleibt der in Göppingen geborene Auswanderer in den USA aber vor allem für seine Zeit als Trainer der US-Nationalmannschaft. Dort wurde Klinsmann mit der Aufgabe betraut, den gesamten Fußballverband umzukrempeln und zu modernisieren.
2011 wurde er zum neuen Cheftrainer der USA ernannt und führte die Nordamerikaner zwei Jahre später direkt zum Sieg des CONCACAF Gold Cups. Infolgedessen waren die USA für die WM 2014 in Brasilien qualifiziert und Klinsmann wurde zudem zum Technischer Direktor des Verbandes ernannt. In einer Gruppe mit Deutschland, Portugal und Ghana sprach seinem Team kaum jemand eine Chance zu, doch man erreichte als Gruppenzweiter das Achtelfinale, bevor man Belgien knapp mit 1:2 in der Verlängerung unterlag. 2016 wurde der frühere Weltklasse-Stürmer nach einem missglückten Auftakt in die WM-Qualifikationsrunde schließlich entlassen, doch unterm Strich kann seine Zeit in den USA durchaus als Erfolg verbucht werden.
Nach seiner Unterschrift bei Chicago Fire im Jahr 2017 avancierte Bastian Schweinsteiger schnell zum Unterschiedsspieler und Publikumsliebling, obwohl er zuvor bei Manchester United lange Zeit nur eine Reservistenrolle innehatte. In der Windy City wurde er meist in der für ihn ungewohnten Rolle des Liberos eingesetzt und folgte so Beckenbauer und Matthäus, die vor ihm die gleiche Position auf amerikanischem Boden bekleideten.
Auch wenn die großen Erfolge ausblieben, verbesserte sich Chicago Fire sportlich durch das Spielverständnis des ehemaligen Bayern-Stars und zum Dank wurde einer der Trainingsplätze in "Schweini's Pitch" umbenannt. 2018 wurde Schweinsteiger zudem die Ehre zu Teil, vor 75.000 Zuschauern in der Allianz Arena ein Abschiedsspiel zwischen Bayern München und Chicago zu spielen. Dabei lief er je eine Halbzeit für beide Teams auf und erzielte sogar ein letztes Tor für den deutschen Rekordmeister. "Er hat uns auf die Weltkarte gesetzt", lobte Club-Besitzer Joe Mansueto 2019 bei Schweinsteigers Abschied.
Nach zwölf Jahren im Trikot des BVB zog es auch Marco Reus im Sommer 2024 in die USA, genauer gesagt zu Los Angeles Galaxy, wo vor ihm bereits Weltstars wie David Beckham und Zlatan Ibrahimović die Fans begeisterten. Der 35-Jährige gab dabei zu, dass der Umzug in die Stadt der Engel nicht allein sportliche Gründe hatte. "Wir haben uns – joa, so kann man das sagen – ein bisschen mehr für das Leben entschieden", gab Reus im Gespräch mit 11Freunde zu. Doch auch sportlich sollte sich der Wechsel in die Staaten für den ehemaligen Dortmunder schnell als Erfolg herausstellen.
Schon sein Debüt verlief fast wie aus einem Hollywood-Drehbuch. Beim MLS-Spiel gegen Atlanta United wurde Reus beim Stand von 0:0 eingewechselt und steuerte kurzerhand einen Assist und Treffer bei und sein Team gewann die Partie mit 2:0. Die Saison endete für Reus und LA Galaxy dann durch den Gewinn des MLS Cup ebenso filmreif: Gleich in seiner ersten Saison auf amerikanischem Boden konnte der Routinier die erste nationale Meisterschaft seiner Karriere gewinnen.