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Ausgehebelt nach Schema F - doch Flick hält an seiner riskanten Taktik fest

kicker

Für Nicolo Tresoldi war es ein großer Moment in seiner Karriere. Ein Tor gegen den großen FC Barcelona, davon träumt so mancher Fußballprofi. Das Problem der Katalanen: Sich diesen Traum zu erfüllen, ist längst kein Luftschloss mehr.

Das 0:1 in Brügge fing sich Barcelona mal wieder nach Schema F. Keine zehn Meter hinter der Mittellinie stand die Viererkette, als die Belgier das Spiel auf die rechte Seite verlagerten. Noch ehe der Ball Rechtsverteidiger Sabbe erreicht hatte, rückte Balde auf ihn heraus, die restlichen drei Defensiven gleichzeitig nach vorne. Das Problem: Jules Koundé tat das einen Tick zu langsam.

Wenn das passiert, bimmeln sämtliche Alarmglocken bei Barcelona. Nach Sabbes simplem Pass die Linie entlang hatte Carlos Forbs auf rechts fast das halbe Spielfeld und nur noch Keeper Wojciech Szczesny vor sich. Barcelonas Gegner wissen längst, was zu tun ist, sobald die Abseitsfalle nicht zugeschnappt hat. So schnell wie möglich die Mitte besetzen, ehe die überrumpelte katalanische Defensivkolonne den Rückzug wieder angetreten hat. Ist einer flink genug, wie in diesem Fall Tresoldi, dann reicht ein einfacher Querpass wie der von Carlos Forbs für ein Tor, das eher Routine als große Kunst ist.

Auch das zweite Gegentor offenbart das enorme Risiko, das mit Flicks Taktik verbunden ist. Diesmal klappte Barcelonas hohes Pressing am gegnerischen Strafraum nicht. Zwei Pässe genügten, um eine Zwei-gegen-eins Situation herzustellen, Linksverteidiger Balde auf Höhe der Mittellinie war die einzige Absicherung. Wieder fand Brügge in Barcelonas Spielhälfte keine Gegenwehr vor, wieder schlug es hinter Szczesny ein.

Zu null spielte Barcelona zuletzt Mitte September

Diese Hochrisiko-Taktik unter Flick ist nichts Neues, auch in der vergangenen Saison kassierte Barcelona derartige Gegentreffer regelmäßig. Zuletzt aber noch ein bisschen regelmäßiger. In den vergangenen neun Spielen mussten die Katalanen stets mindestens einen Gegentreffer hinnehmen, zu null spielten sie in dieser Saison ganze dreimal.

Ein Grund für die löchrige Defensive ist sicherlich der Abgang von Inigo Martinez. Der Routinier wechselte im Sommer nach Saudi-Arabien zu Al-Nassr, seine ordnende Hand scheint Flick zu fehlen. Dass die Abwehr im Angriff beginnt, ist inzwischen allerdings auch eine Fußballweisheit, an die Barcelona regelmäßig schmerzlich erinnert wird. "Wir haben keinen Druck auf den Ball ausgeübt, wir haben viele Zweikämpfe verloren, vor allem im Mittelfeld", sagte auch Flick. "Es ist nicht einfach für die Abwehr, so zu verteidigen."

Eine Meinung, die auch seine Mannschaft teilt. "Wir verteidigen und greifen alle an. Wir verlieren den Ball in schwierigen Bereichen, und das kommt dem Gegner zugute", sagte Eric Garcia, der diesmal mit Ronald Araujo die Innenverteidigung bildete. Sechser Frenkie de Jong gab sich selbstkritisch. "Wir sind schwach im Konter, was die Überwachung, den Druck, die Positionierung angeht. Wir müssen Dinge anpassen", so der Niederländer.

Flick gibt sich unbeirrt

Ob das wirklich passiert, liegt in Flicks Ermessen. "Wir können darüber reden, Dinge zu ändern, aber ich glaube nicht, dass wir viel ändern müssen, weil es Teil unserer DNA ist", sagte er. Einen grundlegenden Strategiewechsel weg vom Wagnis und hin zu mehr Sicherheit schloss der 60-Jährige allerdings aus. "Wir werden unsere Philosophie nicht ändern, wir sind Barca", stellte er klar.

Die gute Nachricht für den gemeinen Fußballfan: Spektakel bleibt bei Spielen der Blaugrana somit garantiert, das 3:3 von Brügge bot Unterhaltung vom Feinsten. Sollen aber auch wieder Titel herausspringen, muss Barcelona allmählich seine Probleme in den Griff bekommen - gerade auswärts. Das 3:3 in Brügge war bereits die dritte Partie in Folge ohne Sieg, davor verloren die Katalanen beim FC Sevilla (1:4) und bei Real Madrid (1:2). Mit sieben Punkten aus fünf Spielen ist Barcelona in der Champions-League-Tabelle nur Elfter, in La Liga sind die Königlichen auf fünf Punkte davongezogen.

Auch im Clasico hatte die Abseitsfalle beim ersten Gegentor von Kylian Mbappé nicht funktioniert, in der Vorsaison war der Franzose beim 4:0-Sieg von Barcelona noch satte achtmal in die Falle getappt. "In der letzten Saison", resümierte Flick nach dem Brügge-Spiel nachdenklich, "wäre der Stürmer im Abseits gestanden." Dass er dort in dieser Spielzeit seltener steht, freute zuletzt nicht nur Mbappé und Tresoldi.