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Austria Wien: Ohne Quattrex keine Lizenz

kicker

Am 11. April knallten bei Austria Wien die Sektkorken. An jenem Tage gewährte die österreichische Bundesliga dem Traditionsverein die Lizenz für eine weitere Saison in der Beletage der Alpenrepublik, allerdings mit Auflage.

Mitentscheidend dafür: Geld aus einem Luxemburger Fonds und hohe Zinsen.

Quattrex wurde von Ex-VfB-Präsident Dietrich gegründet

Denn es bedurfte millionenschwere Stundungen, um die Unterlagen dem Gusto des für die Lizenzvergabe zuständigen 5. Senats der Liga entsprechend zusammenzustellen. Das geht aus dem 2024er Jahresbericht der Firma Quattrex S.C.A. hervor, einem Luxemburger Dachfonds, der über drei Subfonds in Fußballklubs investiert.

In Deutschland, wo Quattrex einst vom früheren Präsidenten des VfB Stuttgart, Wolfgang Dietrich, gegründet wurde etwa in den 1. FC Union Berlin, den 1. FC Heidenheim und - vor der Planinsolvenz der Pfälzer - in den 1. FC Kaiserslautern. Und in Österreich eben in die Austria.

In dem 2024er Finanzbericht von Quattrex, der dem kicker vorlegt, steht nun - aus dem Englischen übersetzt - Folgendes: "Am 21. März 2025 hat der Vorstand des Fonds Zahlungsaufschiebungsvereinbarungen unterzeichnet betreffend die Rechnungen für die Saisons 2022/23, 2023/24 und 2024/25 mit einem österreichischen Portfolioklub, um diesen dabei zu unterstützen, die Lizenz für die Spielzeit 2025/26 zu erhalten." Bei dem Portfolioklub handelt es sich zweifelsfrei um Austria Wien.

Aufschiebungen aufgrund eines Liquiditätsproblems

Hintergrund war offenbar ein Liquiditätsproblem und die schleppend laufenden Verhandlungen über den Verkauf des Generali-Stadions, der den Bundesligisten über Wasser halten sollte. Demnach wurden die Fonds-Manager im März darüber informiert, dass der Verkauf an die Stadt Wien im Gange sei, aber nicht vor 31. März 2025 finalisiert werden könne. An diesem Tag müssen alle Klubs ihre Lizenzierungsunterlagen bei der Liga einreichen.

"Der Vorstand stimmte dem Aufschub der folgenden Rechnungen zu, um die Zeit zu überbrücken, bis der Deal mit der Stadt Wien ausgehandelt ist, um den Klub in seiner laufenden Liquiditätssituation zu unterstützen", heißt es in dem Report. Aufgeführt sind dann die Zahlungen für die Spielzeiten 2022/23 bis 2024/25, in denen Austria jeweils einen Teil des zur Verfügung gestellten Geldes (samt Zinsen) zurückzahlen sollte.

6,7 Millionen Euro gestundet gegen 6,75 Prozent Zinsen

Für 2022/23 sollten 2,2 Millionen Euro fließen. Diese wurden bis zum Zeitpunkt des Stadionverkaufs aufgeschoben, spätestens aber bis zum 15. Juli 2025 sollten sie beglichen werden. Die rund zwei Millionen Euro für 2023/24 waren demnach ebenfalls zum Zeitpunkt des Stadionverkaufs fällig, spätestens aber sind sie zum 15. Juli 2026 zu begleichen. Ihre Geduld ließen sich die Fondsmanager teuer bezahlen: 6,75 Prozent an Zinsen schlugen sie dem darbenden Verein obendrauf.

Auch für die gestundete Saisonzahlung 2024/25, in der 2,5 Mio. Euro fällig gewesen wären, sind diese 6,75 Prozent an Zinsen veranschlagt, zahlbar ist diese Trance nun zum 15. Juli 2026. Laut den Aufschiebungsvereinbarungen über insgesamt 6,7 Mio. Euro hätten die Wiener diese allerdings früher, nämlich bis zum 31. Oktober 2025, bedienen müssen, wenn sie sich für die Gruppenphase eines UEFA-Klubwettbewerbs qualifiziert hätten. Was misslang, die Mannschaft von Trainer Stephan Helm scheiterte in der 3. Qualifikationsrunde zur Conference League an Banik Ostrava.

Auch im Falle außerplanmäßiger Mehrerlöse, die innerhalb einer Saison in der Regel allenfalls durch Spielerverkäufe wie den von Dominik Fitz an Minnesota United oder überraschend gute Platzierungen und daher höhere TV-Gelder möglich sind, soll die Rückzahlung früher erfolgen.

Stadionverkauf entspannt Lage fürs Erste, aber ...

Durch den am 23. April finalisierten Stadionverkauf an die Stadt für 39,4 Millionen Euro hat sich die Situation zwar ein wenig entspannt, zumindest fürs Erste. Allerdings ist zumindest dem Jahresbericht nicht zu entnehmen, ob die wegen des Stadionverkaufs fälligen Tranchen in Höhe von 2,2 und zwei Mio. Euro bereits bezahlt wurden oder ob zumindest die Zwei-Millionen-Tranche erst 2026 überwiesen wird - gemeinsam mit den dann ebenfalls fälligen 2,5 Mio. Euro. Nebst Zinsen, wohlgemerkt.