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Baumann und Schalke: Krise, Chance und viel Arbeit

kicker

Neuer Sportvorstand startet offiziell in den Job

Ein kleiner Marathon für Fotos und Bewegtbilder, über 50 Minuten Pressekonferenz, Einzel-Interviews vor den TV-Kameras und Hintergrund-Gespräche - an seinem ersten Arbeitstag als Sportvorstand des FC Schalke 04 bekam Frank Baumann direkt den Eindruck welche Aufmerksamkeit es bedeutet, einem strauchelnden Fußball-Riesen vorzustehen.

Baumann: "Weniger erzählen, entscheidend ist das Umsetzen"

Die Arbeit mit der Öffentlichkeit kennt der 49-Jährige natürlich gut - und sein erster Arbeitstag war der 1. Juni nach rund zwei Monaten Wirken im Hintergrund auch nur offiziell - und doch bedeutet die Vorstellung für ihn, dass dieses Abenteuer Schalke nun eben richtig losgeht.

Die Fragen an den Ex-Profi stellen sich auf allen Stationen wie von selbst, seine Pläne, Ideen und Vorstellungen, seine Gedanken zur turbulenten Vergangenheit, sein Eindruck dieses ebenso wuchtigen wie fragilen Klubs und seine Art, ihn nun wieder in die Spur zu bringen. Baumann skizziert, Baumann berichtet, Baumann gibt Eindrücke und Baumann wägt ab - sachlich, entspannt, ausführlich, fundiert.

Und er stellt selbst irgendwann fest, dass er nicht der Erste ist, der mit großen Visionen auf Schalke anfängt. Deswegen gilt für ihn ab sofort: "Weniger erzählen und sprechen, entscheidend ist das Umsetzen und hart zu arbeiten."

Überraschend war es, dass Baumann und Schalke zusammenkommen, hier der aus Bremen ruhiger und analytischer Typ geschätzte Fachmann, dort Schalke mit seinem Hang zu Chaos, Eitelkeit und stetem Wandel. "Ein besonderer Klub mit einer besonderer Fankultur und Wucht", sei es, stellt Baumann fest.

Einer, der allerdings "vor großen Herausforderungen" stehe. Genau da aber liege auch die Chance, findet er: "Ich habe den Willen verspürt, etwas verändern zu wollen, die Bereitschaft, Notwendigkeit und Dringlichkeit." Für diesen Weg sei er der richtige Mann, findet der Aufsichtsrat-Vorsitzende Axel Hefer: "Er ist jemand mit einer klaren Idee und geht mit breiten Schultern voran."

Baumann strebt "aktives" Spiel an

Dafür ist Baumann in den letzten Monaten bereits tief in die Materie abgetaucht, sprach lange und viel mit aktuellen und ehemaligen Schalkern, um ein Gefühl dafür zu bekommen, "wie dieser Klub tickt" - und auch "wo vielleicht Stolperfallen sind". Er arbeitete schon daran, Strukturen zu schaffen, eine Arbeitskultur zu begründen, vor allem den Fußball zu definieren, für den Schalke stehen soll. "Damit wir wissen, was wir auf den Platz bringen wollen. Denn das ist die Basis."

Und die soll zurück zu den Wurzeln führen. "Ich möchte Arbeit, Malocher-Mentalität und Kumpelverein nicht so sehr raustellen, das sind Basics. Aber darauf wird auf Schalke noch etwas mehr Wert gelegt", findet Baumann. Er will ein "aktives, zielstrebiges" Spiel sehen und gibt klar vor: "Ich bin kein Freund von destruktivem, passivem Fußball." Seine Ideen vereint mit dem Schalker Leitbild, das soll der Schlüssel werden: "Ich habe kein Frank-Baumann-Konzept oder will wie in Bremen spielen. Schalke bringt genug mit."

Der bis jetzt wichtigste Schritt auf dem geplanten Weg zurück war die überraschende Verpflichtung von Trainer Miron Muslic, den er seit dem Transfer von Olivier Deman zu Werder Bremen 2023 kennt, weil er sich damals intensiv mit dem Stil von Cercle Brügge unter dem Österreicher beschäftigt hatte und der auch in den Gesprächen mit dem Spieler ein Thema war.

„Wir wollen durch die Handschrift von Miron eine Mannschaft sehen, die besseren und erfolgreicheren Fußball spielt.“ (Schalkes Sportvorstand Frank Baumann bei seiner Vorstellung)

Es soll eine langfristige Lösung sein, denn Baumann kennt den Wert von Konstanz. In seinen 360 Profispielen für Bremen hatte er genau einen Trainer, Thomas Schaaf, in 138 Partien für den 1. FC Nürnberg satte sieben.

Nun geht es vor allem um die Zusammenstellung des zukünftigen Teams, das "ein neues Gesicht" bekommen wird, kündigt Baumann an: "Es wird aber etwas dauern, bis der Kader steht." Die Aufgabe ist schwierig, aber nicht neu für ihn. "Wir wollen und müssen Transfererlöse erzielen, das kenne ich aus Bremen", sagt er und verspricht: "Im Kader wird noch Qualität vorhanden sein."

Baumann formuliert kein konkretes Ziel

Denn Veränderung soll nicht nur über Zugänge kommen, sondern auch mit dem Coach. "Wir wollen durch die Handschrift von Miron eine Mannschaft sehen, die besseren und erfolgreicheren Fußball spielt. Er soll aus dem Kader diese Prozentpunkte herauskitzeln."

Konkrete Ziele will Baumann allerdings zumindest öffentlich noch nicht benennen. "Wir müssen sehr demütig sein, sehr realistisch, aber trotzdem maximal ambitioniert." Er wolle "keinen Drei-Jahres-Plan oder Fünf-Jahres-Plan". Es gehe darum, "eine Mannschaft auf den Platz zu bekommen, die Fußball arbeitet und mutig spielt". Also durchaus anders als zuletzt: "Mir ist schon aufgefallen, dass sie etwas ängstlich gespielt hat."