Es ist erst der zweite Spieltag in der Ligaphase der Königsklasse. Und doch besitzt die Partie von Bayer 04 gegen die PSV Eindhoven am Mittwochabend bereits einen wegweisenden Charakter. Schließlich hat die Mannschaft von Kasper Hjulmand zum Auftakt beim FC Kopenhagen durch das 2:2 bereits zwei Punkte auf dem Weg Richtung K.-o.-Runde liegengelassen. Ein weiterer Ausrutscher gegen den niederländischen Meister am Mittwoch würde den deutschen Vizemeister bereits extrem unter Druck setzen.
Hjulmand will von einem besonderen Druck nichts wissen
Aus den verbleibenden sechs Partien wären wohl mindestens drei Siege notwendig, um unter den ersten 24 Klubs zu landen. Reichten doch vergangene Saison elf Zähler nicht sicher aus, um in die Play-offs einzuziehen. Bei den dann noch ausstehenden Partien gegen PSG, bei Benfica Lissabon, bei Manchester City, gegen Newcastle United, bei Olympiakos Piräus und gegen den FC Villareal kein Ding der Unmöglichkeit, aber doch eine schwierige Aufgabe.
Hjulmand wollte von einem besonderen Druck gegen PSV aber nichts wissen. "Der Druck ist immer da. Natürlich ist es immer ein wichtiges Spiel, wenn wir zu Hause spielen", sagte der Däne nur, und betonte den Fokus allein auf die Partie: "Ich denke nicht drei oder vier Spiele im Voraus. Es ist sehr wichtig, im Hier und Jetzt zu sein."
Hjulmand möchte der Partie also nach außen hin nicht eine noch größere Bedeutung geben, als sie ohnehin schon hat. Dass dies so ist und das Spiel gegen Eindhoven den Trend vorgibt, räumt er erst ein, als er auf die Chance angesprochen wird, dass Bayer in dieser Woche vor der Länderspielperiode mit zwei Siegen gegen Eindhoven und in der Bundesliga gegen Union Berlin zwei entscheidende Schritte tun könne.
"Ja, genau so sehe ich das auch. Stellen Sie sich vor, wir hätten am Sonntag diese beiden Ergebnisse. Das wäre fantastisch", urteilte Hjulmand, "im Moment konzentrieren wir uns auf das nächste Spiel, und das ist PSV zu Hause, und dann nehmen wir das nächste. Aber es könnte großartig werden."
Über keinen Gegner dürfte Hjulmand so viel Zusatz-Infos bekommen
Dafür, dass es so großartig wird, hat der 53-Jährige den einen oder anderen Extra-Spion herangezogen, der ihm Abseits der Abteilung Scouting und Spielanalyse wertvolle Tipps zur PSV und einzelnen Spielern des niederländischen Meisters geben kann. So kennen Mittelfeldspieler Malik Tillman und Co-Trainer Rogier Meijer den Mittwochsgegner sehr gut.
Tillman spielte vor seinem Wechsel im vergangenen Sommer zwei Jahre unter Peter Bosz für PSV, und Meijer, der bis zum Sommer Chefcoach bei NEC Nijmegen war, holte aus den letzten drei Duellen mit PSV in der Eredivisie eine ausgeglichene Bilanz von einem Sieg, einem Unentschieden und einer Niederlage mit insgesamt 6:6 Toren. Mit so vielen detaillierten Zusatz-Infos dürfte Hjulmand über keinen anderen Gegner in der Königsklasse versorgt werden.
Einen Vorteil, den Hjulmand genutzt hat, auch wenn er seinen Kontrahenten auf der PSV-Bank und dessen Spielidee bestens einzuschätzen weiß. "Natürlich kenne ich Peter schon seit vielen Jahren. Ich kenne die Philosophie von Peter Bosz genau", sagte Hjulmand, "aber natürlich können mir sowohl Malik als auch Rogier Einblicke geben, insbesondere wenn es um einzelne Spieler geht. Es ist eine große Hilfe, Rogier hier bei mir zu haben, und natürlich war auch Malik sehr informativ."
Sollte Bayer gegen Eindhoven also Probleme bekommen, kann dies nicht daran liegen, dass Leverkusens Cheftrainer in diesem Schlüsselspiel zu wenige Insider-Informationen über Eindhovens Schlüsselspieler vorlagen.