Der FC Erzgebirge handelte sich in diesem Sommer eine durchaus kuriose Absage ein. Schon nach zwei Tagen brach Christoph Ehlich, 26, aus Bayern, ein Probetraining wieder ab. Der derzeit vereinslose Linksverteidiger (zuletzt in Sandhausen) habe sich "bei uns und ganz generell in der Region nicht wohlgefühlt", wurde Aues Sportchef Matthias Heidrich von Tag24 zitiert.
Auch in Cottbus kennt man dieses Problem. Trainer Claus-Dieter Wollitz beklagt, Schwierigkeiten zu haben, Wunschspieler in die Lausitz zu locken - und das, obwohl der FC Energie in der vergangenen Saison sportlich zu den Top-Standorten gehörte.
Zählt der Wohnort inzwischen also mehr als die sportliche Perspektive? Markus Schwabl, Spieler und Sportdirektor bei der SpVgg Unterhaching und neu im Experten-Team bei MagentaSport, sieht "eine bedenkliche Entwicklung". Insbesondere bei jungen Spielern.
"Wenn das bei jungen Spielern das ausschlaggebende Kriterium ist ..."
"Das ist ein Riesenproblem in der Beraterszene, aber auch bei den Spielern selbst, dass natürlich jeder gerne in Berlin, München oder Köln leben würde", sagt der 34-Jährige im Podcast 4zu3. "Vor allem in einem Alter von 18 bis 23 darf ich es mir als Fußballer nicht aussuchen wollen, wo ich spiele. Bei den Säulen, die vielleicht mit Familie kommen, wird es schon schwieriger, wenn die Frau sagt, ich sehe mich nicht in Cottbus. Aber wenn das bei jungen Spielern das ausschlaggebende Kriterium ist ..."
Und das sei leider öfter der Fall. Schwabl, der auf 326 Drittliga-Spiele kommt, berichtet von einem Gespräch mit einem Spieler, den er gefragt hätte, ob er sich in Rostock sehen würde. "Fragt er: Was will ich denn in Rostock? Sage ich: Du weißt schon, dass das am Meer liegt." Ein vermeintlicher Pluspunkt, ganz offensichtlich aber doch nicht attraktiv genug.
Zu viel Ablenkung in Großstädten
Das sei "ein Mindset, das so entwickelt wurde über die letzten Jahre." Eine Entwicklung, die Schwabl nicht gefällt, zumal es den jungen Spielern seiner Meinung nach nicht guttut, in Großstädten zu leben, "weil das Nachtleben ist schön, die Frauen sind schön. Das ist schon ein riesengroßes Thema."
Dass Cottbus oder Aue diese Standort-Nachteile haben, kann er sich entsprechend gut vorstellen. Allerdings sei es "schon ein bisschen überraschend" für ihn, dass Cottbus "solche Schwierigkeiten hat, seine Wunschspieler zu kriegen", sagt Schwabl. "Das ist ein Traditionsverein, der einen polarisierenden Trainer hat." Und auch Aue sei "ein cooler Verein, mit Ambitionen, mit einem coolen Stadion und einer guten Infrastruktur". Kriterien, die für ihn wieder mehr ins Gewicht fallen sollten.