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Benin-Coach Rohr im Interview: "In solchen Partien spielt immer Politik mit rein"

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kicker: Trotz zweier Niederlagen gegen die DR Kongo (0:1) und den Senegal (0:3) hat sich Benin für das Achtelfinale des Afrika-Cups qualifiziert. Wie stehen nun Ihre Chancen gegen Favorit Ägypten, Herr Rohr?

Gernot Rohr (72): Natürlich sind wir der Außenseiter. Aber wir haben gute Spiele gemacht, hatten bei beiden Niederlagen unsere Chancen, hätten den Ausgleich verdient gehabt. Der Sieg gegen Botsuana, unser erster bei einem Afrika-Cup, hat uns dann Vertrauen gegeben - selbst wenn es gegen Omar Marmoush und Mo Salah geht.

Wie bereiten Sie Ihre Spieler auf diese Top-Stars vor?

Am Sonntag hatten wir zwei Videositzungen - eine morgens eine abends. Aber wir wissen auch so um die Qualitäten dieser Spieler. Übrigens sind sie ja nicht nur im Sturm, sondern auch in der Abwehr überragend besetzt, haben die beste Defensive Afrikas und enorme Möglichkeiten. Wenn sie das erste Tor machen, verteidigen sie mit viel Qualität und Temperament.

Andreas Hountondji von St. Pauli fehlt verletzungsbedingt beim Turnier, wie wirkt sich seine Absenz aus?

Wir hatten mit ihm und Steve Mounié zwei starke Angreifer, der eine mit seinem Tempo, der andere mit seiner Kopfballstärke. Das fällt dann schon ins Gewicht.

Neben Hountondji fehlten zum Auftakt gegen die DR Kongo vier Spieler gesperrt. Wie ist es, wenn man seine halbe Mannschaft umbauen muss?

Es half zum Beispiel, dass sechs unserer Spieler Benin auch schon gemeinsam ins Viertelfinale des U-20-Afrika-Cups vor zweieinhalb Jahren geführt haben. Diese Talente haben wir gut integriert. Zudem haben einige Stützen bereits das Turnier 2019 mitgemacht, als Benin sich ebenfalls überraschend fürs Viertelfinale qualifizierte. Da wächst eine Mannschaft zusammen, die sich auch frühzeitig auf das Turnier vorbereiten konnten, weil die Vereine sie aufgrund ihrer teilweise geringen Bedeutung fürs Team frühzeitig freistellten.

Mounié, in der Vorsaison noch in Augsburg, jetzt bei Alanyaspor in der Türkei war einer der Gesperrten, spielte dann aber gegen Botsuana und den Senegal. Welche Rolle nimmt er sportlich ein?

Steve erlaubt es uns, ein vertikales Spiel aufzuziehen, dank seiner Kopfballstärke und Präsenz. Er ist unser Ankerspieler, der lange Bälle festmachen und weiterleiten kann. Fehlt er uns, können wir unseren Stil nicht so durchziehen wie gewünscht.

Mit seinen 31 Jahren gilt er als einer der Köpfe der Mannschaft, bereitete das bislang einzige Tor beim 1:0 gegen Botsuana vor. Wie wichtig ist der Kapitän in der Kabine?

Er ist sehr selbstbewusst, äußert sich zu allen Themen, geht voran. Schon in Brest, als er sensationell Platz 3 und die Champions League erreichte. Er äußert seine Ideen mit großem Selbstvertrauen, die Jungs hören auf ihn.

„Wenn wir ins Pressing gehen können, machen wir das schon beim Abstoß des Gegners.“ (Gernot Rohr)

Nun musste Mounié jedoch zwei Trainingseinheiten aussetzen. Kann er gegen Ägypten auflaufen?

Er hat eine Infektion, das stimmt. Aber selbst, wenn Steve nicht dabei ist, haben wir mit Junior Olaitan oder Rodolfo Aloko talentierte Profis und Vollblutstürmer, die ihn ersetzen können.

Obwohl als Außenseiter gestartet, spielt Benin einen gepflegten Fußball. Warum nicht einigeln und ein Tor hoffen, wie es einige Underdogs versuchen?

Wir wollen aktiv sein, Fußball spielen, so haben wir es mit der Mannschaft besprochen. Wenn wir vorn ins Pressing gehen können, machen wir das zur Not schon beim Abstoß des Gegners.

Ist das Risiko nicht zu hoch, gerade gegen eine Mannschaft wie Ägypten?

Wir wollen das riskieren, zeigen, dass wir Ambitionen haben, auch, wenn wir vielleicht nicht das Renommee anderer Teams haben.

Trotzdem haben Sie einen solchen Ansatz auch mit Burkina Faso, dem Niger und Gabun gewählt. Wie gibt man diesen Mannschaften Selbstvertrauen und überzeugt sie von einer offensiven Spielidee, auch wenn es mit dem Ertrag mal dauert?

Man muss die Überzeugung selbst vorleben, das Vertrauen in die eigenen Stärken vermitteln. Irgendwann kommen die Ergebnisse und damit das Selbstbewusstsein.

Mit Benin waren Sie nah dran an der WM-Qualifikation, hätten im letzten Spiel "nur" Nigeria schlagen müssen, um die Play-offs zu erreichen. Wieso wurde es mit dem 0:4 so deftig?

Nigeria musste damals viele Tore schießen, um weiterzukommen, wir mussten für die Play-offs gewinnen. Da gingen wir ins Risiko, liefen in Konter.

Sie hatten Nigeria bereits geschlagen. Damals, im Juni 2024, traf auch Mounié zum 2:1-Sieg. Was lief im Rückspiel derart schief?

Binnen drei Tagen hatten wir zwei entscheidende Spiele, mussten eine lange Strecke reisen und waren dementsprechend müde. Zudem spielt in solchen Partien immer die Politik mit rein, die kommerziellen Interessen nehmen derzeit überhand. Das wirkt sich auch auf die Schiedsrichterentscheidungen aus.