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Bosz' Rückkehr: Hilfe für Bayer mit einem Handicap

kicker

Peter Bosz ist ein Fußball-Gourmet. Die Schönheit des Spiels und das Selbstverständnis, mit diesem die Zuschauer unterhalten zu wollen, stehen im Mittelpunkt der Philosophie des niederländischen Fußballlehrers, der am Mittwochabend mit der PSV Eindhoven in Leverkusen antritt. An einem Ort, mit dem er eine gute Zeit in seiner Trainer-Karriere verbindet. "Leverkusen ist einer der Vereine, in denen ich am längsten gearbeitet habe. Ich habe diese Periode genossen bis auf den Tag, an dem ich rausgeschmissen wurde. Ich hatte hier großen Spaß mit großartigen Menschen, Spielern und Mitarbeitern. Einmal im Jahr treffe ich mich mit Leuten von Bayer 04", sagte Bosz im Vorfeld der Partie.

Von Januar 2019 bis März 2021 fungierte der in Apeldoorn geborene Bosz die Werkself. Und auch wenn dies schon ein paar Jahre her ist, sind die Muster der Spielidee des inzwischen 61-Jährigen noch sehr präsent: dominanter Ballbesitzfußball mit extrem hohen Pressing und einer eigenen Abwehrlinie, die maximal nach vorne geschoben agierte. Das Ergebnis: Meist hoch spektakuläre Spiele, deren Idee aber auch schneller als bei anderen Ansätzen nach hinten losgehen konnten.

Leverkusens Innenverteidiger Edmond Tapsoba, der Anfang Februar 2020 nur wenige Tage nach seinem Wechsel von Vitoria Guimaraes zu Bayer 04 unter dem Niederländer beim 4:3-Sieg gegen Borussia Dortmund direkt in der Startelf debütierte, verbindet mit seinem ehemaligen Trainer viele positive Erinnerungen. Aber eben auch die Erfahrung, wie es einem Abwehrspieler in Bosz' hoch attraktiven, aber genauso sensiblen Spielansatz ergehen kann.

„Seine Art, Fußball zu spielen, hat Spaß gemacht. Sie war für uns Verteidiger aber auch anstrengend, weil wir bei Ballverlust viel Platz hinter der Kette gelassen haben.“ (Edmond Tapsoba)

"Peter Bosz war wichtig für mich. Er hat mir viel Vertrauen geschenkt. Wir kennen seine Art, Fußball zu spielen. Sie hat Spaß gemacht", sagt der Nationalspieler von Burkina Faso heute, "sie war für uns Verteidiger aber auch anstrengend, weil wir bei Ballverlust viel Platz hinter der Kette gelassen haben." Fußball unter Bosz bedeutet eben Feuerwerk. Das von der eigenen Mannschaft - oder eben vom Gegner, wenn dieser die Schwachstellen im System nutzen kann.

Darauf dürfte Bayer am Mittwochabend am zweiten Spieltag der Liga-Phase der Champions League setzen. Spielt Bosz' offensiver Ansatz, der für den in Leverkusen weiterhin gut gelittenen Typ unverhandelbar ist, der Mannschaft von Kasper Hjulmand doch grundsätzlich in die Karten. Offenbarte diese doch bislang Probleme, wenn sie gegen tief stehende und kompakt verteidigende Mannschaften das Spiel machen musste.

Gegen dominante Frankfurter macht Bayer sein bestes Saisonspiel

Gegen die dominante und hoch pressende Frankfurter Eintracht hingegen, lieferte Bayer unter dem neuen Trainer seine beste Partie ab beim 3:1-Sieg zu Hjulmands Einstand. Die Werkself setzte gegen die Hessen am 3. Spieltag immer wieder mit Tiefenläufen und Umschaltmomenten Nadelstiche. Zwei davon führten zu einem Freistoß und einen Strafstoß, die Bayer zur 2:0-Führung nutzte.

Die Voraussetzungen scheinen somit also gegeben für einen erfolgreichen Champions-League-Abend. Wenn da nicht das Handicap wäre, dass mit Nathan Tella (Bluterguss im Knie) ausgerechnet der Spieler, der gegen Frankfurt diese beiden richtungsweisenden Standards herausholte, fehlen wird. Möchte Hjulmand, der durch seine PSV-Spione über Eindhoven besser informiert sein sollte als über jeden anderen Gegner in der Königsklasse, den selben Effekt wie gegen die Eintracht erzielen, muss er auf eine noch nicht ausgereifte Alternative setzen.

Eine Offensive mit zwei unausgereiften Akteuren wie Kofane und Poku birgt Risiken

Entweder den 18-jährigen Axel Tape, der eigentlich ein Verteidiger ist, aber aufgrund seines Topspeeds und seiner spielerischen Fähigkeiten über die rechte Schiene für Tiefe sorgen kann. Oder auf den 21-jährigen Flügelstürmer Ernest Poku, der zwar pfeilschnell ist, aber nicht unbedingt die spielerischen Mittel besitzt, um wie Tella gegen Frankfurt als halbrechter Zehner zu agieren. Auf einer Position, auf der man sich auch zwischen den Linien auf engen Räumen ins Spiel bringen muss.

Poku als einen von zwei Zehnern zu nominieren, wäre riskant. Besonders, weil bereits im Sturmzentrum mit Christian Kofane ein völlig unerfahrener 19-Jähriger den verletzten Torjäger Patrik Schick ersetzen muss. Zwei unausgereifte Youngster in der Dreieroffensive würden wenig Ballsicherheit versprechen und die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass Bayers Spielfluss noch stärker leidet. Erst recht, da als halblinker Zehner der seine Form suchende Malik Tillman bislang auch keinen Anker des Leverkusener Angriffsspiels darstellt.

„Ich hoffe, dass wir mehr von unserer Identität zeigen können.“ (Kasper Hjulmand)

Es wird für Hjulmand also keine einfache Entscheidung, mit welchem Personal er Bosz' Offensivfußball erfolgreich begegnen möchte. Ein Satz am Dienstag deutete an, in welche Richtung die Gedanken des Dänen gehen. "Ich hoffe, dass wir mehr von unserer Identität zeigen können", sagte Hjulmand, der grundsätzlich selbst ein Vertreter des dominanten Ballbesitzfußballs ist.

Welchen Ansatz wählt der 53-Jährige also? Das Ziel ist nach den zwei beim 2:2 in Kopenhagen liegen gelassenen Punkten jedenfalls ohnehin unverhandelbar. Bayer muss in dem ersten Schlüsselspiel siegen. Peter Bosz soll am Mittwochabend zumindest vom Ergebnis her mit keiner weiteren guten Erinnerung an Leverkusen die BayArena verlassen.