Es geht auch um die einfachen Dinge des Fußball-Lebens. "Ich verstehe nicht, wie man einen Fünf-Meter-Pass nicht zum Mitspieler bringen kann", sagt Ralf Voigt. Er ist Sportlicher Leiter des Bremer SV, seit ein paar Jahren schon. Seit wenigen Wochen ist er zugleich dessen Trainer. Und natürlich weiß Voigt, woran es liegt, wenn einem Spieler ein sehr leichter Fehler unterläuft. Es geht dabei um mangelnde Konzentration. Das will er seinen Kickern in diesen Tagen näher bringen. "Und wer sich damit auseinandersetzt, wird garantiert besser", sagt der 59-Jährige.
Womöglich zählt die Vermittlung des richtigen Fokus noch zu den leichteren Aufgaben dieser Tage: Im Vergleich zu den Vorjahren startet der Bremer SV ja gewissermaßen als noch größerer Underdog in die Regionalliga. Dabei galt die Trainerfrage eher als kleines Problem. Für den scheidenden Sebastian Kmiec setzte sich eben Ralf Voigt auch auf die Bank der finanzschwachen Bremer. Er kennt das, hatte er doch bereits zwischen 2018 und 2019 das Traineramt beim BSV ausgeübt.
Schwieriger wurde es beim Personal. Es hatte ja ein paar Wochen gedauert, ehe feststand, ob der Bremer SV die Klasse halten würde. Erst war man vom Aufstieg des Regionalliga-Meisters TSV Havelse abhängig, dann von einer Hilfsaktion. Denn die sportliche Qualifikation allein reichte nicht angesichts des verpassten Siegs im Bremer Lotto-Pokal. Man erwog ernsthaft den Rückzug aus der vierten Liga. Erst eine Spendenaktion der Fans sowie die ein oder andere Finanzspritze der BSV-Gönner ermöglichte den aktuellen Mini-Etat. Er liegt dem Vernehmen nach bei 370.000 Euro, fällt also noch geringer aus als in den Vorjahren.
Stammkräfte gingen
Nicht nur, aber auch wegen der Verzögerung suchten sich diverse Stammkräfte einen anderen Verein. So muss der BSV nun ohne Kicker wie Kapitän Bjarne Kasper, Toshiaki Miyamoto, Can Degirmenci, Shinji Yamada, Fritz Kleiner, Serkan Dursun oder Torhüter Pascal Wiewrodt auskommen. "Dieses Wirrwarr hat uns nur geschadet", sagt Ralf Voigt. Vor allem kostete es eben viel Zeit, auch, was die Zugänge betraf. Bislang hat der Bremer SV vor allem junge, entwicklungsfähige Spieler verpflichtet. Lediglich Zugänge wie Ilhan Altundas (22), Andrew Owusu (24) und Luca Schlake (22) haben bereits einige Jahre im Herrenbereich hinter sich.
Auf sie und die verbliebenen Stammspieler wie Justin Bretgeld, Justin Gröger, Maximilian Schütt, Elario Ghaasan, Vedat Tunc, Leon Schmidt, Karlo Grgic oder Amadou Diedhiou kommt nun auch noch eine "Systemveränderung" zu. Die strebt Ralf Voigt nämlich an. Dabei möchte der neue Trainer und alte Sportliche Leiter aber nicht ins Detail gehen. Es spricht jedoch viel dafür, dass der BSV an der defensiven Stabilität arbeiten wird. In der Offensive galt er angesichts seiner 60 Treffer als recht stark. Schließlich trafen lediglich fünf Mannschaften häufiger das gegnerische Tor. Die 67 kassierten Treffer markierten dagegen den zweitschlechtesten Wert aller Regionalligisten. "Wir haben zu viel Gegentore bekommen", bestätigt Ralf Voigt.