EM-Sieger sucht neuen Klub
Am 9. Mai stand Christopher Buchtmann noch einmal auf dem Rasen des Marschwegstadions. Vor dem Heimspiel gegen den VfB Lübeck (0:2) wurde der 33-Jährige beim VfB Oldenburg offiziell verabschiedet. "Die Jahre in Oldenburg waren total schön für mich. Ich habe tolle Menschen und eine tolle Stadt kennengelernt“, erzählt Buchtmann beim Termin mit dem kicker. "Aber wir müssen ehrlich sein: Sportlich hätten wir alle uns das anders vorgestellt."
Als der VfB am 28. August 2022 Buchtmanns Verpflichtung vermeldete, galt dies als echter Coup des Sportlichen Leiters Sebastian Schachten. Buchtmann und er hatten einst zusammen für den FC St. Pauli gespielt. Nach zehn Jahren und 190 Partien in der 2. Bundesliga sollte dieser im zentralen Mittelfeld nun der Leitwolf sein, der nach dem Aufstieg die Oldenburger in der 3. Liga zum Klassenerhalt führt.
Doch es kam anders: Einen Tag nach der Bekanntgabe des Wechsels wurde Buchtmann im Auswärtsspiel gegen den MSV Duisburg in der 64. Minute eingewechselt. 23 Minuten später musste er den Platz nach einem harten Einsteigen von Kolja Pusch bereits wieder verlassen. Diagnose: Wadenbeinbruch. "Da werde ich einfach nur umgeholzt. Mit dem VAR wäre das eine Rote Karte gewesen“, blickt Buchtmann auf die Szene zurück, die ihm seine erste monatelange Zwangspause in Oldenburg bescherte.
Erst nach der WM-Pause stand er als Spieler für die Startelf zur Verfügung. Wenn Buchtmann fit war, machte er seine Mannschaft stärker. Als pressingresistenter Taktgeber half er als Relais im Spielaufbau und schlug Pässe, die sonst keiner beim VfB spielen konnte. Rasch warf ihn jedoch wieder eine Muskelverletzung zurück. Am Ende kam er in der Saison in der 3. Liga elfmal zum Einsatz. Den Abstieg konnte er nicht verhindern. Was die Mannschaft drauf hatte, zeigte sich aus seiner Sicht vor allem beim 3:1-Auswärtssieg am 36. Spieltag bei Waldhof Mannheim. "Es macht mich traurig, dass wir in der Saison im Mittelfeld nicht häufiger mit Marc Stendera, Manfred Starke und mir spielen konnten", so Buchtmann. "Es wäre möglich gewesen, in der 3. Liga zu bleiben."
Als Kapitän gestartet
Trotz des Abstiegs in die Regionalliga blieb Buchtmann beim VfB. In die Saison 2023/24 starteten die Oldenburger als haushoher Favorit, doch den Erwartungen wurde die Mannschaft nie gerecht. Am Ende der Saison stand der 5. Platz. Auch in der soeben abgelaufenen Saison enttäuschte der VfB. Lange steckte der Klub sogar im Abstiegskampf. Buchtmann konnte sich dies ab dem August nur noch von außen anschauen. Vor der Saison bestimmte ihn der damalige Trainer Fuat Kilic zum Kapitän. Doch dieser Rolle, räumt der U-17-Europameister von 2009 ein, "konnte ich nach dem Kreuzbandriss nie so richtig gerecht werden". Beim Pokal-Spiel gegen Kickers Emden am 7. August verletzte er sich schwer. "Es hat geknackt, aber ich dachte, es sei vielleicht eine Prellung. Bei einem Richtungswechsel im Training ist es dann richtig reingeschossen."
In der Reha kämpft Buchtmann sich zurück, doch die Partie gegen die Emder wird seine letzte im Oldenburger Trikot bleiben. Nun verlässt er den Klub, zu dem er sich eines Tages eine Rückkehr in anderer Funktion sehr gut vorstellen kann. "Ich würde es mir für die Zukunft offen lassen. Dieser Verein hat es mir echt angetan. Das Kapitel VfB möchte ich nicht final schließen."
Klar ist: Vor den Oldenburgern liegen spannende Jahre. Für 2028 ist der Umzug in das neue Stadion geplant. Spätestens dann will der VfB zurück in der 3. Liga sein. "Der VfB Oldenburg ist ein schlafender Riese. In den kommenden Jahren wird kein Weg am VfB vorbeiführen", ist sich Buchtmann sicher. "Wenn der Klub kontinuierlich wächst, kann hier etwas Großes entstehen." Schon in der kommenden Saison, wenn die Regionalliga Nord über einen direkten Aufstiegsplatz verfügt, sieht er "eine große Chance für den VfB". Schließlich habe die Rückrunde, die die Oldenburger auf dem 3. Platz beendet haben, gezeigt, welche Qualität in der Mannschaft steckt.
„Ich möchte gerne weiterspielen und es mir auch nochmal beweisen.“ (Christopher Buchtmann verschiebt sein Karriereende)
Verläuft für Buchtmann alles nach Wunsch, kehrt er in der kommenden Saison nochmal als Gegner auf den Rasen des Marschwegstadions zurück. Mit dem Knie, betont er, sei mittlerweile alles wieder okay. Schon im Frühjahr ist er mit der Familie zurück in den Speckgürtel von Hamburg gezogen. Dort soll es für ihn gerne bei einem Klub in der Regionalliga Nord weitergehen. Ergibt sich dies nicht, ist auch die Oberliga denkbar. An ein Karriereende denkt er noch nicht. "Ich möchte gerne weiterspielen und es mir auch nochmal beweisen", betont Buchtmann. "So will ich nicht aufhören. Ich habe definitiv noch Lust."