Die Saison von Austria Klagenfurt
Vor Beginn der Qualifikationsgruppe bezifferte Opta die Abstiegswahrscheinlichkeit von Austria Klagenfurt mit nur 7,9 Prozent. Dem kicker hatte Kapitän Thorsten Mahrer damals noch eröffnet, sogar das Europacup-Play-off in Angriff nehmen zu wollen: "Die Qualifikationsgruppe bietet auch die Chance auf das Europacup-Play-off und es ist unser Anspruch, um diese Plätze mitzukämpfen." Ein 3:2-Sieg zum Auftakt gegen Hartberg konnte aber nur kurz über das sich bereits anbahnende Chaos hinwegtäuschen, die mit Abstand schwächste Defensive der Liga (70 Gegentore) vermochte auch Winterneuzugang Martin Hinteregger nicht zu stabilisieren.
Moment der Saison: Lizenzverweigerung
Trotz der heftigen Pleiten gegen Sturm Graz (0:7) und den LASK (0:6) ereignete sich der Knackpunkt der Saison wohl außerhalb des Platzes. Am 11. April wurde bekannt, dass die finanziell angeschlagene Austria in erster Instanz keine Lizenz erhält. Seither haben die Kärntner kein einziges Spiel mehr gewonnen, nur drei Zähler in acht Partien eingefahren und zudem 21 Treffer kassiert. Langzeit-Coach Peter Pacult wurde inmitten des Lizenz-Chaos entlassen und durch Carsten Jancker ersetzt. Doch auch der Deutsche konnte die Wende nicht mehr herbeiführen, die Zulassung zur Saison 2025/26 in zweiter Instanz brachte nicht die erhoffte Ruhe.
Schlüsselspieler: Christopher Wernitznig
Wenig überraschend weisen die Austria-Akteuere im Verbund den schlechtesten kicker-Notenschnitt aller Bundesligaklubs auf (3,60). Bester Klagenfurter in dieser Saison war Christopher Wernitznig, der Schnitt des Mittelfeldroutiniers lag bei 3,21. Der 35-Jährige absolvierte 30 Partien für die Austria und zeigte vor allem in der Qualifikationsgruppe ansprechende Leistungen. Knapp dahinter reiht sich Stürmer Ben Bobzien mit einem Notenschnitt von 3,27 ein. Im Grunddurchgang war auf den Torriecher des Deutschen noch Verlass gewesen (neun Treffer), doch ab dem 20. Spieltag netzte der 22-Jährige gar nicht mehr - seine Scorerpunkte wurden im Abstiegskampf schmerzlich vermisst.
Flop der Saison: Vereinsführung
"Es wurde weit mehr Geld ausgegeben, als zur Verfügung stand", gab Günther Gorenzel, Geschäftsführer Sport, nach dem Abstieg in einem Interview mit der Kleinen Zeitung zu. Ausstehende Zahlungen von Spielergehältern, Verbindlichkeiten bei Dienstleistern, Rückforderungen vom neuen Hauptsponsor TGI Gold, Wirrwarr um mögliche Übernahmen: In den vergangenen Wochen regierte im beschaulichen Klagenfurt das Chaos. Neben Kritik an der eigenen sportlichen Leistung nahm Wernitznig nach dem letzten Spieltag auch die Vereinsführung in die Verantwortung: "Was diese Saison für Fehler gemacht wurden - innerhalb der Mannschaft und im Verein - das waren zu viele", so der Kärntner.
Spruch der Saison
„Wenn ich noch einmal Platz sechs in den Mund nehme, dann sperren sie uns ein.“ (Peter Pacult nach dem 0:7 gegen Sturm im November über die schwindenden Chancen auf die Meistergruppe)
Transferpläne
Nach dem Abstieg befindet sich vieles in der Schwebe, nur wenige Spieler haben einen Vertrag, der auch für die 2. Liga gültig ist. Unter ihnen Torhüter Simon Spari und Nachwuchstalent Jannick Robatsch (20), der allerdings kurz vor einem Wechsel zum FC St. Pauli stehen soll. Nach sechseinhalb Jahren fix weg ist Kosmas Gkezos, die Leihverträge von Ben Bobzien, Dikeni Salifou, Aaron Sky Schwarz und Philipp Wydra laufen aus, für Letzteren gäbe es eine Kaufoption. Auch Christopher Cvetko und Wernitznig ließen ihre Zukunft nach dem Abstieg offen. "Ich kann mir vorstellen, noch einmal wegzugehen, aber auch mit der Austria in der 2. Liga zu spielen", meinte Wernitznig. Für einen Verbleib seien aber gewisse Rahmenbedingungen Voraussetzung.
Gesamtnote der kicker-Redaktion: 5,5