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Klub-WM: Charmante Idee, aber viel zu verbessern

kicker

Auf dem Rückflug von Newark nach Frankfurt macht sie sich erstmals bemerkbar: Nach 22 Tagen in den USA, dem Land der ständig laufenden Klimaanlagen, kommt die unvermeidbare Erkältung langsam angekrochen. Zehn Flüge und das Auf und Ab der Temperaturen - je nachdem, ob man gerade von der Sonne gegrillt oder in Innenräumen schockgefrostet wird - fordern ihren Tribut. Doch im Reisegepäck stecken nicht nur Husten und Schnupfen, sondern auch reichlich gemischte Gefühle nach der Premiere der reformierten Klub-WM.

Lassen Sie sich keinen Bären aufbinden, weder an dieser Stelle noch von Herrn Infantino: Dieses Turnier war nicht das größte aller Zeiten, wie es der FIFA-Boss bereits allen weismachen wollte, ehe der erste Ball überhaupt über den Bermuda-Rasen im Final-Stadion von New Jersey gerollt war. Aber es war auch nicht die Vorstufe zur Hölle. "Licht und Schatten" hatte BVB-Mittelfeldspieler Pascal Groß ausgemacht, nachdem er mit seinem Klub im Viertelfinale gegen Real Madrid den Kürzeren gezogen hatte.

Es war ein Urteil, dem man sich als Reporter anschließen konnte, auch wenn es heutzutage ja modern ist, zu polarisieren. Aber die Realität ist nun mal nicht nur schwarz oder weiß, sondern oft so grau wie der Himmel über New York bei Dortmunds müdem Auftakt-Remis vor vier Wochen gegen Fluminense. Wer da die brasilianischen Fans sah, wie sie schon vor dem Spiel tanzten und feierten, der spürte, dass dieses in Deutschland weitgehend ignorierte Turnier in anderen Teilen der Welt durchaus Zugkraft besitzt.

Zu beobachten war das auch bei den Spielen von Inter Miami, die Menschen in Messi-Trikots zu Zehntausenden anzogen wie das Licht die Mücken in Fort Lauderdale, wo der BVB sein Quartier aufgeschlagen hatte. Oder wann immer Real Madrid Station in einer der US-Ausrichterstädte machte. Da dachte man als neugieriger Beobachter vor Ort dann schon: Ach, so könnte das also aussehen, wenn es nicht so vielen Leuten herzlich egal wäre, was hier passiert!

Was bleibt, ist die Hoffnung, dass bei der WM im Sommer 2026 häufiger eine echte Turnierstimmung rund um die Stadien entsteht, wenn die Nationen ihre Fans mitbringen - und das Zuschauerpotenzial um ein Vielfaches größer sein wird als diesmal. Mit den Fans kommt das Spektakel, da bedarf es gar keiner künstlichen Spannungselemente wie diesmal, als die Spieler einzeln in die oft leeren Stadien gerufen wurden - und sie dabei an Teilnehmer einer quotenschwachen Nachmittagsshow im Privatfernsehen erinnerten. Was ja streng genommen gar nicht so weit weg war von der Realität.

Die Rasenqualität muss besser werden

Immerhin: Die FIFA weiß nun, woran sie schrauben muss. So dürfte die Frage der Anstoßzeiten noch Gesprächsstoff für viele Diskussionen bieten, zumal die WM 2026 erneut in drei und nicht nur einer Zeitzone stattfinden wird. Denn das Klima wird selbst Infantino mit seinen Connections in die höchsten US-Kreise nicht ändern können. Auch im kommenden Sommer muss mit glühender Hitze und plötzlich auftretenden Unwettern gerechnet werden, Spielunterbrechungen inklusive.

Was die FIFA dagegen regeln kann (und muss), das ist die Rasenqualität. Unterschiedliche Untergründe sind für eine WM keine Option, sie erhöhen nicht nur die Verletzungsgefahr, sondern minimieren auch die Spielqualität. Davon zeugte diese Klub-WM, die man dennoch nicht vorschnell abschreiben sollte. Denn die Grundidee, die besten Klubmannschaften der Welt gegeneinander antreten zu lassen, die ist und bleibt charmant.