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Chemie nach der Alipour-Trennung: Im Winter muss durchgeschüttelt werden

kicker

Vor zwei richtungsweisenden Spielen entschloss sich die BSG Chemie nun doch zum Handeln - der seit April amtierende Trainer Adrian Alipour wurde freigestellt. In die Bresche springt der Nachwuchs-Koordinator und langjährige Co-Trainer unter Alipour-Vorgänger Miroslav Jagatic, Christian Sobottka. Aus den beiden vorentscheidenden Spielen ist indes ein einziges geworden, denn die Begegnung bei Tabellenschlusslicht Zehlendorf wurde mittlerweile zum dritten Mal abgesagt. Bleibt nur das letzte Spiel des Jahres gegen Greifswald am Sonntag.

Dass auch die Nordlichter eine bescheidene Saison spielen, lässt sich leicht an der Tabelle ablesen. Drei Punkte mehr hat Greifswald als Chemie, aber sogar einen Sieg weniger (3). Auch bei der Tordifferenz und den erzielten sowie kassierten Toren nehmen sich beide Teams kaum etwas. Nur: Ob das für einen erfolgreichen Turnaround für die Leipziger reicht, scheint fraglich. Zu verunsichert und instabil scheint die Truppe, die zuletzt in Magdeburg eine Katastrophenleistung hinlegte und lediglich in der zweiten Halbzeit 25 Minuten halbwegs ansehnlichen Fußball spielte. Erneut aber brachte ein individueller Fehler die Chemiker auf die Verliererstraße.

Damit war das berühmte Fass übergelaufen, es war nur der letzte Tropfen. In 36 Wochen Amtszeit, seit Alipour am 1. April dieses Jahres übernahm, fanden 27 Spiele statt. Nur sechs Siege gelangen in dieser Zeit, nur jedes fünfte Spiel konnte gewonnen werden.

Tatsächlich stand die Verpflichtung des Trainers unter keinem guten Stern. Als er die Mannschaft übernahm, hatte sie Interimstrainer David Bergner halbwegs stabilisiert, doch das Terrain blieb schwierig. Am vorletzten Spieltag rettete man sich in den Klassenerhalt und konnte recht spät die neue Saison planen.

In der Transferperiode bekam Alipour manchen Wunschspieler, aber längst nicht alle. Vielmehr wusste sich auch Bergner - bis Ende August Mitglied der sportlichen Leitung - durchzusetzen. Es war am Ende ein Gemeinschaftswerk. Manche Verpflichtung erwies sich als problematisch, auf der Torwartposition war das deutlich zu sehen, als Luca Böggemann seine Nerven nicht in den Griff bekam und nach wenigen Spielen förmlich aus Leipzig flüchtete.

Etliche Rückschläge

Vielleicht fehlte hier und da die Routine, ein Anführer mit Willensqualitäten, ein Spiellenker. Beim bekannt kleinen Etat und dem Rucksack der Zahlungen an den ehemaligen Trainer Jagatic konnte nicht jeder Transfer realisiert werden. Hinzu kam der verkorkste Start mit dem historischen Negativrekord von sechs Spielen ohne einzigen Punkt, die ersten schweren Verletzungen zweier wichtiger Offensivkräfte (Maxime Langner, Robin Friedrich), die traumatisierenden Ereignisse von Halle mit anschließenden Sperren gegen Valon Aliji und Julian Weigel, Last-Minute-Niederlagen und, und, und … - Am Ende zu viel für eine glückliche Wendung und eine harmonische Beziehung.

Für die schwerwiegenden Personalprobleme konnte Alipour nichts - mit ihnen muss sich nun auch sein vorläufiger Nachfolger herumplagen. Zumal mit Marc Enke der nächste Spieler für vier bis sechs Wochen ausfällt - das war die niederschmetternde Diagnose nach dem Magdeburg-Spiel. Nun lautet die Devise: Irgendwie am kommenden Sonntag das Spiel gegen Greifswald über die Runden bringen und etwas Zählbares mitnehmen, über die Winterpause alles ordentlich durchschütteln und mit neuem Sportchef und einer optimalen Trainerlösung in die zweite Halbserie durchstarten.