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Comeback-Versuch: Köln und der HSV im Aufsteiger-Check

kicker

Trainer, Management, Finanzen unter der Lupe

Mit einiger Euphorie wurde in Köln und Hamburg die Rückkehr in die Bundesliga gefeiert. Die beiden Großklubs haben nun nur wenige Wochen Zeit, sich auf das Comeback vorzubereiten. Wo ist noch Nachholbedarf, welche Bereiche im Verein sind bereits erstligatauglich? Der kicker analysiert die aktuelle Lage.

1. FC Köln: Kaderplanung als Mammutaufgabe

Der Aufstiegskater ist überstanden, die Spieler sind im Urlaub - Ruhe kehrt am Geißbockheim deswegen aber nicht ein. Am Dienstag gab Bundeskanzler-Enkel Sven-Georg Adenauer seine Kandidatur für den Vorstand bekannt, weitere Bewerber dürften bald folgen. Der Machtkampf auf der Führungsetage nimmt Fahrt auf, während der Sportliche Leiter Thomas Kessler am Kader für die Bundesliga arbeitet - und die Gremien des FC auch noch die Trainer-Frage klären müssen...

Die Infrastruktur

Es hat sich einiges getan am Geißbockheim, das erkannte auch der für zwei Spiele verpflichtete Trainer-Routinier Friedhelm Funkel an. Die Räumlichkeiten wurden größtenteils saniert und modernisiert, Ex-Sport-Geschäftsführer Christian Keller hatte für die überfälligen Arbeiten viel Geld in die Hand genommen. Die Trainingsplätze drumherum sind ohnehin bundesligaerprobt, auch wenn auf dem malerischen Gelände im Grüngürtel der Stadt inzwischen alles ein wenig eng aufgestellt ist. Ganz grundsätzlich gilt aber: Infrastrukturell ist der FC solide für die erste Liga aufgestellt.

Sportliche Voraussetzungen

Als Meister der 2. Liga ist der FC tabellarisch souverän aufgestiegen, hat immerhin die Hälfte seiner Partien gewonnen. Aber: Seit Einführung der Drei-Punkte-Wertung holte sich zuvor erst ein Klub den Zweitliga-Titel mit nur 61 Punkten - der 1. FC Nürnberg in der Saison 2003/04. Die Saison war nicht frei von Zweifeln, im Gegenteil: Spielerische Armut und zwölf Siege mit nur einem Tor Vorsprung bereiteten Umfeld und Führungsetagen so viele Sorgen, dass Trainer Gerhard Struber zwei Spieltage vor Schluss gehen musste.

  • 2. Bundesliga, Saison 2024/25

Die Baustellen im Kader, zum Beispiel hinten rechts und im Mittelfeldzentrum, sind erkannt und sollen ausgebessert werden. Top-Scorer Tim Lemperle (zehn Tore, sechs Vorlagen) wird ablösefrei gehen, für ihn muss zwingend erfahrener Ersatz her. Lauterns Angreifer Ragnar Ache (18/2) könnte das sein, seine Ausstiegsklausel liegt bei etwa vier bis fünf Millionen Euro. Köln fahndet außerdem nach einem Linksfüßer für die Verteidigung, womöglich muss auch der zuletzt abwanderungswillige Linksverteidiger Max Finkgräfe ersetzt werden. Es gibt einiges zu tun für Kessler, aber auch die Erkenntnis aus den letzten beiden Partien unter Funkel, dass mehr im Team steckt als es die meiste Zeit über zeigte.

Wirtschaftliche Voraussetzungen

Das Jahr im Unterhaus hat der FC gut überstanden. Ab Sommer 2026 vermarktet sich der Klub erstmals nach 25 Jahren wieder selbst, die Schulden sind weitgehend getilgt, und diverse Sponsorenverträge wurden zuletzt verlängert. Der FC kann keine Luftsprünge machen, ist aber finanziell wieder so handlungsfähig, wie es ein Bundesligist sein sollte. Köln muss nach dem Aufstieg nicht mehr zwingend jeden Euro umdrehen, mit Philipp Liesenfeld beförderte man zudem einen erfahrenen Mann aus den eigenen Reihen zum Marketing-Geschäftsführer.

Der Trainer

Funkels Mission in Köln war nur bis zum Saisonende ausgelegt. Viele hofften zwar, dass der 71-Jährige auch in der Bundesliga beim FC an der Seitenlinie stehen werde, doch Funkel sagte am Freitag eine weitere Zusammenarbeit ab, offenbar auch deshalb, weil die Entscheidungsträger sich zu sehr Zeit ließen. Die Trainerfrage ist damit wieder offen, das macht die Verpflichtung neuer Spieler derzeit nicht unbedingt einfacher.

Als Nachfolger für den Trainerjob wird nun vor allem Christian Titz gehandelt, der Magdeburg verlässt, auch Namen wie Urs Fischer (zuletzt Union Berlin) oder Horst Steffen (SV Elversberg) waren oder sind ein Thema. Klar ist: Der FC braucht eine starke Persönlichkeit, die im chronisch unruhigen Umfeld eine Mannschaft aufbauen kann. Keine ganz leichte Aufgabe.

Das Management

Nach der Trennung von Keller ist Finanz-Geschäftsführer Philipp Türoff der neue starke Mann am Geißbockheim, Marketing-Geschäftsführer Philipp Liesenfeld stieß erst kürzlich dazu. Die sportlichen Belange treibt derzeit Kessler voran, der im Organigramm eine Stufe unter den Geschäftsführern angesiedelt ist, aber den Klub aus dem Effeff kennt und inhaltlich etwas andere Vorstellungen als Keller hat. Dass im Herbst ein neuer Vorstand gewählt wird, der womöglich eigene Vorstellungen für die Sport-Geschäftsführung hat, sorgt für einige Unsicherheit. Der kurzfristige Zusammenbau eines Bundesliga-Kaders ist bei Kessler allerdings in guten Händen - der ehemalige Torhüter kann und will sich nun als alleinverantwortlicher Kaderplaner beweisen.

Jim Decker

Hamburger SV: Wieder da - und doch anders

Die große Aufstiegsparty rund um die Alster und mit Rathaus-Empfang sowie insgesamt 100.000 Fans am Montagabend war ein weiteres Zeichen für die ungeheure Wucht und Strahlkraft des HSV. Und doch kehrt er nach sieben Jahren in der 2. Liga mit Wettbewerbsnachteilen zurück.

Die Infrastruktur

Rund um den Volkspark sind die Voraussetzungen unverändert erstklassig, mit dem Bau des Athleticum am Volkspark wird ein weiterer Schritt auf dem Weg zu noch besseren Voraussetzungen getan.

Sportliche Voraussetzungen

Das größte Fragezeichen im bestehenden Aufstiegskader steht hinter Top-Torjäger Davie Selke. Der 22-fache Torschütze ist ablösefrei, eine Einigung über einen neuen Vertrag wurde seit Januar nicht erzielt. Der drohende Abgang würde einerseits eine Lücke reißen, andererseits könnten in der Bundesliga bei weniger Dominanz auch der schnellere Ransford Königsdörffer oder der spielstärkere Robert Glatzel wirkungsvoller sein. Klar ist, dass der Kader in der Abwehr verstärkt werden muss. In der Viererkette sind allein Linksverteidiger Miro Muheim und der linke Innenverteidiger Daniel Elfadli unantastbar. Letztgenannter aber war ursprünglich für das defensive Mittelfeld vorgesehen.

Wirtschaftliche Voraussetzungen

Der HSV kehrt als einstiger Dauerpatient wirtschaftlich gesund zurück - und wird doch keine großen Sprünge machen. "Dass wir kein normaler Zweitligist sind, hat jeder auf der Aufstiegsparty gesehen", sagt Finanzvorstand Eric Huwer, "aber nach sieben Jahren steigen wir als sportlich normaler Zweitligist auf." Aber als einer mit besseren Voraussetzungen als etwa die Vorjahres-Aufsteiger Kiel und St. Pauli. Während diese unterhalb der 30-Millionen-Grenze blieben, plant der HSV mit einem Etat von 40 Millionen Euro.

Der Trainer

  • Merlin Polzin

Merlin Polzin ist das neue Gesicht des HSV. Sein Auftritt und seine Rede während des Senatsempfangs im Rathaus mögen nur eine Sequenz sein, und doch transportiert diese, dass der 34-jährige gebürtige Hamburger mit seinem gesamten Auftritt ganz vortrefflich zum Aushängeschild taugt. "Die Bundesliga wird einen anderen HSV erleben als den, den sie vor sieben Jahren verabschiedet hat: mit maximalem Anspruch, der nötigen Demut, dem Respekt und dennoch immer mit Mut und realistischem Blick." Diese Botschaft vom Montagabend steht sinnbildlich für Polzins bisheriges Wirken auf und neben dem Platz.

Das Management

Sportvorstand Stefan Kuntz hielt sich bei den Feierlichkeiten angenehm im Hintergrund, vor allem mit seiner Trainerentscheidung war er maßgeblich am Aufstieg beteiligt: Er hatte zwar mehrere Spuren verfolgt und intensiv um Lukas Kwasniok gebuhlt, letztlich aber Polzin und dessen jungem Trainerteam vertraut und dieses auch in der kleinen Delle gestärkt. Klar ist: Bei den anstehenden Sommertransfers brauchen er und Sportdirektor Claus Costa eine bessere Quote. Nur Selke und Elfadli schlugen ein. Zwei Volltreffer für den neuen Bundesliga-Kader wären zu wenig.

Sebastian Wolff