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Das 149. Stadtderby in Lübeck: Sportlich auf Augenhöhe - aber es droht eine Minuskulisse

kicker

Am Sonntag (14 Uhr) ist es so weit: In der Regionalliga Nord steigt das inzwischen schon 149. Stadtderby zwischen dem 1. FC Phönix Lübeck und VfB Lübeck. Einen klaren Favoriten zu benennen, fällt derzeit schwer. Der VfB kassierte am Dienstag, nach zuvor drei erfolgreichen Pflichtspielen (Liga und Landespokal), ein 0:4 beim SV Werder Bremen II.

Nicht viel besser steht es um das Team von Trainer Dinalo Christiano Adigo (53). Der 1. FC Phönix Lübeck verlor zuletzt auf heimischem Platz mit 1:2 gegen den VfB Oldenburg, zuvor setzte es eine 0:2-Niederlage beim SV Meppen. Vor dem anstehenden Derby trennt Phönix (17 Punkte aus 11 Spielen) und den VfB Lübeck (16 Punkte aus 10 Spielen) in der Tabelle somit nur ein einziger Zähler.

Ein Blick in die Historie spricht allerdings eher für die Grün-Weißen. Der letzte Derby-Sieg der Adlerträger in einem Punktspiel datiert vom 27. August 1986. Damals gewann Phönix in der damals noch viertklassigen Verbandsliga Schleswig-Holstein mit 3:2 auf der Lohmühle. Seit 2021 gab es in der Regionalliga Nord sechs Aufeinandertreffen. Der VfB gewann zwei davon, vier endeten unentschieden.

Wer nun allerdings denkt, dass die Vorfreude in der Hansestadt riesengroß ist, ein echtes Fußballfest vor toller Kulisse steigt, täuscht sich wohl. Während im April 2025 bei ähnlicher sportlicher Ausgangslage noch knapp 6.800 Zuschauer auf der Lohmühle für einen würdigen Rahmen sorgten, deutet diesmal vieles auf eine Derby-Minuskulisse hin.

Die gab es zuletzt in einem Ligaspiel in der Saison 24/25 bei Phönix, mit 2.243 Besuchern. Der Vorverkauf läuft jedenfalls schleppend. Das Gästekontingent wird beispielsweise nur über den VfB Lübeck angeboten. 800 Steh- und 70 Sitzplätze umfasst dieses. Mitte der Woche wurden davon erst 121 Steh- und 52 Sitzplatzkarten abgerufen. Dazu kommen bisher noch gut 800 verkaufte Haupttribünentickets, für die der Gastgeber verantwortlich ist. Der Buniamshof ist für insgesamt 2.500 Zuschauer ausgelegt.

„Mit personalisierten Tickets in bestimmten Bereichen wird versucht, uns von diversen Orten fernzuhalten und uns in einen Käfig zu sperren.“ (Fanszene VfB Lübeck)

Kritik kam von Seiten der VfB-Anhänger unter anderem in Bezug auf die Anzahl verfügbarer Tickets im Gästebereich sowie die Tatsache, dass für Nicht-Phönix-Fans auf der Haupttribüne ausschließlich personalisierte Eintrittskarten angeboten werden. Auf der Fanplattform www.pappelkurve.de heißt es dazu auszugsweise:

"Mit personalisierten Tickets in bestimmten Bereichen wird versucht, uns von diversen Orten fernzuhalten und uns in einen Käfig zu sperren. Wir stellen klar: Wir werden unter den derzeit geltenden Auflagen als Lübecker Fanszene den Gästeblock unter keinen Umständen betreten. Personalisierung und Kontrolle haben im Stadion nichts verloren. Wer Grün-Weiß im Herzen trägt, bleibt diesem Bereich fern und schließt sich uns vor den Toren an. Lasst uns aufgrund dessen aus allen Richtungen dieser Stadt zusammenkommen, sichtbar in den beiden schönsten Farben der Welt und uns überall um den Buniamshof zusammenfinden. Wir unterstützen unseren VfB auch außerhalb der Stadiontore."

Beim 1. FC Phönix sieht man sich in dieser Thematik - also in Bezug auf mögliche Aktionen außerhalb des Buniamshofs - nicht in der Verantwortung. "Wie ein möglicher Boykott der VfB-Fans außerhalb des Stadions gehandhabt wird, ist Aufgabe der Polizei. Wir wünschen allen Zuschauern ein friedliches und faires Stadtderby", sagt Pressesprecher Frederik Trumpler.

Capretti erwartet ein enges Spiel

Guerino Capretti (43) ist etwas zwiegespalten bei diesem Thema, konzentriert sich aber letztlich auf die rein sportlichen Dinge. "Ich persönlich würde mir natürlich wünschen, dass unsere Fans uns lautstark unterstützen und im Stadion sind, dass sie ihre Gesänge machen und uns nach vorne peitschen. Am Ende ist es schade, wenn das nicht so ist. Wir akzeptieren das aber natürlich. Die Fans werden ihre Gründe haben. Wenn es so kommt, müssen wir dann auch ohne große Unterstützung Gas geben, um erfolgreich abzuschneiden", so der Coach, der sich ansonsten auf ein erneut enges Match einstellt.

„Am Ende werden wohl wieder Kleinigkeiten entscheiden.“ (Guerino Capretti)

"Ein Derby mit zwei Mannschaften aus einer Stadt ist immer etwas Besonderes. Wir freuen uns auch darauf und wollen ein gutes Spiel zeigen. An die letzten Derbys habe ich gute Erinnerungen. Gerade an der Lohmühle war immer viel los und ein schönes Fußballfest mit vielen Zuschauern. Auf dem Platz gab es immer viel Kampf. Also das, was Zuschauer in so einem Spiel sehen wollen. Am Ende werden wohl wieder Kleinigkeiten entscheiden", prophezeit der Cheftrainer

Auch Sebastian Harms, Sportvorstand des VfB Lübeck, rechnet am Sonntag mit Gegenwehr auf dem "Buni". "Phönix hat insgesamt einen guten Saisonstart hingelegt und bis auf die Spiele gegen die absoluten Top-Teams konstant gepunktet. Die Mannschaft zeichnet sich durch eine hohe Intensität und eine gute Dynamik aus. Auch individuell haben sie eine hohe Qualität im Kader. Sie verfügen über viel Geschwindigkeit und einen klaren Plan, sowohl mit als auch gegen den Ball. Um erfolgreich bestehen zu können, werden wir die Intensität annehmen und gut gegen das starke Umschaltspiel verteidigen müssen. Trotzdem wird es genauso darauf ankommen, unsere Spielidee auf den Platz zu bringen und mit dem notwendigen Mut zu agieren. Wenn uns das gelingt, werden wir das zu erwartende, enge Spiel für uns entscheiden können."

Adler-Coach Adigo sagt: "In erster Linie ist es eines von 34 Spielen in der Regionalliga Nord und jeder, der die Liga verfolgt, weiß, dass jeder jeden schlagen kann. Der VfB Lübeck hat auch in dieser Saison ein starkes Regionalliga-Team und hinzu kommt der Derby-Charakter. Im Derby gibt es keinen Favoriten. Einzig die Tagesform wird entscheidend sein. Wir wünschen uns ein friedliches Fußballfest, bei dem wir mit schönem, attraktivem Offensivfußball unseren Teil beitragen wollen. Unser Ziel bleibt unverändert: Wir wollen die drei Punkte zu Hause behalten und dafür müssen und werden wir hart arbeiten", so der ehemalige Nationalspieler des Benin.

Die Personallage

Nicht zurückgreifen kann man beim VfB Lübeck auf Colin Ulrich (nach Rot in Bremen gesperrt), Ware Pakia (Riss der Syndesmose), Pierre Becken (frisch operiert nach Kreuzbandriss), Noah Andreas (Muskelfaserriss) und Julian Albrecht (Mittelfußknochen erneut gebrochen). Letztgenannter muss sich einer Operation unterziehen, wird dem VfB monatelang nicht zur Verfügung stehen. Phönix muss weiterhin auf Bernard Kyere (Reha nach OP) verzichten. Auch für die zuletzt im Aufbautraining steckenden Jonathan Stöver, Can Degirmenci und Jenno Campagne kommt das Derby womöglich noch zu früh.