Die Bedrohungen kamen bereits von vielen Seiten - und doch ist Matvei Safonov ihnen stets mit Souveränität begegnet. Mit Gianluigi Donnarumma hat es der erste Konkurrent versucht. Ein Hüne, körperlich und auf der Linie überlegen, doch beim Spiel mit dem Fuß mit der einen oder anderen Schwäche. Und Lucas Chevalier, der zweite Konkurrent, hatte eine ganz andere Lobby. Doch am Ende steht erneut Safonov im Tor von Paris Saint-Germain, ein vom Wesen her eher unscheinbarer Russe, der jedoch eine beeindruckende Entwicklung genommen hat. Sicher, sie verläuft aktuell nicht ganz linear.
Im vergangenen Jahr war an Donnarumma leistungsmäßig eigentlich kein Vorbeikommen. Der Italiener sicherte seinem Klub mit seinen zahlreichen Weltklasse-Paraden den Sieg in der Champions League, avancierte zu jenem Rückhalt, den man eben braucht für einen Titel. Doch schon damals hatte Luis Enrique begonnen, den Mann hinter Donnarumma, Safonov, immer wieder starkzureden, bisweilen auch in unbedeutenden Partien in der Ligue 1 zu bringen. Stets mit dem Hintergedanken, die italienische Nummer 1 zu kitzeln? Spekulation. Klar ist: Donnarummas Leistungen hat der Konkurrenzkampf geholfen, seine Schwächen in der Spieleröffnung vermochte er jedoch nicht zu beheben.
Zudem forcierte sein Management einen Wechsel, im Gespräch waren nur die globalen Top-Klubs. Grund genug für PSG, sich früh auf einen Nachfolger festzulegen, einen, der zwar nicht durch absolute Weltklasse, aber durch den Faktor Herkunft besticht. Die Pariser setzen seit ein paar Jahren vermehrt auf den (eigenen) Nachwuchs, jung ist gut, französisch noch besser und aus dem Großraum Paris am allerbesten. Chevalier erfüllt die beiden ersten Kriterien, stieg in Lille zur Klubikone auf, sammelte internationale Erfahrungen - und war beim Wechsel erst 23 Jahre alt. Perfekte Voraussetzungen.
Doch auch Chevalier scheiterte vorerst an seiner mangelnden Ausstrahlung sowie dem einen oder anderen Patzer. Beides wurde Safonov ebenso vorgeworfen, übrigens in der vergangenen Saison auch gegen Bayern, zuletzt konnte er die Kritiker jedoch verstummen lassen. Mit starken Paraden und einem souveränen, wenn auch etwas zurückhaltenden Auftreten hat der Russe seinen Status als Nummer 1 untermauert. Und das teilweise in wichtigen Partien, wie im Königsklassen-Achtelfinale gegen den FC Chelsea oder eine Runde später gegen den FC Liverpool.
Safonov braucht weitere Spiele
Sicher, dieser letzte Schritt zu einem internationalen Top-Torwart fehlt dem 27-Jährigen noch, das Vertrauen ist im Umfeld der Parisiens geringer als damals in Donnarumma, der mittlerweile bei ManCity spielt. Immerhin: Safonov arbeitet gut mit dem Fuß, seinen Strafraum könnte er noch besser beherrschen, doch auch in dieser Kategorie hat er dazugelernt.
Was dennoch auffällt: So stark PSG auf allen Positionen besetzt ist, so deutlich wird die Lücke zur Weltklasse im Tor. Safonov braucht weitere Partien, um sich weiter zu etablieren, um seine Stärke zu demonstrieren. Er bleibt das einzige Fragezeichen im PSG-Kader - aber er scheint zumindest auf dem Weg zum Ausrufezeichen.