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Das erste Spiel im Münchner Olympiastadion - und seine große Bedeutung

kicker

Heute vor 53 Jahren am 26. Mai 1972

Manchmal, das ist im Leben oft so, muss man zu seinem Glück gezwungen werden. Und manchmal, das passiert wohl etwas seltener, muss man mit ein paar Teil-Mythen des deutschen Fußballs ein bisschen aufräumen. Reisen wir zurück ins Jahr 1972.

Wenn von der besten - oder zumindest von der spielstärksten - deutschen Nationalmannschaft die Rede ist, die es bisher gegeben hat, landen die Leute, deren Gedächtnis etwas weiter zurückreicht, in der Regel bei der ersten Europameister-Mannschaft von vor inzwischen 53 Jahren. Von der "Wembley-Elf" ist dann oft die Rede.

Deutschland wie die Niederlande

Das Viertelfinal-Hinspiel in England, das damals noch gar nicht zum Endturnier der Europameisterschaft zählte, gewann die DFB-Auswahl am 29. April 1972 mit einem überragenden Günter Netzer, der bekanntermaßen aus der "Tiefe des Raumes" kam, völlig überraschend mit 3:1. Es war der erste Sieg einer deutschen Nationalmannschaft auf englischem Boden. Seinen Einzug in die Folklore erhielt er aber mehr wegen der Art und Weise seines Zustandekommens.

Die Mannschaft von Bundestrainer Helmut Schön, zu der auch etwa ein gewisser Franz Beckenbauer zählte, der mit Netzer ein wunderbares Wechselspiel vollführte, überrumpelte die Engländer mit einer beinahe niederländischen Spielkunst totalen Fußballs. Schnelle Zick-Zack-Kombinationen mit wenigen Kontakten prägten ein deutsches Auftreten, das die Fußballwelt von den vermeintlichen Teutonen so gar nicht kannte.

An dieser Stelle bedarf es jedoch zweier "Aber".

Wer spielt am besten neben Müller?

Deutschland spielte an diesem Samstagabend in Wembley eine überragende erste Hälfte. Aber in der zweiten überrannten die Engländer Netzer und Co. mit ihrem typisch körperlichen und dynamischen Spiel, sodass der 3:1-Erfolg hinten raus sogar ein wenig schmeichelhaft war.

Und ja, die "Wembley-Elf" spielte, zumindest eine Hälfte lang, herausragend guten und modernen Fußball. Aber sie war gar nicht die beste Version der deutschen Nationalmannschaft von 1972, was etwas mit dem ersten Fußballspiel zu tun hatte, das je im Münchner Olympiastadion stattfand (was übrigens nicht das Rückspiel gegen England war, das in Berlin glanzlos 0:0 endete).

Die DFB-Auswahl empfing am Freitagabend des 26. Mai 1972 die Sowjetunion, die nicht nur seit 20 Länderspielen ungeschlagen, sondern auch ein potenzieller Finalgegner beim EM-Endturnier in Belgien war, das nur wenige Wochen später ins Haus stand. Zur Einweihung der Hauptsportstätte für die Olympischen Spiele 1972 in München sollte schließlich nicht irgendjemand kommen.

  • Wolfgang Sidka wird 71
  • Jürgen Heun wird 67
  • Luca Toni wird 48
  • Razvan Rat wird 44
  • Jan Thielmann wird 23

  • Tarcisio Burgnich im Jahr 2021
  • Armando Picchi im Jahr 1971

Es kamen dann aber trotzdem nicht alle, die hätten kommen sollen. Namentlich der verletzte Jürgen Grabowski und Sigfried Held, der von den unterklassigen Kickers Offenbach für das Freundschaftsspiel nicht freigestellt wurde. Der Wembley-Elf gingen also ihre beiden Außenstürmer ab - doch das war weitaus mehr Segen als Fluch.

Was Deutschland trotz aller Spielstärke nämlich in Wembley abgegangen war, war die Vertikalität. Die tatsächliche Tiefe. Und dadurch auch Durchschlagskraft und eine größere Torgefahr. Denn Grabowski und Held waren keine klassischen Außenstürmer, anders als etwa Erwin Kremers oder der flexible Jupp Heynckes.

Mit diesen Vertretern gewannen die Deutschen gegen die Sowjets in einem "Superspiel", wie der kicker schrieb, nicht nur weitaus überzeugender als in England gleich mit 4:1, wobei alle vier Tore Mittelstürmer Gerd Müller schoss, was ihn als Nachfolger von Uwe Seeler zum alleinigen Rekordtorschützen der deutschen Nationalmannschaft machte. Was ihm übrigens auch ohne den Treffer zum 2:0 gelungen wäre, bei dem erst unklar gewesen war, ob Müller oder doch Uli Hoeneß den Ball final über die Linie befördert hatte.

In dieser unverhofften Besetzung, was des "Bombers" Nebenleute betraf, trat die Schön-Elf dann auch beim Endturnier in Belgien an, bei dem sie die Sowjetunion im Finale am 18. Juni schließlich erneut schlug (3:0) und sich erstmals zum Europameister krönte.

Kein Müller-Tor beim Bundesliga-Debüt

Das erste Bundesliga-Spiel im Münchner Olympiastadion, das hin und wieder für das erste Spiel dort überhaupt gehalten wird, stieg dann zehn Tage später. Es war der Showdown um die Deutsche Meisterschaft, der tatsächlich nach der damals nur vier Nationen starken EM stattfand, zwischen dem FC Bayern und seinem punktgleichen Verfolger Schalke 04. 34. Spieltag, alles oder nichts.

Diesmal ging Torjäger Müller leer aus. Aber die Münchner gewannen trotzdem mit 5:1.