15 Spieler gehen
Mitte März feierte Hanns-Jörg Westendorf sein zehnjähriges Jubiläum als Präsident des SC Fortuna Köln. Der 60-Jährige ist im Hauptamt Geschäftsführer eines mittelständischen Unternehmens aus Düsseldorf - verbringt aber jede freie Minute mit dem Klub aus der Kölner Südstadt. 2019 musste er als Vorstand den Abstieg aus der 3. Liga miterleben. Seitdem hofft Westendorf fast schon sehnsüchtig auf eine Rückkehr in den Profi-Bereich.
Doch wirklich nah dran am Aufstieg war die Fortuna nie in den vergangenen Jahren. Meisterschafts-Träume existierten maximal im Verlauf der Hinrunden. In den Rückserien haben Kölner Leistungseinbrüche fast schon Tradition. So auch in der abgelaufenen Saison: Im Winter war die Fortuna zwischenzeitlich Zweiter, sechs Punkte hinter dem MSV Duisburg. In der Rückrunden-Tabelle liegt der Südstadt-Klub auf Rang 10, aus den sechs Zählern Rückstand auf Platz 1 wurden 21. "Die Einstellung einiger Spieler war am Ende nicht gut genug", kritisierte Westendorf. "Viele Dinge und Auftritte empfand ich als schlecht, außer dem Spiel gegen Aachen (Mittelrheinpokal-Halbfinale (0:1), Anm. d. Red.), was wir sehr unglücklich verloren haben. Der sehr gute Eindruck in der Hinrunde wurde dadurch ein Stück kaputt gemacht."
Nicht die Kaderbreite eines Spitzenteams
Dass die Fortuna in der Rückrunde den Anschluss verlieren würde, hatte Westendorf befürchtet. "Uns war schon zu Beginn der Saison klar, dass die fehlende Breite des Kaders wohl nicht für ganz oben reichen kann und wird. Wir haben 13, 14 Spieler, die auf hohem Regionalliga-Niveau performen können. Als die Ausfälle von Adrian Stanilewicz, Julius Biada und Joshua Eze dazukamen, war es offensichtlich, dass wir den Spitzenplatz nicht verteidigen können", sagt Fortunas Präsident, daran müsse man arbeiten: "Am besten wäre es durch die Weiterentwicklung der eigenen Leute, oder aber wir bekommen die Mittel zusammen, um den Kader breiter aufzustellen, was dann gegebenenfalls das Verletzungspech ausgleichen kann."
Aktuell steckt die Fortuna wieder mittendrin in einem grundlegenden Umbruch. Der bisherige Kapitän Dominik Ernst ist dem Ruf seines früheren Trainers Uwe Koschinat gefolgt, um als dessen Co-Trainer bei Rot-Weiss Essen zu spielen. Stipe Batarilo-Cerdic, Kölns mit Abstand gefährlichster Spieler, hat sich gegen eine Vertragsverlängerung entschieden und ein Angebot des Regionalliga-Rivalen 1. FC Bocholt angenommen - was Trainer und Sportdirektor Matthias Mink einigermaßen kalt erwischte: "Wir haben mit dem Abgang nicht gerechnet."
15 Spieler sollen den Verein verlassen
Mindestens 15 Spieler verlassen die Fortuna, weitere könnten hinzukommen. Auf der anderen Seite stehen bislang sechs externe Zugänge, darunter mit Rafael Garcia (31/1. FC Düren) erst ein wirklich erfahrener Spieler.
„Das ist mein Traum. Ich war Präsident, als wir abgestiegen sind und ich will da wieder hin.“ (Westendorf über die Drittliga-Ambitionen)
Der Weg zu einem deutlich breiteren Kader ist also noch weit für den SC Fortuna. "Es ist jedes Jahr eine Herausforderung, einen schlagkräftigen Etat zusammenzustellen. Dass die Vorstände in den letzten Jahren immer wieder Mittel zur Verfügung gestellt haben, ist auch kein Geheimnis. Wir müssen uns im Sponsoring noch breiter aufstellen, das scheint uns zur neuen Saison zu gelingen", sagte Westendorf.
Neue Liga-Kräfteverhältnisse bringen Hoffnung
Ein Hoffnungsschimmer könnte sein, dass es nach Jahren mit Rot-Weiss Essen (2022), Preußen Münster (2023), Alemannia Aachen (2024) und MSV Duisburg (2025) als überragenden Regionalliga-Meistern, es in der neuen Saison keinen außergewöhnlich finanzstarken Traditionsklub gibt - wenn Borussia Dortmund sein Reserve-Team nicht mit aller Macht wieder in die 3. Liga bringen möchte.
Westendorf sagte über den Aufstieg: "Das ist mein Traum. Ich war Präsident, als wir abgestiegen sind und ich will da wieder hin. Fortuna Köln gehört da auch hin. Es war in den letzten Jahren unendlich schwierig, wieder hochzukommen. Es gab immer einen Verein mit überragenden Mitteln, mit dem drei-, bis vierfachen Etat. Da muss schon viel passieren, dass wir da mithalten können."