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Das wegweisende Halbjahr des Niklas Süle

kicker

Aus Dortmunds Trainingslager in Marbella berichtet Matthias Dersch

Niklas Süle ist der erste Spieler von Borussia Dortmund, der am Freitag den Rasen des Trainingszentrums in Marbella betritt, wo sich der BVB noch bis zum kommenden Donnerstag auf die zweite Saison-Halbserie vorbereitet. Der Innenverteidiger testet kurz den Untergrund, dann stellt er sich an die Bande, dehnt sich und wartet auf die Kollegen, die nach und nach von der Aktivierung im Fitnesszelt die paar Meter herüberlaufen. Fast wirkt es, als könne der 30-Jährige nicht erwarten, dass es losgeht. Vor ihm liegt allerdings auch ein wegweisendes Halbjahr.

Gegen Gladbach zeigte Süle, was er noch kann

Seit Süle im Sommer 2022 ablösefrei vom FC Bayern nach Dortmund gewechselt ist, wird der frühere Nationalverteidiger von dem starken Gefühl begleitet, dass sich damals alle Beteiligten mehr von der Zusammenarbeit versprochen hatten. Süle konnte - auch aufgrund von etlichen Verletzungen - nur selten sein volles Potenzial zeigen. In eine Führungsrolle auf dem Rasen wuchs er deshalb nicht wie erhofft hinein. Auch in dieser Saison rangiert er in der internen Innenverteidiger-Hierarchie nicht auf den vorderen Plätzen. Zumal ihn eine hartnäckige Zehenverletzung länger außer Gefecht setzte als zunächst angenommen.

Beim letzten Spiel des Jahres gegen Borussia Mönchengladbach (2:0) zeigte Süle allerdings noch einmal, wie wertvoll er für seine Mannschaft sein kann. Aus dem Stand heraus lieferte er eine blitzsaubere Leistung ab, gewann defensiv seine Duelle und schaltete sich auch offensiv mit feiner Technik und guten Pässen ein.

Eine Wende ist unwahrscheinlich, aber nicht ausgeschlossen

Unwahrscheinlich ist indes, dass er damit eine Wende bezüglich seiner Zukunft einleiten konnte. Sein Vertrag läuft im Sommer aus. Die wahrscheinlichste Variante ist, dass sich der frühere Münchner und der BVB dann trennen und er sich ablösefrei einem anderen Klub anschließt. Final beschlossen ist das allerdings noch nicht. Wozu auch? Der Klub schließlich hätte nichts davon, einem Spieler frühzeitig zu signalisieren, dass er künftig nicht mehr gebraucht werde. Einerseits, weil darunter die Motivation leiden könnte. Andererseits, weil sich das Blatt im Profifußball auch sehr schnell wenden kann und man deshalb vorsichtig sein sollte, mit allzu klaren Äußerungen.

In der Innenverteidigung steht der BVB schließlich vor wichtigen Entscheidungen: Der Vertrag von Nico Schlotterbeck läuft 2027 aus, die Gespräche über eine vorzeitige Verlängerung konnten noch nicht zu einem Abschluss gebracht werden. Längst muss sich der Klub mit dem Szenario beschäftigen, dass Schlotterbeck nicht verlängert. Ein Verkauf im Sommer oder aber ein noch schmerzlicherer, weil dann ablösefreier Verlust im Jahr darauf wären dann die beiden Optionen.

Zudem endet im Sommer die Leihe von Aaron Anselmino. Auch der Vertrag von Emre Can läuft aus - allerdings deutet viel darauf hin, dass der Kapitän auch über den Sommer hinaus an Bord bleiben wird. Mit Blick auf Süle könnte sich die Situation ergeben, dass eine Verlängerung - sofern der Spieler dazu überhaupt bereit wäre - für den Klub doch noch Sinn machen könnte, wenn es keine finanzierbare und ähnlich leistungsstarke Alternative geben sollte.

Süle darf mit anderen Klubs verhandeln

Und auch Süle selbst benötigt derzeit keine klare Aussage des BVB. Seit dem 1. Januar steht es ihm frei, mit anderen Klubs zu verhandeln, ohne die Dortmunder darüber in Kenntnis setzen zu müssen. Ihm sind also nicht die Hände gebunden, sich für den Sommer eine neue Station zu suchen.

So oder so: Süle wird in der zweiten Halbserie, die für den BVB am kommenden Freitag mit dem schweren Auswärtsspiel in Frankfurt beginnt, zeigen müssen, dass er weiterhin zu den besten Innenverteidigern des Landes gehört. Dem BVB kann das nur recht sein.