Die Saison des TSV Hartberg
Um Haaresbreite hätte der TSV Hartberg die unglaubliche Cup-Reise mit dem Titel gekrönt und auch die Tür nach Europa stand bis kurz vor Schluss weit offen. Wenngleich beim Blick in den Rückspiegel ein bisschen Wehmut mitschwingt, überwiegt in der oststeirischen Provinz der Stolz über eine historische Saison.
Schlüsselspieler der Saison: Donis Avdijaj und Raphael Sallinger
Zwei Namen stehen sinnbildlich für den Erfolg der Hartberger in der abgelaufenen Saison: Donis Avdijaj und Raphael Sallinger. Der frühere deutsche U-21-Teamspieler dirigierte das Spiel der Oststeirer wie kein Zweiter und war mit seinen Toren und Vorlagen maßgeblich am Erfolg beteiligt. Besonders im Cup spielte Avdijaj eine glänzende Saison, verbuchte dort 13 Scorerpunkte (sieben Tore, sechs Assists). Doch auch in der Liga war der Dribblanski kaum aus dem Hartberger Offensivspiel wegzudenken. Seine kicker-Durchschnittsnote von 3,20 wurde vereinsintern nur von Sallinger (Note 3,0) übertroffen. Der Tormann war die Lebensversicherung in der Defensive, glänzte mit starken Reflexen und hielt Hartberg in brenzligen Phasen im Spiel.
Moment der Saison: Finaleinzug im ÖFB-Cup
Im Halbfinale des ÖFB-Cups traf der TSV auf die Wiener Austria - und setzte sich in einem hochintensiven Duell mit 1:0 durch. Avdijaj markierte das Goldtor und entschied die Partie dank seiner individuellen Klasse zugunsten der Hartberger. Es war zweifelsohne eine der größten Sensationen der abgelaufenen Saison. Das kleine Hartberg mit gerade einmal 6.700 Einwohnern stand plötzlich im Cupfinale. Die Euphorie kannte keine Grenzen: Spieler und Fans lagen sich in Wien-Favoriten in den Armen.
Spruch der Saison
„Vielleicht springe ich ja mit dem Pokal in den Wörthersee …“ (Hartberg-Präsidentin Brigitte Annerl vor dem Cupfinale im Interview mit "Die Presse")
Auch wenn das Endspiel gegen den WAC knapp verloren ging, wird man in Hartberg wohl noch jahrzehntelang über dieses Cup-Märchen sprechen. Präsidentin Brigitte Annerl blieb zwar der Sprung in den Wörthersee erspart, doch die Atmosphäre im Endspiel wird sie niemals vergessen. "Diese blaue Wand im Klagenfurter Stadion wird für immer in Erinnerung bleiben", sagte sie stolz.
Most underrated: Brigitte Annerl
Annerl ist längst mehr als nur eine Präsidentin im Hintergrund - sie ist zu einer prägenden Figur im österreichischen Fußball geworden. Spätestens seit der Szene beim Heimspiel gegen Rapid, als sie persönlich und letztlich auch erfolgreich versuchte, die Gästefans zu beruhigen, ist klar: Diese Frau geht voran. Mutig, empathisch und mit einem außergewöhnlichen Gespür für Kommunikation hat sie sich Respekt über Vereinsgrenzen hinweg erarbeitet. Für Hartberg ist sie viel mehr als eine Präsidentin - sie ist Identifikationsfigur, Sprachrohr und Visionärin in einem. Und vielleicht auch der wichtigste Garant dafür, dass dieser Verein weiter über sich hinauswachsen kann.
Transferpläne
Nach dieser historischen Saison steht Hartberg ein Umbruch bevor. Donis Avdijaj wird den Verein fix verlassen - ein schwerer Verlust, den man sportlich kaum 1:1 ersetzen kann. Auch Verteidiger Manuel Pfeifer hat seinen Abschied angekündigt und Raphael Sallinger nimmt eine neue Herausforderung in Schottland an. Unklar ist indes die Zukunft von Paul Komposch, dessen Vertragsverlängerung für Diskussionen gesorgt hat. Hartberg meinte, die Option gezogen zu haben, die Spielervereinigung VdF widersprach. Fakt ist, Komposch möchte den nächsten Schritt in seiner Karriere machen. Mögliche Destinationen sind die Wiener Austria und der LASK. Wie der Klub auf die Abgänge der Leistungsträger reagiert, bleibt abzuwarten. Obmann Erich Korherr hat nicht selten bewiesen, dass er mit beschränktem Budget große Treffer landen kann.
Gesamtnote der kicker-Redaktion: 3,0