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Der Europapokal-Teilnehmer, dem 8000 Kilometer Anreise drohen

kicker

Selbst den größten Fans des runden Leders dürften die Azoren nicht gerade als Stätte fußballerischer Hochkultur in Erinnerung sein. Ein Urlaubsparadies mit einigen der schönsten Wanderwege und Naturreservate der Welt, das ist die portugiesische Inselgruppe im Atlantik unbestritten. Weitgehend unbemerkt blieb hierzulande aber, wie ein 1400 Kilometer vom Festland entfernter Verein den portugiesischen Fußball auf den Kopf gestellt hat - und nun auch in Europa angreifen will.

Clube Desportivo Santa Clara heißt die Mannschaft aus Ponta Delgada auf der Azoren-Insel Sao Miguel, die ihre Spiele Anfang der 2000er-Jahre noch durchweg in der zweiten portugiesischen Liga ausgetragen hatte. 2018 gelang der Aufstieg in die oberste Spielklasse, es folgten mehrere solide Platzierungen und 2021 sogar eine nicht von Erfolg gekrönte Teilnahme an der Qualifikationsrunde zur Conference League. Mehr schien für den Verein von der Insel nicht drin zu sein, mussten die Portugiesen doch zwei Jahre später als Tabellenletzter wieder den Gang in die zweite Liga antreten.

Nach dem Wiederaufstieg soll es nach Europa gehen

Doch statt nach dem Abstieg auseinanderzufallen, kam Santa Clara zurück. Und zwar in Rekordtempo: Nachdem sich die Insulaner in Liga zwei sofort zum Meister gekrönt hatten, stellten sie in ihrer Comeback-Saison das portugiesische Oberhaus auf den Kopf und wurden sensationell Fünfter.

Für die Mannschaft aus Ponta Delgada ist das die beste Platzierung der Vereinsgeschichte - und bietet erneut die Chance, sich für einen europäischen Wettbewerb zu qualifizieren. Denn durch den fünften Platz in der heimischen Spielklasse nimmt Santa Clara wie schon 2021 an der Qualifikationsrunde zur Conference League teil; damals waren die Portugiesen in den Play-offs an Partizan Belgrad gescheitert.

Sollte die Qualifikation in diesem Jahr gelingen, würde das dem Verein von der Insel allerdings nicht nur spannende Begegnungen und finanzielle Einnahmen bescheren. Sondern auch Reisestrapazen, die im europäischen Fußball für neue Rekorde sorgen könnten.

Über 8000 Kilometer bis nach Kasachstan

Allein für ein Auswärtsspiel in der heimischen Liga müssen die Azorianer einen mindestens zwei Stunden langen Flug auf sich nehmen, andere Verbindungen zum europäischen Festland gibt es nicht. Bekanntermaßen bildet Portugal nun aber auch nur das westliche Ende Europas, sodass Santa Clara in der Conference League einige noch viel wahnwitzigere Entfernungen gen Osten drohen.

So wären da etwa die beiden aserbaidschanischen Teams FK Zira und Sabah FK Masazir, die sich genau wie Santa Clara für die Conference League qualifizieren könnten und ihre Spiele in über 6300 Kilometern Entfernung von Ponta Delgada austragen. Zum Vergleich: Den bisherigen Rekord für die längste Auswärtsfahrt in einem europäischen Wettbewerb halten aktuell Sporting Lissabon und der FC Astana aus Kasachstan, die 2015 und 2018 in der Europa League jeweils 6165 Kilometer zum Stadion des jeweils anderen zurücklegen mussten.

Sollte auch Santa Clara in der Conference League auf ein kasachisches Team treffen, würde diese Bestmarke in jedem Fall pulverisiert werden - und mit dem FC Astana, FK Aqtöbe, Ordabassy Schymkent und Qairat Almaty könnten sich gleich vier entsprechende Vereine für den Wettbewerb qualifizieren. Gerade ein Auswärtstrip nach Almaty hätte es für die Portugiesen in sich: Unfassbare 8141 Kilometer Luftlinie liegen zwischen Ponta Delgada und der Millionenstadt nahe der kirgisischen Grenze - unter drei Flügen und 16 Stunden Reisezeit nicht zu schaffen.

Vor derartigen Reiseplanungen gilt der Fokus bei CD Santa Clara aber erst einmal der 2. Qualifikationsrunde zur Conference League. Dort treffen die Portugiesen am 24. und 31. Juli auf NK Varazdin aus Kroatien - Entfernung gut 3500 Kilometer. Im Falle eines Weiterkommens folgen die 3. Qualifikationsrunde und die Play-offs Mitte August. Die 3. Runde wird am 21. Juli ausgelost, die Play-offs, in denen auch der 1. FSV Mainz 05 eingreift, am 4. August.

Teamgeist und Tempo statt Topstars

Bei der Mission Europa helfen dürfte den Portugiesen vor allem ihre defensive Stabilität. Mit einer Fünferkette im Spiel gegen den Ball steht die Mannschaft von Trainer Vasco Matos meist enorm kompakt, so kassierten die Azorianer in der vergangenen Ligasaison nur 32 Gegentore. Dazu kommt Santa Claras starkes Mannschaftsgefüge: Der Kader des Inselteams besteht fast ausschließlich aus Portugiesen und Brasilianern, statt großen Namen und teuren Transfers setzt man in Ponta Delgada seit Jahren auf eine funktionierende Einheit.

Nur ein Spieler sticht aus diesem Kollektiv ein wenig heraus: Gabriel Silva, der bei Santa Clara auf dem linken Flügel aufläuft, gilt seit Kurzem als der schnellste Spieler im Weltfußball. Mit unglaublichen 40,3 Stundenkilometern wurde der Brasilianer im Mai gegen Famalicao geblitzt - in dem Tempo würde er für die 8141 Kilometer nach Almaty gerade einmal 202 Stunden brauchen.