Auch Leverkusen und Frankfurt wollen den U-16-Nationalspieler
Als Stefan Leitl nach Saisonende in einem Tagesspiegel-Interview Herthas Ist-Zustand analysierte, war auch die Qualität der nachrückenden Eigengewächse ein Thema. "Ich glaube schon", sagte Herthas Trainer, "dass wir speziell in den vergangenen beiden Jahren richtige Top-Talente hatten. Ob das Ibo Maza war, Derry Scherhant, Pascal Klemens, Marten Winkler oder Linus Gechter. Aus der Akademie rücken gute Spieler nach, aber die Qualität wie in den vergangenen beiden Jahren sehe ich in der Summe aktuell nicht."
Namentlich nannte Leitl drei Talente, denen er den Sprung nach oben zutraut: "Bobo Lum ist sicherlich jemand, der in die Mannschaft kommen kann. Mit Kennet Eichhorn haben wir noch einen ganz jungen Spieler, der wahnsinnig großes Talent hat. Und es ist schade, dass sich Jelani Ndi (erlitt im April einen Kreuzbandriss, d. Red.) so schwer verletzt hat. Bei dem Jungen sehe ich richtiges Potenzial." Boris Mamuzah Lum hatte Ende September beim 1:4 gegen Elversberg im Alter von 16 Jahren, elf Monaten und 27 Tagen Shervin Radjabali-Fardi als jüngsten Hertha-Spieler abgelöst, der je in einem Pflichtspiel für Herthas erste Mannschaft aufgelaufen ist.
Eichhorn ist für die Vorbereitung der Profis eingeplant
Wie Lum soll auch Eichhorn nach kicker-Informationen die am 23. Juni startende Vorbereitung mit den Profis absolvieren. Es ist der klare Fingerzeig, auf welche Karte der Zweitligist im Kampf um den heiß umworbenen U-16-Nationalspieler setzt: Hertha zeigt Eichhorn, der deutschlandweit als eines der Top-Talente seines Jahrgangs gilt und seit Monaten von Bayer Leverkusen und Eintracht Frankfurt heftig umworben wird, eine kurzfristige Profi-Perspektive auf.
Bereits in der Rückrunde der abgelaufenen Saison trainierte der Youngster immer wieder bei den Profis mit, rund um das Heimspiel gegen den Hamburger SV (2:3) im Januar lernte er die Spieltags-Abläufe kennen und war mit dabei. Ende Juli wird Eichhorn 16, danach darf und will der Hauptstadtklub, der Eichhorn (Fördervertrag bis 2027) mit einem Profivertrag lockt, auch in der 2. Liga einsetzen.
Maza als Role Model: Er blieb zunächst, um zu reifen
In den Gesprächen mit Eichhorn verweisen die Hertha-Bosse immer wieder auf das Role Model Ibrahim Maza (19). Der in diesem Sommer für zwölf Millionen Euro Sockelablöse nach Leverkusen wechselnde Kreativspieler gilt als Prototyp des Berliner Wegs und eines umsichtigen Karriere-Plans. Maza gab nicht den erstbesten Verlockungen der Bundesliga nach, sondern entschied sich im vergangenen Sommer trotz Avancen aus Stuttgart und Bremen für ein weiteres Zweitliga-Jahr bei Hertha.
Es wurde eine Win-Win-Situation: Maza sammelte als Stamm-Zehner wertvolle Spielpraxis, Leverkusen erhält ein Top-Talent mit mehr Wettbewerbshärte und -erfahrung - und Hertha einen satten Transfererlös.
Fälle, die in die entgegengesetzte Richtung gingen, gab es auch. Hochtalentierte Youngster, die sich früh für einen Weggang von Hertha entschieden - und ihr Glück andernorts nur bedingt fanden: Nemanja Motika (22, ging 2017 zum FC Bayern, zuletzt von Olimpija Ljubljana an Greuther Fürth ausgeliehen), sein Bruder Nikola Motika (21, ging 2017 zum FC Bayern, seit Januar vereinslos), Thorben Rhein (22, ging 2017 zum FC Bayern, inzwischen FC Emmen), auch Leander Popp (20, zuletzt von Greuther Fürth an Unterhaching ausgeliehen). Kein anderer Klub aus der 1. und 2. Bundesliga verbuchte in der abgelaufenen Saison mehr Einsatzminuten von selbstausgebildeten Spielern. Im Poker um Eichhorn ist das Herthas Hauptargument.