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Der Sieger in "El Dorfico"? Der Fußball!

kicker

Heidenheim und Elversberg strafen die Spötter Lügen

Ein Hurra darauf, dass die Hochkaräter HSV und der 1. FC Köln wieder in die Bundesliga zurückgekehrt sind! Im Vergleich dazu und auch mit Blick allein auf die bei den Aufstiegsfeiern von den beiden Traditionsvereinen mobilisierten Menschenmassen rümpften einige beim Duell um den letzten freien Platz in der Bundesliga die Nase.

Selbst die Deutsche Bahn macht Witze

Heidenheim gegen Elversberg? Echt jetzt, darauf hat Fußball-Deutschland gerade noch gewartet! Zarter verpackt mit einem Schuss augenzwinkernder Ironie las sich diese Sichtweise dann so: "El Dorfico".

Und der ließ selbst die Deutsche Bahn aufs spaßige Gleis wechseln. In einer Werbeanzeige, die sie mit dem Hinweis "Witz" versah, bildete sie einen per Retusche verkleinerten Bummelzug ab, der zwischen Hinterwasweißich und Vorderkleindingenskirchen verkehren könnte, aber laut der DB die Anhänger des SVE auf die Ostalb bringen sollte. Der Konter auf die spaßige gemeinte Reise-Empfehlung folgte stante pede - der FCH riet daraufhin mit einem zwinkernden Smilie versehen, die SVE-Anhänger mögen doch bitte mit dem Bus anreisen, wenn sie pünktlich zu Spielbeginn im Stadion sein wollen.

Und Letzteres sollte sich lohnen, denn dort entwickelte sich von der ersten Minute an eine Partie fernab vom beschaulichen Bummelzug-Gezuckle, ICE-Hochgeschwindigkeit war von An- bis Abpfiff angesagt.

"Für den neutralen Zuschauer war das auf jeden Fall ein Spektakel, das er mit Freude verfolgt hat. Für die Beteiligten war es eher ein nervenaufreibendes Auf und Ab", hält Elversberg-Trainer Horst Steffen fest. Dass sein Dorfverein, der er nun mal in der Tat auch ist, mitunter milde belächelt wird, lässt der SVE längst mit einem achselzuckenden Grinsen abperlen.

In Fachkreisen sieht dies ohnehin anders aus. Jeder der Großen a la HSV, Köln, Hertha, oder Schalke ist der spielstarken Steffen-Elf stets mit einem Heidenrespekt begegnet - um dann trotzdem selten als Sieger vom Platz zu gehen. Dass die Saarländer die angeblich zum zigsten Mal stärkste 2. Liga aller Zeiten mit dem 3. Platz abschlossen, ist für die Insider jedenfalls alles, nur keine Überraschung.

Apropos Überraschung. Dass sich die Partie zu jenem wilden offenen Offensivschlagabtausch entwickelte, war ein Stück weit einkalkuliert, verrät der Heidenheimer Kapitän Patrick Mainka: "Unsere Marschroute war es, hoch zu stehen und früh zu pressen. Dass dadurch Räume und in der Defensive viele Eins-gegen-eins-Situationen entstehen, wussten wir, wir sind dieses Risiko bewusst eingegangen."

Dass diese gut 90 Minuten ihre gesamte Saison komprimiert exakt widerspiegeln würden, hatten die Heidenheimer allerdings so aber gewiss nicht in ihrem Regiebuch stehen. Die dunklen Kapitel wie das Auslassen von vielen Chancen und das darauf prompt folgende In-Rückstand-Geraten hätte der FCH nur zu gerne überblättert.

Gegen das Nicht-Aufstecken mitsamt seiner diese Mal wenigstens teilweise belohnten Aufholjagd hatte der Klub von der Ostalb selbstredend nichts einzuwenden, auch wenn Trainer Frank Schmidt "nach dem Ausgleich einige nicht konsequent ausgespielte Angriffe" registrierte. Einerseits also trotz eines 0:2 irgendwie ein verpasster Sieg, doch Schmidt vergisst auch das Andererseits nicht: "Wir mussten einen Zwei-Tore-Rückstand aufholen, das hätte gegen die variable, technisch starke Elversberger Offensive auch böse ins Auge gehen können."

Wie wahr, die eine oder andere gute Chance ließ der SVE nach der Pause in der Tat liegen, generell jedoch stand die Heidenheimer Defensive deutlich sicherer als in der ersten Hälfte. Woran es hauptsächlich lag? Da gibt es unterschiedliche Erklärungen, die sich aber auch nicht gegenseitig ausschließen. Schmidt benennt die größere offensive Wucht nach der Pause als Grund, sein Kapitän indes führt an, dass "wir beim ersten Kontakt am Gegner näher dran waren".

Was dies unterm Strich mit Blick auf die taktische Ausrichtung für den Montag bedeutet? Mainka wird dazu in den Zeugenstand gerufen, mit der Bitte, doch mal kurz in die Rolle des Trainers zu schlüpfen. Der 30-Jährige jedoch läuft dieses Ansinnen grinsend ab und klärt höchst souverän: "Das ist nicht mein Job, sondern der des Trainerteams. Ich bin mir aber sicher, dass wir bestens eingestellt am Montag auf den Rasen gehen werden."

Sein Trainer geht indes davon aus, dass sich an diesem Tag ein ganz anderes Spiel entwickeln würde. Eines, in dem beide plötzlich Risiko kleinschreiben? Schmidt lächelt diese Frage weg, ohne konkret zu werden. Nur eines verrät er: Elfmeterschießen steht nun nicht als Extra-Punkt auf der Trainingsagenda in den Tagen bis zum Rückspiel. Erstens könne man diese Situation ohnehin nicht trainieren, zudem "schießen wir sowieso in jedem Training Elfer". Sein Kollege indes hätte übrigens gar nichts dagegen, wenn es zur Neuauflage des Schlagabtauschs kommen würde, dann "aber am Ende mit einem Tor mehr für uns".

Gegen das mit dem Spektakel hätte der Rest von Fußball-Deutschland garantiert nichts einzuwenden, denn damit würde ein Sieger bereits jetzt feststehen: "El Dorfico" hin oder her, der Fußball an sich!