Ein spannendes, emotionales und intensives Derby zwischen dem KSC und dem FCK fand am vergangenen Samstag erst in der Nachspielzeit seinen Sieger. Nachdem der Karlsruher SC einen 0:2-Rückstand aufgeholt hatte und auf das Siegtor drängte, schlug der 1. FC Kaiserslautern in Person von Kapitän Marlon Ritter stattdessen spät zu und bejubelte seinen ersten Derby-Auswärtssieg in Baden nach drei vergeblichen Anläufen.
Während der überwiegende Teil der KSC-Fans ihre Mannschaft trotz des enttäuschenden Ergebnisses nach dem Schlusspfiff ausgiebig anfeuerte und ihr Mut zusprach, kam es wenige Minuten später zu überraschend heftigen Auseinandersetzungen am Gästeblock, die inzwischen von beiden Vereinen, der Polizei und dem DFB aufgearbeitet werden. Im Zentrum steht die Frage, wie eine stattliche Anzahl von KSC-Anhängern so nah an den Gästeblock gelangen konnte - und weshalb es dort zu Zusammenstößen mit den Gästefans kam. Ein Vorfall übrigens, der an ähnliche Geschehnisse vor zehn Jahren erinnerte - damals allerdings in Kaiserslautern.
Bei der Analyse der Geschehnisse spielt auch Karlsruhes Stadionsprecher Martin Wacker eine Rolle, dessen Verhalten der FCK in einer Stellungnahme als "mehr als unglücklich" einstufte. Doch warum?
Wie auch aus mehreren Videoaufnahmen hervorgeht, hatte Wacker just in dem Moment der aufkommenden Eskalation - als zahlreiche KSC-Anhänger über angrenzende Blöcke auf die Tribüne neben den Gästefans strömten - zunächst ausschließlich den FCK-Anhang ermahnt. Das dürfte letztlich ausschlaggebend für die Kritik seitens der Roten Teufel gewesen sein. "Nochmal der Appell an die mitgereisten Fans aus Kaiserslautern. Es darf doch nicht wahr sein. Mensch, ihr könnt euch doch freuen! Was soll denn das? Ich kann es nicht verstehen. Es müssen doch auch Leute im Block sein, die das zurückhalten können. Bitte bleibt in eurem Block. Das wollen wir nicht sehen und wir lassen uns auch nicht provozieren", sagte Wacker durchs Stadionmikrofon.
Irritationen beim KSC
Worte, die angesichts der immer größer werdenden Zahl von Heimfans neben dem Gästeblock mit wütenden Gesten und Rufen anderer FCK-Anhänger quittiert wurden. Für einige Momente konnte dadurch der Eindruck entstehen, Personen aus dem Gästeblock allein seien über die Absperrungen in Richtung Heimbereich gelaufen.
Der Karlsruher SC indes verteidigte Wacker und nahm ihn in Schutz: Man sei "irritiert über das Statement des 1. FC Kaiserslautern, wonach Aussagen des Stadionsprechers aus ihrer Sicht nicht zur Deeskalation beigetragen haben sollen."
Tatsächlich hatte sich Wacker, allerdings etwas später, auch an die Karlsruher Anhänger gerichtet. "Nochmal der Appell: Bitte jetzt auch nicht von der anderen Seite herangehen!", lautete eine seiner Durchsagen. "Unsere Farben sollten jetzt bitte auch nicht da rüberlaufen." Da war die Eskalation allerdings bereits fortgeschritten - trotz des Eingreifens der Polizei, die sich auch innerhalb des Gästeblocks positioniert hatte. Auch der Ordnungsdienst konnte die Trennung vor dem Gästeblock nur noch notdürftig oder angesichts körperlicher Gewalt und klarer Unterzahl nicht mehr aufrechterhalten.
Polizei: Sicherheitskonzept vor und nach dem Spiel ging auf
Wackers Aufforderung ("Bitte bleibt in den Bereichen, die euch zugewiesen sind. Die Gästefans im Gästebereich, die Heimfans im Heimbereich. Und wir bringen es so zu Ende, wie es Sportsleute zu Ende bringen") verhallte in diesem Moment. Ebenso sein Wunsch, "dass wir jetzt auf beiden Seiten Menschen haben, die das deeskalieren können, und dann gehen wir in ein hoffentlich friedvolles Wochenende."
Die Bilanz der Auseinandersetzungen, die ein winzig kleiner Teil der über 33.000 Zuschauer verursacht hatte, ist nach wie vor in Teilen unklar. Die Polizei hatte ihren ersten Bericht, wonach 300 FCK-Fans Ordnungskräfte attackiert hatten, nachträglich noch erweitert und auch von Gewalt des KSC-Anhangs gesprochen. Die Sicherheitskräfte nannten bislang jedoch keine Anzahl der Festnahmen, gaben aber am Montagnachmittag immerhin ein Update was die Verletzten betrifft. Demnach seien zwei Mitarbeiter des Ordnungsdienstes schwer verletzt. Drei weitere Mitarbeiter und ein Polizeibeamter trugen jeweils leichte Verletzungen davon.
Klar ist, dass das Sicherheitskonzept vor und nach dem Spiel aufging, so die Polizei. Sowohl die An- als auch die Abreise der Gästefans sei "ohne Vorkommnisse" verlaufen.
Noch im vergangenen Mai war es dagegen zu einem Polizei-Einsatz im Heimbereich beim Südwest-Derby gekommen, den der KSC im Nachgang deutlich kritisiert hatte - allerdings ohne unmittelbare Beteiligung von Gäste-Fans aus der Pfalz.