Über viele Jahre war die Freiburger Stärke bei ruhenden Bällen ein großer Erfolgsfaktor. In der vorigen Saison gelang die starke Einstiegsbilanz von Julian Schuster mit Platz 5 überraschenderweise trotz eines Rückschritts im Bereich Standardsituationen. Die zwölf erzielten Standardtore 2024/25 sind der Tiefstwert seit dem Aufstieg 2016. Unerfreulich zudem: Durch laut kicker-Datenbank 15 Standardgegentore geriet das Verhältnis erstmals seit 2019, als der SC noch im Abstiegskampf steckte, in Schieflage (-3).
Gerade das Verteidigen bei Standards wird auch in dieser Saison kein leichtes Unterfangen. Allein mit Blick auf die Körpergröße ist der SC oft im Nachteil, der auch mit Spielweise und Verteidigungsart zu tun hat. Schuster setzt in aller Regel auf eine Viererkette. Wenn dann der Gegner mit drei Innenverteidigern antritt und der eigene 1,95 Meter große Stoßstürmer Igor Matanovic verletzt fehlt, gerät der Trainerstab bei der Zuordnung von einer Verlegenheit in die nächste.
Die Match-up-Probleme konnte man zuletzt beim 1:3 gegen Augsburg gut beobachten. Obwohl der FCA überraschend auf einen nominellen Stürmer in der Startelf verzichtet hatte, war er im Vorteil. Auch, weil in Freiburgs gemischter Mann-Raum-Verteidigung bei Ecken die kopfballstarken Matthias Ginter (1,91m) und Lucas Höler (1,84m) mit gutem Grund als "freie Männer“ eingeteilt sind, weil sie so oft per Kopf klären. Bei Augsburgs 0:2 setzte Chrislain Matsima (1,93m) seinen Kopfball nach starker Ecke aber genau im Raum zwischen den beiden.
FCA-Treffer trotz klarer Unterzahl vor dem Tor
Dem Innenverteidiger war Freiburgs unerfahrenes Mittelfeldtalent Johan Manzambi (1,83m) zugeteilt, das ihn trotz Größennachteils energischer an seinem simplen Laufweg hätte hindern müssen. Schuster und Co. hatten sich entschieden, ihren zweiten Innenverteidiger Philipp Lienhart (1,89m) auf den bei Offensivstandards gewieften Ex-Freiburger Keven Schlotterbeck (1,88m) anzusetzen. Und Rechtsverteidiger Lukas Kübler (1,82m) musste es mit Jeffrey Gouweleeuw (1,88m) aufnehmen. Mindestens zwei gefährliche Mismatches. Eines hat dem FCA gereicht, obwohl er mit sechs gegen neun Mann im Standard-Gedränge vor dem Tor klar in Unterzahl war.
Für die SC-Profis gilt es, in ihren direkten Duelle körperlich vehementer im Rahmen des Erlaubten zu arbeiten - und auf Matanovics Rückkehr zu hoffen, der nach der Länderspielphase wieder fit sein sollte.