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Die Unvollendete: Violetter Höhenflug mit brutaler Landung

kicker

Die Saison der Austria Wien

Keine zwei Minuten standen für den FK Austria Wien im Saisonfinale zwischen Himmel und Hölle. Nachdem 15.000 Fans die Generali-Arena bei 2:1 (91.) in ein Tollhaus verwandelt hatten, folgte mit dem Ausgleich von Blau-Weiß Linz (92.) der ultimative Knockout. So rutschten die über Monate sensationell stabilen Violetten vom zweiten auf den vierten Platz ab. Bei 2:1 hätte es zudem nur ein weiteres Tor des WAC bei Sturm Graz gebraucht, um die Austria zum Meister zu machen. Statt Champions-League-Quali gibt es jetzt nur Conference-League-Quali und vielleicht um viele Millionen Euro weniger in die Kassa.

Moment der Saison: Ilves Tampere

Gebetsmühlenartig wiederholten Trainer Stephan Helm, Kapitän Manfred Fischer, Topscorer Dominik Fitz und Co. über Wochen und Monate den Satz: "Wir wissen, wo wir herkommen." Was sie meinten, wussten alle Austria-Fans nur zu gut. Im Hochsommer waren fußballerisch limitierte, aber mit Kämpferherz gesegnete Finnen in Wien-Favoriten aufgeschlagen und hatten der Austria einen Saisonstart "made in hell" verpasst. Nach dem blamablen Aus in der Conference-Leauge-Quali im Elferschießen gegen Ilves Tampere dachten nicht wenige, dass die erste Saison von Helm als Cheftrainer ein jähes Ende nehmen würde. Doch der internationale Umfaller und der nationale Fehlstart (0:1 bei Blau-Weiß Linz) schweißten die Truppe zusammen.

Schlüsselspieler der Saison: Aleksandar Dragovic

Hauptverantwortlich für den violetten Bundesliga-Höhenflug im Herbst - mit acht Siegen in Serie von Anfang Oktober bis in die Winterpause - war einer der besten Transfers der jüngeren Bundesliga-Historie. Aleksandar Dragovic, der gegen die Finnen und in Linz noch keine Spielberechtigung hatte, machte aus einer Schießbude, als die sich die Austria-Defensive in den Jahren davor präsentiert hatte, praktisch im Alleingang ein stabiles Bollwerk. Neben Kapitän Fischer in der Mittelfeld-Zentrale gab es nun in der Innenverteidigung einen zweiten, wenn nicht sogar den einen klaren Chef auf dem Platz.

Die Unterschätzten der Saison: Das Trainerteam

Im kicker-Interview mit Sportdirektor Manuel Ortlechner beschrieb dieser den Trainer und dessen Team als bodenständig, vernünftig, pragmatisch, ehrlich und witzig. Stephan Helm, seine Co-Trainer Christian Wegleitner und Christoph Glatzer (dazu Tormanntrainer Udo Siebenhandl) bildeten ein stabiles Fundament im Spiel der Austria. Man verpasste der Mannschaft ein strenges Korsett ohne wilde Fantasien, das auf Balldisziplin, Laufbereitschaft, schnellen Umschaltmomenten und kompromissloser Zweikampfführung aufbaute. In diesem Kosmos der Stabilität fand Dominik Fitz zur Topform - als Ankurbler, Vorbereiter, Vollstrecker, Elferschütze und Topscorer der Liga.

Flops der Saison: Salzburg-Trauma und Derby-Pleiten

Die seit vielen Jahren anhaltende Negativserie gegen Red Bull Salzburg hielt auch in dieser Saison an. Aus vier Duellen mit den Mozartstädtern holte die Austria keinen Punkt. Dass die Wiener Derbys im Frühjahr beide an Rapid gingen, sollte den Favoritnern in der Endabrechnung ebenfalls extrem wehtun. Und last but not least kann das abschließende Remis gegen Blau-Weiß Linz ebenfalls als Umfaller in einem Big Game bezeichnet werden.

Transferpläne: Stürmer Boateng eröffnet Sommer

Der harte Kern steht weiter unter Vertrag: Trainer Helm (bis 2026), Dragovic (bis 2027), Fischer (bis 2026) und auch Fitz (2026). Letzterer soll allerdings auf der Wunschliste einiger Klubs aus Kanada, Spanien oder Deutschland ganz oben stehen. Es vergeht kein Tag, an dem nicht irgendein Gerücht um den 25-jährigen Offensivmann medial gestreut wird. Der Klub könnte einen hohen Erlös aus einem lukrativen Transfer sehr gut gebrauchen und wird Fitz nichts in den Weg legen. Der nun fix verpflichtete Stürmer Maurice Malone erhielt schon Verstärkung: so wurde diese Woche Kelvin Boateng von der Vienna verpflichtet. Handlungsbedarf würde in allen Mannschaftsteilen bestehen, um dem Kader mehr Tiefe und Qualität zu geben. Das liebe Geld bleibt aber das große Thema.

Gesamtnote der Redaktion: 2,5