Freude über Pokalsieg
"Heute geht es hier um ganz viel" - Unterhachings Präsident Manfred Schwabl hatte die eigene Erwartungshaltung kurz vor dem bayerischen Totopokal-Finale den rund 2200 Zuschauern im Vöhlistadion klar dargebracht. Die Illertisser seien zwar nette Leute, aber auch ein ganz unangenehmer Gegner, sagte er in einem Gespräch mit dem Stadionsprecher. Ob Schwabl bei dieser Aussage schon eine Vorahnung hatte, blieb am Ende offen.
Das Endspiel im bayerischen Verbandspokal war zunächst im Prinzip ein Duell der Enttäuschten. Die Münchner Vorstädter als Drittliga-Absteiger konnten sich dabei schon einmal an die schwäbische Umgebung gewöhnen, schließlich kickt man in der Regionalliga künftig gegeneinander. Der FV Illertissen seinerseits blieb in eben dieser Liga elf Spiele hintereinander ohne einen Dreier und musste sich in der Endabrechnung mit einem achten Tabellenrang zufriedengeben. Der letzte Sieg, ein 1:0 gegen Bamberg, datiert von Anfang März.
Beispiellose Verletzungsmisere
"Wir wären dieses Jahr sicher Zweiter oder Dritter geworden" - FVI-Sportdirektor Karl-Heinz Bachthaler nennt eine fast beispiellose Verletzungsmisere, auch im Pokalfinale am Samstag mussten sechs Stammkräfte ersetzt werden, als Hauptgrund für die Negativserie. Ein zusätzlicher Motivationskiller könnte zudem die Tatsache gewesen sein, dass der Verein bewusst nicht für die 3. Liga gemeldet hat. "Ist doch klar, die Jungs wollen nach oben", gibt Bachthaler zu, der nach wie vor auf der Suche nach einem Nachfolger für seinen eigenen Job ist.
"Der Trend war nicht auf unserer Seite, wir mussten in den letzten Wochen viel einstecken" - Illertissens Trainer Holger Bachthaler durfte sich beim nicht unverdienten 1:0-Finalsieg über die Hachinger über eine geschlossene Vorstellung seines Teams freuen. "Fußball ist halt auch Tagesgeschäft, und wir haben auf den Punkt eine sehr gute Leistung gebracht", gab der Fußballehrer später zu Protokoll.
Ponath gewinnt erneut den Cup
Hellwach und mit dem notwendigen Glück agierte in den vorherigen 90 Minuten nicht zuletzt sein Torhüter Markus Ponath. Der hielt, vor allem in der Schlussphase der Partie mit mehreren Paraden, den knappen Vorsprung fest und ermöglichte den Schwaben so den dritten Pokaltriumph innerhalb von vier Jahren. Erstmals musste Illertissen dabei nicht ins Elfmeterschießen und Ponath gelang zudem etwas Besonderes. Mit dem FC Ingolstadt stand er bereits im vergangenen Jahr im Finale und gewann ebenfalls den Titel. "Manchmal ist es wichtig, einfach da zu sein", kommentierte der von den Schanzern ausgeliehene Keeper seine eigene Leistung.
Jetzt wünscht man sich beim frischgebackenen bayerischen Pokalsieger einen attraktiven Gegner in der ersten Runde des DFB-Pokals. "Hoffentlich ist der nicht zu gut, sonst könnten wir es hier gar nicht stemmen", witzelt Herrmann Schiller mit einem Augenzwinkern. Der FVI-Pressevorstand sinniert bereits über mögliche Ausweichszenarien. Das nahe Donaustadion in Ulm dürfte wohl kaum in Frage kommen, weil dort unter Umständen notwendige Modernisierungsmaßnahmen anlaufen.
Zurück zum Samstag. "Das Spiel hat zur ganzen Saison gepasst. Vielleicht muss man auch mal demütig die Regionalliga annehmen und dort einen Neustart machen" - aus Sicht von Schwabl haben nicht nur in der ersten Halbzeit des Pokalfinales Ansprüche und Wirklichkeit bei der Spielvereinigung nicht zusammengepasst. Nun stehen sowohl den Illertissern als auch den Unterhachingern spannende und intensive Wochen bevor.
Beim FVI hat man am Saisonende mit einem immensen Umbruch zu kämpfen. Karl-Heinz Bachthaler redet Klartext: "Uns steht ein riesiger Aderlass bevor. Die werden hier einfach gut ausgebildet". Das wecke Begehrlichkeiten, mindestens elf Akteure verlassen den Verein. Die Leihspieler Marco Mannhardt (SC Verl), Eliot Muteba (1860 München) und Keeper Ponath (Ingolstadt) werden Bachthalers Angaben zufolge zu ihren Klubs zurückkehren. Darüber hinaus sehen Nico Fundel (Stuttgarter Kickers), Liam Omore (Würzburger Kickers), Marin Pudic (Wacker Burghausen) und Gökalp Kilic (TSV Essingen) ihre sportliche Zukunft nicht an der Iller.
"Das ist halt unser Los, die Abgänge bedeuten viel Arbeit", weiß Holger Bachthaler. Nicht nur menschlich, sondern auch fußballerisch müssten eventuelle Neuzugänge wieder integriert werden. "Wir werden auch im kommenden Jahr wieder eine gute Truppe haben", fügt Bachthaler Senior hinzu. Bislang hatten die beiden Bachthalers sowie ihre Mitstreiter jedenfalls immer ein gutes Händchen und den richtigen Spürsinn, bei ihrer Suche nach hungrigen jungen Talenten.