Im Rahmen seiner Saisoneröffnung, zu der am Samstag nach offiziellen Angaben mehr als 80.000 Besucher auf das Gelände des Zweitligisten strömten, hat der FC Schalke 04 einen symbolträchtigen Förderturm eingeweiht. Wer mindestens vier Anteile der vor sieben Monaten gegründeten Fördergenossenschaft zeichnet, wird auf dem Sockel des sechs Meter hohen Stahlkolosses namentlich verewigt.
Alle rund 190.000 Vereinsmitglieder des FC Schalke 04 können Teil der Fördergenossenschaft werden - nur sie sind berechtigt, als Einzelpersonen Anteile zu erwerben (ebenso Unternehmen und Vereine als juristische Personen). Jeder Anteil kostet 250 Euro, dazu kommen für Mitglieder einmalig 75 Euro Eintrittsgeld, das ausschließlich zu Verwaltungszwecken verwendet wird.
Noch immer hinter den Erwartungen
Der bisherige Ertrag liegt zwar weiter hinter den Erwartungen - noch immer wurden keine zehn Millionen Euro eingenommen (Schalke äußerte zum Start die Hoffnung auf langfristig 50 Mio. Euro). Doch: "Bereits in diesem Jahr kann die Fördergenossenschaft ein wichtiger Hebel bei der Erfüllung der Eigenkapitalauflage seitens der DFL sein - und damit einen schmerzhaften Punktabzug verhindern", sagt Vorstandsboss Matthias Tillmann.
Die "Auf Schalke eG" kann schon mit Blick auf das laufende Kalenderjahr zu einem bedeutenden Baustein in der Bilanzierung werden - und für Entlastung sorgen bei der herausfordernden Erfüllung der Eigenkapitalauflage.
Zur Erinnerung: Diese besagt, dass Schalke 04 als Zweiligist im Kalenderjahr das negative Eigenkapital um fünf Prozent verbessern muss. Konkret handelt es sich aktuell um 4,91 Millionen Euro Überschuss, den Schalke 04 erwirtschaften muss. Gelingt das nicht, werden dem Klub für die Saison 2026/27 drei Punkte in der Liga abgezogen.
Die Rechnung ist auch aus steuerlichen Gründen kompliziert: Rund acht Millionen Euro eG-Ertrag (aktueller Stand) bedeuten längst nicht, dass die Auflage damit automatisch erfüllt ist. Wohl aber kann die Entwicklung zu einem Umdenken in Transferfragen führen: Bisher galten entsprechend hohe Transfererlöse mitunter als wichtigster Baustein.
Zwei, die bisher rein aus finanziellen Gründen verkauft werden sollten, könnten nun doch über den Sommer hinaus bei Schalke 04 bleiben. Der Verein scheint dank der Fördergenossenschaft weniger darauf angewiesen zu sein, Moussa Sylla und Taylan Bulut für mehrere Millionen Euro abzugeben.
Baumann noch im Juni skeptisch
Auch Sportvorstand Frank Baumann zeigte sich noch bei seiner Vorstellung Anfang Juni skeptisch, als er über Sylla und Bulut sprach: "Wir sind nur bereit, die Spieler abzugeben, wenn wir passende Angebote bekommen. Dass aber beide hierbleiben, halte ich für unwahrscheinlich." Nach neuesten Erkenntnissen erhöht sich die Chance, dass Miron Muslic mit Sylla und Bulut für die Saison planen kann.
Vor allem in Bezug auf Sylla dürfte das beim neuen Schalker Trainer für eine enorme Erleichterung sorgen. Der mit 16 Treffern erfolgreichste Schalker Schütze der Vorsaison zeigt sich auch in der bisherigen Vorbereitung treffsicher, zuletzt verwandelte er beim 2:4 gegen den FC Sevilla souverän einen Foulelfmeter, gegen den FC St. Gallen hatte er das 1:0-Siegtor geschossen.
Ein Verlust Syllas könnte die Mannschaft kaum kompensieren, für die Angriffsspitze würde die mit Abstand stabilste Säule wegbrechen. Emil Höjlund traut Schalke 04 keine konstante Saison zu, Peter Remmert gilt weiter eher als Back-up, Pape Meissa Ba, im Winter eigentlich als Neuner verpflichtet, befindet sich bereits wieder auf dem Sprung zu den Queens Park Rangers.
Nach Transfereinnahmen in möglichst hohem Bereich strebt Schalke 04 natürlich weiterhin. "Aber was sich ändert ist, dass wir nicht unter Druck etwas machen müssen, was wir nicht unbedingt wollen", sagt Tillmann. "Die Genossenschaft gibt uns Freiraum und eine ganz andere Verhandlungsposition."