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Drei Akte der Interpretation: Ritter und der Geheimnisverrat

kicker

Seit Thomas Hengen die Geschicke der Roten Teufel leitet, sind Vertragslaufzeiten ein gut behütetes Geheimnis. Die Vehemenz, mit der versucht wird, zu verhindern, dass auch nur kleinste Details über Arbeitspapiere an die Öffentlichkeit geraten, könnte man sich doch gleich noch anderweitig zunutze machen. Sie könnte als Vorbild für die Mannschaft dienen, die eine solche Leidenschaft längst nicht immer an den Tag legt.

Der Sinn des Ganzen soll an dieser Stelle nicht groß zur Debatte stehen. Nur so viel: Will ein anderer Verein wissen, bis wann das Objekt seiner Begierde noch vertraglich gebunden ist, findet er das auch so in wenigen Minuten heraus. Also zurück zum Thema und dem Stein des Anstoßes. Marlon Ritter, Kapitän der Mannschaft und seit nunmehr fünfeinhalb Jahren in der Pfalz, hat sich doch tatsächlich in die Grenzregion des Verrats gewagt und über seinen Vertrag gesprochen.

Ritter wird der Nachsatz zum Verhängnis

Genauer gesagt über den, den er gerne hätte. Von Bild gefragt, wie er sich seine Zukunft vorstelle, antwortete Ritter: "Dass ich mich wohlfühle, ist klar. Meine Familie fühlt sich wohl, meine Tochter hat einen guten Kindergarten, deswegen habe ich momentan nicht das Bedürfnis, irgendwo anders hinzugehen." So weit, so gut. Wäre da nicht der Nachsatz: "Aber da gehören ja auch immer zwei Seiten dazu. Ich kann ja nicht einfach sagen, ich würde jetzt gerne noch zehn Jahre hier spielen. Da muss auch der Verein mitziehen. Ich hoffe doch, dass sie noch Lust auf ein paar Jährchen mit mir haben."

Die faktisch einwandfreie Ergänzung - schließlich kann er sich den Vertrag nicht selbst ausstellen - harmoniert offenbar nur bedingt mit den Richtlinien auf dem Betzenberg. Die Fanwelt interpretierte munter drauflos und einigte sich auf einen gemeinsamen Nenner: Ritters Vertrag läuft wohl aus und ein unterschriftsreifer liegt ihm nicht vor. Sportdirektor Marcel Klos nutzte den Trainingsauftakt am 4. Januar, um dem Thema den Wind aus den Segeln zu nehmen: "Marlon hat einen Vertrag in Kaiserslautern, und das ist auch kein kurzer Vertrag. Es ist natürlich sein gutes Recht, zu sagen, dass er sich hier wohlfühlt und bleiben möchte." Also hat Ritter doch einen Vertrag über das Saisonende hinaus? Die Interpretationen gingen zwar in die nächste Runde, das Thema war im Grunde aber erst mal durch.

Das letzte Wort obliegt dem Chef

Doch das letzte Wort in dieser Causa war noch nicht gesprochen. Das obliegt (vorerst) Hengen, dem obersten Hüter der Geheimnisse. Sich jetzt mit vertraglichen Themen zu beschäftigen, zeuge von einem "falschen Fokus", sagte er in der Rheinpfalz vom 6. Januar. Das Management solle sich doch bitte um Vertragsthemen kümmern. "Nehmen wir beispielsweise Marlon Ritter. Wir sitzen fast täglich zusammen, bei verschiedenen Anlässen. Die Türen hier im Stadion sind immer offen. Er kann also gerne auch jederzeit zu uns kommen und mit uns über seine Zukunft sprechen, das besprechen wir dann aber intern."

Und damit herzlich willkommen zum dritten Akt der Interpretationen und der großen Frage, was tatsächlich vom sportlichen Alltag ablenkt: Ritters im Grunde unverfängliche und aus Klubperspektive absolut positive Antwort auf eine ihm gestellte Frage oder das, was der Verein damit anstellt?