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Wunder-Rückrunde? Schalke benötigt alle Kraft

kicker

Die ersten Profis hatte Miron Muslic schon direkt am Wochenende nach dem Jahreswechsel zusammengetrommelt, seit Anfang der Woche sind nun alle Schalker Spieler wieder beisammen - auch diejenigen sind inzwischen ins Training eingestiegen, denen der Coach mit Verweis auf die für sie extrem hohe Hinrundenbelastung ein paar Tage Extraurlaub gewährt hatte. Das waren nicht wenige.

Acht Spieler entspannten länger

Kapitän Kenan Karaman sowie Vitalie Becker, Soufiane El-Faouzi, Loris Karius, Nikola Katic, Hasan Kurucay, Ron Schallenberg und Moussa Sylla durften länger entspannen als ihre Teamkollegen, bei denen diese Trainermaßnahme aber nicht für Unmut sorgte. Im Gegenteil.

"Die Jungs, die etwas länger Urlaub bekommen haben, haben sich diese Tage auch verdient", sagt Innenverteidiger Timo Becker, der selbst mehrere Wochen mit einer schweren Knieverletzung ausgefallen war. "Sie haben nahezu jedes Spiel komplett bestritten, sich durchgekämpft und stets in den Dienst der Mannschaft gestellt. Es ist gut, dass sie noch einmal etwas Kraft tanken konnten."

Intaktes Teamgefüge

Dass den betreffenden Spielern die Pausenverlängerung allseits gegönnt war, ist nur ein weiterer Beleg für die gute Stimmung innerhalb des Kollektivs. Vor rund einem halben Jahr waren sich die Königsblauen untereinander nicht so recht grün, Muslic hat aus der Ansammlung von Individualisten die Einheit geformt, die den Jahreswechsel als Herbstmeister verbringen durfte.

Genau an diesen Teamgedanken hat auch Sportvorstand Frank Baumann zum Trainingsauftakt noch einmal in der Kabine appelliert. Im Schlepptau hatte er Maximilian Lüftl, Schalkes neuen "Leiter Scouting und Transfers". Ihn lernten die Profis im Verbund also gleich persönlich kennen.

Die Suche nach personellem Zuwachs für die Rückrunde war zum Jahresende bereits ohne Lüftl angelaufen, mit seinem vorzeitigen Wechsel von Hannover in den Ruhrpott darf der 31-Jährige nun aber auch am Berger Feld seine Empfehlungen abgeben.

Torjäger-Suche läuft

Benötigt wird vor allem ein Torjäger, mit dem Schalke in den kommenden Monaten nicht nur seine Aufstiegschancen erhöht, sondern der bestenfalls bereits das Potenzial besitzt, auch nach der Rückkehr in die Bundesliga eine tragende Rolle im Oberhaus zu spielen. Die sofortige Etablierung in der Beletage ist das erklärte Ziel der Schalker nach einem möglichen Aufstieg.

Schalke will so schnell wie möglich zurück in die 1. Liga, das hat der Aufsichtsratsvorsitzende Axel Hefer im kicker-Interview zum Jahreswechsel noch einmal bekräftigt. "Nach dem Zusammenbruch sind wir dabei, den Verein wieder in die Bundesliga zu führen", sagte er.

Bis dahin ist es noch ein weiter Weg, zunächst wollen die Schalker versuchen, an die Wunder-Hinrunde anzuknüpfen, allerdings sollten sie dabei nicht direkt da weiter machen, wo sie aufgehört haben. Die finalen Auftritte 2025 waren doch sehr zäh, trotz der Siege gegen Düsseldorf (2:0) und Nürnberg (2:1) waren die Schalker zurecht unzufrieden mit ihren sportlichen Darbietungen.

Verzicht auf Winter-Trainingslager

Nicht zuletzt mit Blick auf die sehr kurze Zeit zwischen dem 1:2 in Braunschweig und dem Trainingsstart auf Schalke haben die Gelsenkirchener diesmal auf ein Wintertrainingslager verzichtet. Am Samstag und damit genau eine Woche vor dem Jahresauftakt bei Hertha BSC steht der einzige Test dieser Vorbereitung an, es geht zum VfL Osnabrück.

Timo Becker sagt: "Trotz des Winterwetters haben wir sehr gute Bedingungen in Gelsenkirchen. Dank der Rasenheizung sind die Plätze grün, sodass wir uns gut auf die anstehenden Aufgaben vorbereiten können." Ein wenig Kraft haben er und seine Teamkollegen über Weihnachten getankt. Ob die ausreicht, um nun eine Wunder-Rückserie folgen zu lassen?

So recht trauen die Schalker dem Braten selbst nicht. Ihr Demutsgedanke hat sich auch über die Feiertage nicht verflüchtigt - zu schmerzlich sind die Erfahrungen der vergangenen beiden Saisons. Insbesondere bei dem, der es mit am besten wissen muss: Kenan Karaman.

"Der Aufstieg ist gerade kein Thema in der Kabine", sagt der Kapitän und ergänzt: "Vor allem nicht, wenn man weiß, wie die letzten Jahre hier gelaufen sind." Obwohl eigentlich das Aufstiegsrennen anvisiert gewesen war, zumindest intern, steckte Karaman mit Schalke zweimal in Folge im zermürbenden Zweitliga-Abstiegskampf.

"Schnell in die andere Richtung"

Das hat auch beim mit sechs Treffern (und fünf Vorlagen) aktuell besten S04-Torjäger Spuren hinterlassen. "Ich bin sehr froh und glücklich, dass wir den Verein in die richtige Richtung gelenkt und die Hinrunde gut abgeschlossen haben. Ich weiß, dass es sehr schnell in die andere Richtung gehen kann. Deshalb ist der Aufstieg noch sehr weit weg.“ Auch Timo Becker sagt: "Wir wissen, was wir bisher geschafft haben. Wir wissen aber auch, wie schwer die Rückrunde wird."

Aus diesem Grund wirkt das beharrliche Abblocken der Aufstiegsfrage nicht allmählich albern. Die Vorsicht ist begründbar, man kann sie gut nachvollziehen. Zumindest noch. Wenn es für die Gelsenkirchener weiterhin so erfolgreich läuft wie an den ersten 17 Spieltagen, werden sie mit einer verbal forscheren Gangart nicht bis April warten können. Das würde dann irgendwann unglaubwürdig werden.